Potsdam - Bugastadt 2001
 
Zwei Lustgärten ohne Schloß: Berlin und Potsdam

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Gabi und Jörg Kantel

Zwei Lustgärten ohne Schloß: Berlin und Potsdam

Berliner Lustgarten 1Der Berliner Lustgarten liegt auf dem zum Berliner Stadtschloß gehörenden nördlichen Teil der Spreeinsel vor dem Alten Museum. Dieses damals noch sumpfige Gelände ließ 1573 Kurfürst Johann Georg (1525-1598) durch Desiderius Corbanius in einen Nutz- und Küchengarten umwandeln, der auch als erster Botanischer Garten der Stadt gilt. Im Dreißigjährigen Krieg war der Garten verwildert, 1643 wurde er in einen Ziergarten umgewandelt. Der Hofgärtner Michael Hannff erhielt 1647 vom Großen Kurfürsten den Auftrag, anstelle des im 16. Jahrhundert angelegten Nutz- und Küchengartens einen Lustgarten anzulegen. Der nach holländischen Vorbildern von Hannff, gemeinsam mit dem Leibarzt und Gartenmeister Johann Sigismund Elsholtz angelegte Lustgarten bestand aus einer Orangerie, einem Blumen- und Gewürzgarten.

Lustgarten 2Er wurde mit Plastiken, Grotten, Lusthäusern und Wasserkünsten ausgestattet. 1649 baute man in diesem Garten die ersten Kartoffeln (die damals noch als Zierpflanzen galten) Deutschlands an.

Während er unter Friedrich III., ab 1701 Friedrich I., ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Garten war und zu einem für die Berliner beliebten Treffpunkt wurde, ließ dessen Nachfolger, Friedrich Wilhelm I., den Lustgarten verfallen und benutzte ihn als Exerzier- und Paradeplatz.

GranitschaleZwischen 1831 und 1870 wurde der Lustgarten durch Karl Friedrich Schinkel umfassend umgestaltet. Er wurde streng rechteckig angelegt. Vor der Freitreppe des alten Museums blieb ein Halbrund zur Aufnahme der Granitschale, einer aus einem Stein gehauene Schale mit einem Durchmesser von sieben Metern und einem Gewicht von etwa 75 Tonnen. Der Aufbau und Transport dieser von den Berlinern bald »Suppenschüssel« genannten Granitschale wurde von dem Maler Johann Erdmann Hummel in drei Bildern eindrucksvoll dokumentiert.

Seit 1918 hatte der Lustgarten hauptsächlich die Bedeutung eines Kundgebungs- und Demonstrationsplatzes mit oft mehr als 100.000 Teilnehmern.

Lustgarten 3Die Nazis machten den Lustgarten mit Blick auf die Olympischen Spiele 1936 zum versteinerten Aufmarschplatz. Nach 1945 wurde der Platz durch den Abriß des Berliner Stadtschlosses erweitert und diese freigewordene Fläche, die nun Marx-Engels-Platz hieß, wurde zu Massenkundgebungen genutzt.

Nach 1989 ging von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Initiative aus, neben der Museumsinsel auch den Lustgarten neu zu gestalten. Nach schwierigen Planungsprozessen wurde vom Berliner Senat beschlossen, den Lustgarten unter Zugrundelegung der Schinkelschen Pläne wiederherzustellen. Mit der Planung wurde Prof. Hans Loidl beauftragt, dessen Entwurf mit dem LandschaftsArchitektur-Preis 2001 ausgezeichnet wurde. Am 24. September 1999 wurde der Berliner Lustgarten (hier eine Rundumsicht) mit einem großen Volksfest feierlich wiedereröffnet.

Potsdamer LustgartenDie Stadt Potsdam verfügt ebenfalls über ein abgerissenes Stadtschloß. Im Gegensatz zu Berlin ist dessen Wiederaufbau aber schon beschlossene Sache. Lustgarten, Paradeplatz und Schloß bildeten eine stadtstrukturelle Einheit im historischen Kern Potsdams. Der Lustgarten als ältester Garten der Stadt unterlag häufig gartenkünstlerischen Veränderungen. Auch Lenné wirkte 1818 im Lustgarten. Ein Bestandsplan von 1829 zeigt einen Zustand mit Neptun-Bassin, barocken Wegeachsen und Baumalleen/-hainen, der sich bis 1945 nicht wesentlich verändert hat.

Potsdamer WachtparadeAuch der Potsdamer Lustgarten, ursprünglich ein wirklicher »Lustgarten« mit Anlagen im barocken Gartenstil, wurde bald nach dem Tode Friedrich I. in einen kahlen Exerzierplatz umgewandelt. Die hier auf dem Lustgarten exerzierenden und seit Friedrichs Zeit vor dem Schloß täglich mittags zur Wachtparade aufziehenden Soldaten dieser Regimenter prägten das Wort von der berühmt gewordenen »Potsdamer Wachtparade«.

Im Rahmen der Buga 2001 wurde die Wiederherstellung des Lustgartens geplant. Zielsetzung war die Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss und die Schaffung eines Neuen Lustgartens auf historischem Boden als Garten der Zukunft für die Besucher und Bewohner Potsdams. Den Wettbewerb gewannen die Architekten Dietz Joppien, Frankfurt/Potsdam und die Landschaftsarchitekten Gruppe freiRaum Kiedrich, Leipzig/Wiesbaden.

Potsdamer Lustgarten PlanDer Entwurf nimmt die historische Fassung als Grundgerüst und Raumfiguration wieder auf und interpretiert den Lustgarten in der Gestaltsprache und den Nutzungsangeboten neu. Dabei sollte die Anlage vielfälig nutzbar für Stadtfeste und Veranstaltungen bleiben und einen Garten mit großer Freizeitorientierung bieten. Das Neptun-Bassin wurde wiedererbaut und die historischen Hafenanlagen und Anlegestellen wurden rekonstruiert. Dabei mußte das Ernst-Thälmann-Stadion den Plänen weichen, was die dort trainierenden Kicker verbittert monierten.

Wenn die Terminschwierigkeiten den Planern keinen Strich durch die Rechnung machen, wird morgen auch der neugestaltete Potsdamer Lustgarten mit der Eröffnung der Bundesgartenschau 2001 der Öffentlichkeit übergeben. Und am 19. Mai 2001 wird der neue Lustgarten Zieletappe der Radsportler der 54. Friedensfahrt sein.


Literatur:

Anke Kuhbier, Klaus von Krosigk und Reiner Elwers: Berlin Grün. Historische Gärten und Parks der Stadt, Hamburg (L&H Verlag) 2000
Literaturliste zum Berliner Lustgarten
Literaturliste zum Potsdamer Lustgarten



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Letzte Änderung: 07.06.2002; 20:39:01 Uhr | © Copyright 2001 by Kantel-Chaos-Team | der@schockwellenreiter.de

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