Potsdam - Bugastadt 2001
 
Park und Schloß Babelsberg: Genie und Großmannssucht

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Gabi und Jörg Kantel

Park und Schloß Babelsberg: Genie und Großmannssucht

Schloß Babelsberg1833 konnte Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I. (1797 - 1888), seinen Vater überzeugen, daß auch er für sich und seine Frau, Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811 - 1890) ebenso wie seine Brüder eine standesgemäße Residenz benötige. Das zuvor angebotene Neue Palais in Sanssouci lehnte er als zu groß und zu unpersönlich ab.

Fürst Hermann von Pückler-MuskauPeter Joseph Lenné (1789 - 1866) machte den Prinzen auf den Babelsberg aufmerksam, gegenüber dem Jagdschloß Glienicke gelegen, von dem man herrliche Aussichten auf die Seenlandschaft hat. Doch Lennés Gartenkunst schien der eigenwilligen Prinzessin Augusta nicht zu genügen, sie gab dem gekränkten Lenné den Laufpaß und ließ dann Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785 - 1871, hier eine Biographie des Grünen Fürsten) die Anlage gestalten. Im Park Babelsberg gingen gartenarchitektonisches Genie und deutsche Großmannssucht eine Allianz ein. Hügel, die einen weiten Blick über die Potsdamer Gartenlandschaft rund um die Glienicker Brücke gestatten; und die Verwunschenheit der Bauwerke, die nur darauf zu warten scheinen, daß neugierige Flaneure sie wie durch Zufall entdecken - dies gibt dem Park Babelsberg einen eigenen Reiz. Pückler-Muskau, dem weit mehr Mittel und Vollmachten als Lenné zur Verfügung standen, erweiterte den Park in den Jahren 1843 und 1849 nach Westen und in den Jahren 1861 und 1871 nach Süden. Dadurch wies er eine Vielzahl von Landschaftsformen auf, vom stark bewaldeten Bergpark bis hin zum flachen Wiesengelände. So prägte Pückler die Landschaft des Babelsberger Parks nachhaltiger als Lenné.

Schloß Babelsberg 2Auch Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841), der das Schloß im neugotischen Stil plante und dabei Schloß Windsor zum Vorbild nahm, schien mit der späteren Kaiserin Augusta, die bei Goethe zeichnen gelernt hatte und Entwürfe für den Schloßbau lieferte, nicht immer glücklich gewesen zu sein. Nach seinem Tod 1841 leitete sein Schüler Ludwig Persius (1803 - 1845) die Arbeiten. Später waren dann noch die Baumeister Johann Heinrich Strack (1805 - 1880) und R.W. Gottgetreu mit der Vollendung des 1849 fertiggestellten Bauwerks befaßt. Trutzig wie eine mittelalterliche Ritterburg, hoheitsvoll abweisend wie alte englische Schlösser ist Schloß Babelsberg vor allem ein Sinnbild für eine Zeit, in der sich Kleinbürgerlichkeit mit bombastischem Repräsentationsbedürfnis paarte.

Auch nach der Kaiserkrönung Wilhelms I. 1871 wurden Park und Schloß als Sommerresidenz weiter genutzt.

Nach dem Tode des Kaiserpaares verwaisten Schloß und Park Babelsberg. Und nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 fielen die Uferbereiche des Parks den Grenzsicherungsanlagen zum Opfer, diese werden aber seit 1990 von der Gartenverwaltung der Stiftung rekonstruiert und wiederhergestellt. Auch die Universität Potsdam hat mit ihren Gebäuden Teile der Parkanlage zerstört.

MaschinenhausHier, in Universitätsnähe an der Allee nach Glienicke, betritt man den Park auch durch das Haupttor. Dieses lag ebenfalls zu DDR-Zeiten im Grenzgebiet, so daß noch heute für viele das südöstliche Torhaus als Haupteingang zum Park gilt. Dabei fällt dem Spaziergänger als erstes ein Kulissenbau im neogotischen Burgenstil ins Auge: das Maschinenhaus im Park Babelsberg beherbergte eine Dampfmaschine, daneben die Wohnung des Maschinenmeisters und das Cavalierzimmer zur Verfügung des Kaisers. Es wurde an der Glienicker Lake 1843-45 nach Plänen von Ludwig Persius zusammen mit einem einzigartigen Wasserleitungsnetz errichtet. Das von der Dampfmaschine in den Hochbehälter gepumpte Wasser ermöglichte die gärtnerische Pflege und den Betrieb der Brunnen und Fontänen im Babelsberger Park.

FlatowturmEin weiteres, sofort ins Auge fallendes Bauwerk im Park ist der imposante Flatowturm in unmittelbarer Nähe des Steilufers, der in den Jahren 1852 - 1853 von Strack als Nachbau des Eschenheimer Torturms (Frankfurt/Main) errichtet wurde. (Hier ein Panoramaphoto.) Nordöstlich davon auf der sogenannten Lenné-Höhe steht die von Strack 1872 wieder errichtete mittelalterliche Gerichtslaube, die bis 1871 vor dem Vorläufer des heutigen Roten Rathauses stand. Unterhalb des Flatowturms steht die wiederhergestellte Bismarckbrücke, auf der der Legende nach Kaiser Wilhelm I. auf Anraten Otto von Bismarcks sein vorbereitetes Rücktrittsschreiben zerriss und Bismarck zum preussischen Ministerpräsidenten ernannte. Eine ähnliche Brücke steht in der Nähe des Maschinenhauses, eine dritte harrt noch der Restauration.

Man erreicht den Schloßpark Babelsberg auf dem schönsten Weg und »historisch korrekt« von Klein-Glienicke aus, aber der Zugang ist auch von Babelsberg über den südöstlichen Toreingang oder von Potsdam kommend am Tor an der Badeanstalt möglich. Leider ist pünktlich zum Buga-Jahr das Schloß selber wegen Restaurierungsarbeiten bis zum 5. August 2001 geschlossen, aber auch der Park alleine ist auf jeden Fall einen Besuch wert.


Literatur:

Dr. Marlies Hujer: Schloß Babelsberg. Kleiner Führer mit Parkplan, Berlin (Museums- und Galerie-Verlag) 1992
Karl-Heinz Otto: Babelsberg. Böhmische Weberkolonie Nowawes, Kaiserresidenz & Filmmetropole, Potsdam (Edition Märkische Reisebilder) 2000
Prof. Dr. Paul Ortwin Rave: Karl Friedrich Schinkel. Beiheft zum Schriffttum der Deutschen Kunst., Berlin (Deutscher Verein für Kunstwissenschaft) 1935



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Letzte Änderung: 07.06.2002; 20:39:11 Uhr | © Copyright 2001 by Kantel-Chaos-Team | der@schockwellenreiter.de

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