Potsdam - Bugastadt 2001
 
Auf der Pfaueninsel

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Gabi und Jörg Kantel

Auf der Pfaueninsel

Herr Friedrich saß auf Sanssouci,
Den Krückstock, den vergaß er nie;
Frau Friedrich findet's à propos
Und sagt: »Ich mach es ebenso.«
(Theodor Fontane)

PfaueninselWenn man dem großen märkischen Chronisten trauen darf - und wer traut ihm nicht? - dann hat die Pfaueninsel drei große Zeiten erlebt. Die Zeit, als der Alchimist Johann Kunckel auf der Pfaueninsel lebte (1685 - 1692), die Zeit, in der Friedrich Wilhelm III. auf der Pfaueninsel orientalische Feste (ein früher Euphemismus für Orgien) feierte (aber gleichzeitig auch den Grundstein des Berliner Zoologischen Gartens legte) und die Zeit von Frau Friedrich. Doch wer ist Frau Friedrich? Gemach, wir erzählen alles der Reihe nach?

Die Insel, etwa 1,2 km lang und ungefähr einen halben Kilometer breit, hieß ursprünglich Kaninchenwerder, weil hier der Große Kurfürst »Canienengärten« angelegt hatte. 800 Kaninchen im Jahr erwirtschafteten immerhin 200 Taler für die kurfürstliche Kasse.

Johann Kunckel (ca. 1630 - 1702)

Doch die Kasse des Kurfürsten brauchte mehr. Und so erhielt 1685 der Alchimist und Entdecker des Phosphors, Johann Kunckel die Insel zum Geschenk. Er sollte dort für das bescheidene Jahresgehalt von 500 Talern Gold machen. Das war zwar nicht soviel, wie die 1000 Taler, die er im kursächsichen Dienst erhalten sollte, doch da er diese unter der logischen Begründung »Kann Kunckel Gold machen, so bedarf er kein Geld; kann er solches aber nicht, warum sollte man ihm Geld geben?« nie ausbezahlt bekam, nahm er die schlechter bezahlte Stellung in Brandenburg an. Zwar fand Kunckel auch hier kein Gold, aber immerhin erfand er das Rubinglas und sicherte damit soweit die Einnahmen der kurfürstlichen Kasse, daß ihm der Große Kurfürst zu Lebzeiten nie seine Gunst entzog. Nach dem Tod des Herrschers jedoch machte man ihm einen Prozeß wegen Veruntreuung und er flüchete nach Schweden, wo er in königlichen Diensten Bergrat und in den Adelsstand erhoben wurde, bis er ca. 1702 starb.

Fontane berichtete, daß man noch zu seiner Zeit auf der Insel hin und wieder Schlackenreste fand, die auf die Stellen verwiesen, wo die Glas- und alchimistischen Hütten des verhinderten Goldmachers standen.

Die Anfänge des zoologischen Gartens auf der Pfaueninsel

PalmenhausDie Insel versank wieder in einem Dornröschenschlaf, bis Friedrich Wilhelm III. (1797 - 1840) die Pfaueninsel für seine orientalischen Feste entdeckte. Man kam in Gondeln vom nahegelegenen Marmorpalast herübergesegelt, vergnügte sich mit den Hofdamen und gefiel sich als Sultan bis zum Anbruch der Dämmerung. Doch das Ambiente verlangte mehr, und so entstand die erste Meierei und ein kleines Landschlößchen - und man führte den Pfau auf der Insel ein, der ihr den bis heute gültigen Namen gab. Mit der Zeit entstand um das namensgebende Tier herum ein prächtige Menagerie, so daß allmählich aus dem Eiland unbeschränkter (sexueller) Freiheit ein regelrechter zoologischer Garten wurde. Nach dem Vorbild des Jardin de Plantes bei Paris wurde die Insel dann ab 1822 von Peter Joseph Lenné (1789 - 1866) - den wir in unserer kleinen Potsdam Serie noch häufiger antreffen werden - zu einem englischen Park mit versteckten Tiergehegen umgestaltet. Die Anlage wurde - nicht zuletzt durch das Schadowsche große Palmenhaus - zu einer europäischen Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Nach dem Tode des Königs verfiel die Anlage wieder, sein Sohn kam nur noch selten auf die Insel und ließ den Tierpark 1842 nach Berlin bringen, wo er den Grundstock des heutigen Zoologischen Gartens bildete.

Frau Friedrich

Luftbild PfaueninselDie Pfaueninsel blieb jedoch ein Ausflugsziel. Und während der Gründerjahre führte hier Frau Friedrich, die Gattin des gleichnamigen Maschinenmeisters, wie Fontane berichtete, ein eisernes Regiment. Es gab kein Café auf der Insel und wer, ermüdet von den langen Spaziergängen, im Maschinenhaus um einen Kaffee bat, war von Frau Friedrichs Gnaden abhängig, ob er ihn auch bekam.

Noch heute gibt es kein Café auf der Pfaueninsel, aber auch keine Frau Friedrich mehr. Das Blockhaus auf der Festlandseite ist nur ein schwacher Ersatz. Wem es nach dem braunen Lebeselixier gelüstet, kann nur mit dem Ausflugsbus in gastlichere Gefilde ausweichen.

Zugabe

Eine heutige zoologische Besonderheit auf der Pfaueninsel sind eine Kolonie Kormorane, die von den Sportanglern Berlins heftig angefeindet werden, aber immer noch dort brüten. Vielleicht heißt die Insel in späteren Zeiten ja einmal Kormoraninsel?


Literatur

Theoder Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter Teil Havelland, Berlin (Aufbau Taschenbuch Verlag) 1994
Wolf Jobst Siedler: Auf der Pfaueninsel. Spaziergänge in Preußens Arkadien, Berlin (btb) 2. Auflage 1996
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten (Hg.): Die Pfaueninsel, Berlin 8. Auglage 1971



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Letzte Änderung: 15.06.2002; 23:05:29 Uhr | © Copyright 2001 by Kantel-Chaos-Team | der@schockwellenreiter.de

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