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Nelken für den Anarchismus

Andreas Essl: Warum ist der 1. Mai ein roter Tag im Kalender? (Achtung, ganz viele häßliche Pop-Up-Fensterchen!) Über die Bombe vom Chicagoer Haymarket, deutsche Flüchtlinge vor der 1848er-Restauration, einen Justizmord und die amerikanische Angst vor der »roten Gefahr«.

Rote Nelke Die rote Nelke erhielt ihr politisches Image als Arbeiterblume auf dem Internationalen Sozialistenkongress, der 1889 in Paris tagte. Dort beschloß man, den 1. Mai in allen Ländern als Kampftag zu feiern. Prompt trugen die Schuhmacher bei einer 1. Mai-Kundgebung rote Nelken im Knopfloch, schreibt 1890 eine Berliner Zeitung. Das war polizeilich untersagt und führte zu Verhaftungen und Krawallen. Dabei hatte die Nelke ursprünglich eine ganz andere politische Geschichte. Als Zeichen ihrer Unerschrockenheit trugen während der französischen Revolution verurteilte Aristokraten Nelken auf den Weg zur Guillotine. Trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - blieb die rote Nelke das Symbol der Arbeiterklasse.

Joachim Hoffmann: Ein Jahrhundert Sozialistenfriedhof Berlin-Friedrichsfelde.

Eugen Heilig: Die Mai-Nelke, Berlin 1932

Eugen Heilig: Die Mai-Nelke, Berlin 1932 (Quelle: Galerie Arbeiterfotografie)

In der »vornehmen Welt« des gerade erfundenen Fracks löste jedoch die Kartoffelblüte die Nelke als Knopflochblume ab.

Als »Götterblume« bezeichnete Linné die Gartennelke, als er ihr den botanischen Namen Dianthus (Familie Familie Caryophyllales) gab, und mit den Göttern verbindet sich auch die klassische Sage ihrer Entstehung. Diana stieß eines Tages nach erfolgloser Jagd auf einen zufrieden auf seiner Schalmei blasenden Hirten und vermutete, dieser habe mit seinem Spiel das Wild verscheucht. Wutentbrannt riss sie ihm beide Augen aus und warf sie fort. Nach einiger Zeit überkam sie Reue und sie verwandelte die Augen des Unglücklichen in die schönen Blüten der Nelke, deren französischer Name »oeillet«, Äuglein, noch heute an diese von Ovid überlieferte Erzählung erinnert. Mit Frankreich verbindet sich auch eine andere Schilderung, die behauptet, die Pflanze sei vom Heer König Ludwigs IX. 1270 bei der Belagerung der nordafrikanischen Stadt Tunis entdeckt und wegen ihres schönen Aussehens und intensiven Geruchs mit nach Hause gebracht worden, wo sie schnell die Gärten schmückte und durch Kreuzungen weitergezüchtet wurde.

Gewürznelke Der deutsche Name Nelke wird erst im 15. und 16. Jahrhundert wegen des intensiven Geruchs von der Gewürznelke (Frame-Alarm!) auf die Gartennelke übertragen. Sie hieß wegen der an einen Nagel erinnernden Form ihrer Blütenknospen schon länger Nägelchen, woraus sich der uns heute geläufige Pflanzenname herausbildete. (Quelle) Als man im 17. Jahrhundert der Zwiebelgewächse überdrüssig war, mutierte die Gartennelke zur Zierpflanze.

Eine weitere symbolische Bedeutung der Nelke findet man in Leonardo da Vincis berühmten Gemälde Madonna mit der Nelke. Sie gilt dort als Symbol der Passion.

Leonardo da Vinci: Madonna mit der Nelke Bartholomäus Bruyn d.Ä.: Bildnis einer jüngeren Frau mit Nelke

Oder in dem Gemälde von Barthel Bruyn dem Älteren Portrait einer Dame, dort gilt die Nelke als Verlobungs- und Hochzeitssymbol.

Weitere symbolische Bedeutungen der Nelke aus dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.

A liberdade começou com uma canção e um cravo

Faust und Nelke (Die Freiheit begann mit einem Lied und der Nelke)

Grândola vila morena
Terra da fraternidade
O povo é quem mais ordena
Dentro de ti ó cidade

Um 0 Uhr und 30 Minuten am 25. April 1974 liest der Sprecher des katholischen Rundfunks »Rádio Renascença« die erste Strophe des Liedes »Grândola Vila Morena« des antifaschistischen Protestsängers José Afonso. Damit wurde in Portugal die Nelkenrevolution ausgelöst und die älteste europäische faschistische Diktatur gestürzt. Die jungen Soldaten und Offiziere, die die Revolution auslösten, trugen als Zeichen rote Nelken in ihren Gewehrläufen. Das gab der Revolution ihren Namen und ist heute noch ein Grund, Nelken zu mögen.

[Last but not least]: Auch Neukölln - genauer das ehemalige Dorf Britz - war ein Zentrum der Nelkenzucht.





Letzte Änderung: 12.01.2003; 21:29:07 Uhr | © Copyright: 2000 - 2002 by Kantel-Chaos-Team | Kontakt: der@schockwellenreiter.de

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