Potsdam - Bugastadt 2001
 
Sacrow: Ritter und Radio

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Gabi und Jörg Kantel

Sacrow: Ritter und Radio

Schloß SacrowMan muß dem Grafen Hordt die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er das elende Sacrow umgeschaffen hat. Das schöne Wohnhaus, der ganze Plan des Gehöftes, des Gartens und des Dörfleins, alles kommt von ihm her. Wenn ich Sacrow jetzt mit dem von 1750 vergleiche, so kann ich sagen, Sacrow war damals ein Ratzenloch.
(Theodor Fontane)

So beginnt der Bericht des märkischen Chronisten über Sacrow, das in der Geschichte der Berlin-Potsdamer Schlösser- und Gärtenlandschaft eine Sonderstellung einnimmt. Der erste Versuch Friedrich Wilhelm II. von 1828, Sacrow zu erwerben, scheiterte, da ihm der Kaufpreis zu hoch erschien. Dennoch bezog Lenné das Areal bereits in seinem Verschönerungsplan der Umgebung von Potsdam mit ein. 1840 kaufte Friedrich Wilhelm IV. das Gut, ließ die meisten Wirtschaftsgebäude abreißen, das Gutshaus umbauen und gab den Bau der Heilandskirche in Auftrag. Park und Landschaft wurden von Lenné im Sinne eines Landschaftsparks neu gestaltet.

Fouqué Und fragt dann eine wohl nach mir,
So sprich: Er ist ein treuer Ritter,
Und dient den Fraun mit Schwert und Zither
Bei Tanz und Mahl, Schlacht und Turnier.

Prominentester Bewohner Sacrows war der »Märkische Don Quijote«, der Romantiker Friedrich de la Motte Fouqué (1777 - 1843), der hier seine Kinderjahre verbrachte. Fouqué erlangte während der napoleonischen Besetzungszeit Berühmtheit als Autor von Stücken mit Rittern und Burgfräulein als Helden. Er war ein Modeautor mit schnell verblassendem Ruhm. Einzig und allein die Oper Undine von E.T.A. Hoffmann, die 1816 in Berlin uraufgeführt wurde (Bühnenbild: Friedrich Schinkel) und zu der Fouqué das Libretto schrieb, wird heute noch gelegentlich gespielt.

HeilandskircheDas herausragendste Bauwerk Sacrows aber ist zweifellos die Heilandskirche, die von Ludwig Persius in den Jahren 1841 bis 1843 gebaut wurde und als eine der gelungensten romantischen Sakralbauten Deutschlands gilt. Durch ihre exponierte Lage direkt an der Havel lag sie zu DDR-Zeiten zwar auf DDR-Gebiet, aber vor der Mauer und durfte von 1961 bis 1989 nicht besucht werden. Der dadurch bedingte Zerfall ist nach der Wende gestoppt und die Kirche (auch mit Spendenmitteln) aufwendig saniert worden. Nun ist sie erneut in Gefahr, da der sinnlose Havelausbau des Projektes 17 - Ausbau der Bundeswasserstraßen - die Kirche ins Wanken bringen könnte.

Von der Heilandskirche ging auch der erste Funkspruch Deutschlands aus. Im Juli 1897 stellten Professor Adolf Slaby und Georg Graf von Arco in Anwesenheit des Kaiser Wilhelm II. zum ersten Mal eine Funkverbindung auf deutschem Boden her. Dazu benutzen sie keinen Sendemast, sondern befestigten einen simplen Draht am Glockenturm der Heilandskirche in Sacrow bei Potsdam. Die dazugehörige Empfangsstation befand sich rund 1,6 km entfernt an der im norwegischen Stil errichteten Matrosenstation an der Schwanenallee in Postdam (zwischen Neuem Garten und Glienicker Brücke).

Heute kann man in der Kirche Eiltrauungen vornehmen lassen, Sacrow im Rahmen einer Dampferfahrt besuchen oder - was sehr empfehlenswert ist - einen Ausflug zu Fuß oder mit dem Rad von Potsdam nach Sacrow unternehmen.


Literatur:

Friedrich de la Motte Fouqué: Ritter und Geister. Romantische Erzählungen Herausgegeben und mit einem Nachwort von Günter de Bruyn, Frankfurt/Main (Fischer TB, Reihe Märkischer Dichtergarten) 1981
Karl-Heinz Otto: Das Havelland - eine liebenswerte Kulturlandschaft, Potsdam (Heveller Verlag) 1999



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