
Gabi und Jörg Kantel
Daz gantze eyland muss ein paradeys werden - Der Pfingstberg
Die Aussicht ist unstreitig die reichste und herrlichste in der Umgebung Potsdams. Man übersieht die ganze Insel Potsdam mit der Havel und ihren Seen, die Stadt mit ihrem Häuserwalde, Kirchen, Thürmen und Kuppeln, die Königlichen Schlösser. (Belani)
Den Grundstein für die Berlin-Brandenburgische Garten- und Schlösser-Landschaft legte Kurfürst Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst (1640 - 1688) und sein enger Freund und künstlerischer Berater, der Statthalter der brandenburgischen Landesteile Kleve, Mark und Ravensberg am Rhein Johann von Nassau-Siegen (1604-1679). Sie machten die zuvor gottverlassene Gegend erstmals hoffähig, lassen das Stadtschloß als ständige zweite Residenz neben Berlin, den Lustgarten sowie einen Perlenkranz von Lustschlössern rings um die sogenannte Insel Potsdam entstehen. Warum er sich ausgerechnet die Insel Potsdam aussuchte, wissen wir nicht, aber 1664 schreibt Nassau-Siegen an den Großen Kurfürsten: Das gantze Eyland muss ein Paradeys werden. Damit war der Grundstein gelegt für eine weltweit einzigartige Kulturlandschaft.
Und daß man vom Pfingstberg die beste Aussicht auf diese Kulturlandschaft hatte, erkannte nicht nur der märkische Heimatdichter Belani. Schon Friedrich Wilhelm II. hatte vorgesehen, die Erhöhung mit einem neugotischen Belvedere zu krönen, doch diese Pläne wurden nie verwirklicht. Später ließ der Besitzer des damals als Weinberg genutzten Hügels im Jahre 1801 dort für seine Frau den Pomonatempel errichten. Für den damals 18jährigen Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841) war dies die erste Auftragsarbeit seiner Karriere. Die Dachterasse dieses Tempels war der erste künstliche Aussichtspunkt auf dem Pfingstberg. Etwa 50 Jahre später, in den Jahren von 1847 bis 1863 ließ dann Friedrich Wilhelm IV. von Ludwig Persius, Ludwig Ferdinand Hesse (1795 - 1876) und Friedrich August Stüler (1800 - 1865) das Belvedere nach dem Vorbild der Villa Medici in Rom errichten.
Wie der Pfingstberg zu seinem Namen kam ist übrigens ungeklärt. Ursprünglich hieß der Berg »Eichberg« und war ein Stadtwald, der von der Bevölkerung zur kostenlosen Beschaffung von Bauholz genutzt werden durfte. Der südwestliche Hang wurde ab 1743 für einen Jüdischen Friedhof freigegeben, damit änderte sich der Name von »Eichberg« in »Judenberg«.
Nach dem 2. Weltkrieg war rund um den Berg sowjetisches Militär stationiert und der Zugang zum Pfingstberg verboten. Man wollte der Bevölkerung den Blick in das dekadente Westberlin nicht zumuten. Die Anlagen verfielen zusehends. 1988 gründeten junge Potsdamer die AG Pfingstberg, die sich nach der Wende in Förderverein Pfingstberg e.V. (selten habe ich einen Verein mit hehren Vereinszielen, aber so einer schlechten Website gesehen) umbenannte, mit dem Ziel, die historischen Anlagen wieder zu restaurieren. Dazu veranstaltete er Konzerte und warb Sponsoren, wie den Hamburger Mäzen Hermann-Hinrich Reemtsma oder den Versandhausgründer Otto. Die Restaurierungsarbeiten waren schwierig, doch morgen früh ist es soweit: Am 7.4.2001 um 11:00 Uhr wird das Belvedere auf dem Pfingstberg feierlich wiedereröffnet.
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