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Am Nuthegraben

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Jörg Kantel

Am Nuthegraben

"Die Strecke nach Sperenberg, an der ist doch nichts ökologisch Wertvolles."
(Regine Hildebrandt, die auf einer Wahlkampfveranstaltung der Steglitzer SPD für den Flughafen Sperenberg warb.)

Es war ein schöner Sonnensonntag im Frühjahr, das ideale Wetter für eine Radtour. Nur, wir wußten nicht, wohin. Gabi fixierte die Karte und fragte dann: "Rot bedeutet doch Sehenswürdigkeiten, oder?" "Ja." "Dann fahren wir hierhin." Damit deutete sie auf einen Punkt ziemlich am südlichen Rand der Karte, auf dem tatsächlich in rot "Benediktinerkloster" stand. Damit war beschlossen, wir fahren nach Kummersdorf-Alexanderdorf. (Nicht nur Hochzeiten führen manchmal zu Doppelnamen, auch Gebietsreformen und Gemeindezusammenlegungen schaffen diese Wortungetüme.)

    Kummersdorf liegt kurz vor Sperenberg. Wir radelten also durch das Gebiet, das bei dem geplanten Ausbau des Flughafens in Mitleidenschaft gezogen würde.

    Von Steglitz aus entlang des Teltowkanals bis zur Stadtgrenze, dann entlang des ehemaligen Grenzstreifens zum Bahnhof Teltow und östlich der Bahnlinie weiter Richtung Süden. Großbeeren ist fast ganz ohne Behelligung durch den Autoverkehr zu erreichen. Durch den Ort selber schoben wir, da der Verkehr auf der B 101 mittlerweile solch ein Ausmaß angenommen hat, daß Radfahren hier lebensgefährlich wird. Doch kurz vor dem südlichen Ortsende radelten wir links ab in die Nutheniederung und waren damit dem Verkehr und Streß entronnen. Noch 1945 soll hier alles schilfbewachsen gewesen sein, bevor das Land nach der Bodenreform urbar gemacht wurde. Überall sind Entwässerungsgräben und da die schweren Landmaschinen der LPG's in dem sumpfigen Boden eingesackt wären, sind die Landwirtschaftswege, über die wir radelten, mit Betonplatten ausgelegt. Das geht zwar "rumpel, rumpel, rumpel" aber mit dicken Reifen ist es doch ein recht angenehmes Fortkommen. Gelegentlich begegnete uns ein Auto, das die Betonpiste als Schleichweg nach Blankenfelde benutzte, aber ansonsten waren wir bis auf wenige fröhliche Radtouristen allein in der Natur. Die Bäume entlang der Gräben zeigten ihr erstes freundliches Grün und aus den Gräben selber war der Hochzeitsgesang der Frösche zu vernehmen. Störche stolzierten in kleinen Gruppen über die feuchten Äcker. Auch sie wollten ihren Anteil von den Laichzügen der Frösche und Kröten abhaben. Und ab und zu zog über uns ein Fischreiher in Richtung des Rangsdorfer Sees. Es war wunderschön, so wie man sich einen Frühlingstag erträumt.

    Die Wege waren natürlich nicht beschildert, und so waren wir froh über unsere recht genaue Karte, die uns die Entwässerungswerke zeigte, an denen wir abbiegen mußten. Jedes dieser Wehre besaß einen kleinen Teich, an dem Angler saßen. Am ersten Pumpwerk vorbei, über die Autobahn bei Genshagen, am zweiten Pumpwerk wieder abgebogen nach Groß-Schulzendorf. Hier verließen wir die Nutheniederung. Die Landschaft jedoch büßte nichts von ihrer Schönheit ein.

    Hinter Groß-Schulzendorf steigt der Weg von den flachen 36 Metern der Nutheniederung auf stolze 45 Meter an. Erst hier befuhren wir zum ersten Mal für eine längere Zeit eine reguläre Straße bis nach Nunsdorf. Es ist eine der schönen Brandenburger Alleen mit altem Baumbestand rechts und links und der Verkehr hielt sich am frühen Sonntagnachmittag auch in Grenzen. In Nunsdorf bogen wir wieder auf einen der Landwirtschaftswege ab. Wir waren wieder in einer Niederung und der Weg führte zwischen zwei Hügeln hindurch: den Höllenberg und den Saalower Höllenberg. Kein Autoverkehr behelligte uns, außer uns waren überhaupt keine Menschen zu sehen. Und über uns kreisten Raubvögel. Da wir, wie fast immer, unser Vogelbestimmungsbuch zu Hause vergessen hatten, rieten wir ziemlich chaotisch herum, ob es Falken, Sperber oder Bussarde seien.

    So erreichten wir Gadsdorf, waren fast unbemerkt und mühelos unserem Tagesziel nahegekommen. Von hier aus bis zum Benediktinerkloster Alexanderdorf geht es leider nur über eine vielbefahrene Straße.

    Das Kloster ist heute ein Krankenhaus oder Behindertenheim, jedenfalls eine Einrichtung des DRK und war nicht zu besichtigen. Auch sonst war keine Hinweistafel angebracht. Und da sich auch die Reiseführer unserer eigentlich recht gut bestückten Bibliothek darüber ausschweigen, wissen wir bis heute nichts über diese Kloster. (Für Informationen aus den Reihen unserer Leserschaft sind wir dankbar. Wir werden dann in der nächsten Sylvester darüber berichten.) Es ist ein ähnlicher Backsteinbau wie Kloster Lehnin und liegt in einer ähnlich sumpfigen Gegend am Rande eines Waldes. Die Sage berichtet, daß alle märkischen Klöster in todbringenden, sumpfigen Gegenden angesiedelt seien, damit die Mönche den nahen Tod immer vor Augen hätten.

    Zurück fuhren wir wieder über Gadsdorf nach Saalow. Die Nähe des ehemaligen russischen Flughafens Sperenberg war an einigen alten Kasernen zu merken, die an der Straße lagen. Sie wurden jetzt zu Erholungs- und Altenheimen umgebaut. Es war leider schon zu spät für einen Abstecher zum Mellensee, dem Ausgangspunkt des Nottekanals nach Königswusterhausen. (Eine Fahrt entlang des Nottekanals über Mittenwalde ist übrigens ebenfalls eine schöne Radtour, doch das ist eine andere Geschichte.)

    Wir bogen wieder Richtung Norden ab, auf Rangsdorf zu. Zuerst die Straße entlang und dann ab in den Wald. Teilweise war der Weg arg sandig, selbst unsere Mountain-Bikes quälten sich und wir mit ihnen. Erst in der Niederung südlich des Rangsdorfer Sees waren die Wege wieder mit Betonplatten ausgelegt und das Befahren wieder angenehmer. Wir radelten immer am Rande des Naturschutzgebietes entlang bis uns der Weg wieder auf eine Landstraße führte. Hier gerieten wir mit unseren Rädern mitten in rollende Dreharbeiten. Eine Autofahrt wurde gefilmt. Wir merkten allerdings erst beim Überholen davon und haben vermutlich die Aufnahme geschmissen. In Jünsdorf bogen wir wieder ab in den Wald um an das Nordufer des Rangsdorfer Sees zu gelangen. Von hier aus führt uns, das wußten wir von früheren Fahrten, ein Waldweg fast direkt bis zum Bahnhof Blankenfeld.

    Es dämmerte schon, als wir in Blankenfeld in die S-Bahn einstiegen. Aber wir hatten einen schönen Tag hinter uns und wußten einen Grund mehr, warum wir einen Flughafen Sperenberg ablehnen. Die Nutheniederung ist ein kleines ökologisches Paradies und muß erhalten bleiben.


Erstveröffentlichung: Sylvester ????





Letzte Änderung: 12.01.2003; 21:30:47 Uhr | © Copyright: 2000 - 2002 by Kantel-Chaos-Team | Kontakt: der@schockwellenreiter.de

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