Potsdam - Bugastadt 2001
 
Böhmen in Potsdam - als Babelsberg noch Nowawes hieß

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Gabi und Jörg Kantel

Böhmen in Potsdam - als Babelsberg noch Nowawes hieß

Kolonistenhaus um 1900
Böhmisches Kolonistenhaus in Nowawes, um 1900

Schon Friedrich Wilhelm I. holte religiös Verfolgte nach Preußen. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes lud er die in Frankreich verfolgten Hugenotten nach Preußen ein. Eine liberale Gesinnung war dafür wohl eher nicht verantwortlich, wohl aber spielten handfeste ökonomische Interessen eine Rolle. In Preußen wurden für eine prosperierende Wirtschaft dringend Fachkräfte benötigt.

Friedrich II. setzte die Einwanderungspolitik seines Vaters fort. Er holte vor allem etwa 17.000 der in ihrer Heimat wegen ihres Glaubens verfolgten Böhmischen Brüder nach Preußen und ordnete unter anderem den Bau der Kolonie Nowawes bei Potsdam an. Hier sollten böhmische Weber und Spinner ein neues Auskommen finden und die einheimische Textilindustrie ankurbeln.

Nowawes um 19001750 wurde mit dem Bau der Kolonie begonnen, in etwa vier Jahren entstanden mehr als 150 eingeschossige Doppelhäuser, in denen jede Familie einen etwa 20 Quadratmeter großen Wohn- und Arbeitsraum bekam. Kammer und Küche befanden sich nebenan, ein Dachboden darüber. Die Familien erhielten ihr Haus einschließlich eines Viertelhektars Gartenland daneben zur kostenlosen Nutzung, nach 30 Jahren wurde es ihr Eigentum.

In dem Viertel um die heutige Straße Alt-Nowawes erinnern Tuchmacher-, Wolle-, Garn-, Spindel- und Jutestraße an den Ursprung des Potsdamer Ortsteiles. Das Haus Karl-Liebknecht-Straße 15 gehörte seit 1734 dem böhmischen Geiger und Komponisten Franz Benda, dem Konzertmeister Friedrichs II.

Plan 1786Nowawes heißt Neudorf, wie das Dorf, daß neben der neuen Kolonie lag. Zu Anfang war der Kontakt zu den Alteingesessenen nicht frei von Konflikten, immerhin versperrte die neue Kolonie den Bauern den direkten Weg für ihr Vieh auf den Babelsberg und die dahinterliegende Tränke an der Havel.

Schon bald nach seiner Gründung geriet die Kolonie - nicht zuletzt auch durch die Armut der Bewohner bedingt - in schlechten Ruf: Sie sollten wie die Raben stehlen. Aus dieser wirtschaftlichen Not heraus beteiligten sich die Weber aus Nowawes 1848 an den Revolutionskämpfen in Potsdam. Auch der spätere Zuzug von Bohemien und Künstlern im 19. Jahrhundert besserte den Ruf nicht gerade auf. Die Nationalsozialisten wollten jede Erinnerung an die böhmische Gründung von Babelsberg aus dem Ortsnamen tilgen, vielleicht, weil sie sich daran erinnerten, daß der Weberplatz mit dem Denkmal des letzten Bischofs der »Böhmischen Brüder«, Comenius 1933 Sammelstelle für den Protestmarsch gegen Hitler gewesen ist. 1989 demonstrierte hier auch das »Neue Forum«. Erst nach der Wende wurde wieder an die böhmischen Wurzeln erinnert und die Kolonie rund um Alt-Nowawes liebevoll restauriert.


Literatur:

Karl-Heinz Otto: Babelsberg. Böhmische Weberkolonie Nowawes, Kaiserresidenz & Filmmetropole, Potsdam (Edition Märkische Reisebilder) 2000



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Letzte Änderung: 07.06.2002; 20:39:08 Uhr | © Copyright 2001 by Kantel-Chaos-Team | der@schockwellenreiter.de

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