
Gabi und Jörg Kantel
Jagdschloß Glienicke, Klein-Glienicke und Böttcherberg
Mit dem Potsdamer Stadtschloss und den Lustschlössern von Bornim, Caputh und dem Jagdschloss Glienicke legte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm in den Jahren 1663-1684 den Grundstock für die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft. Danach hatte das Jagdschloß eine wechselvolle Geschichte. Mehrmals umgebaut, wurde es nach dem Mauerbau von seiner Umgebung, dem Dorf Klein-Glienicke abgeschnitten und 1962 von Max Taut entkernt und im Stil der 50er Jahre erweitert. Heute beherbergt es die landeseigene Internationale Begegnungsstätte für Jugend- und Erwachsenenbildung (Heimvolkshochschule Glienicke).
Der Jagdschloßpark wurde 1859-62 von Peter Joseph Lenné und Prinz Carl von Preußen gestaltet, er geht aber ebenfalls schon auf den Großen Kurfürsten zurück.
Auf der Grundlage des historischen Plans von 1862 und eines gartenarchäologischen Grabungsprogramms begannen 1984 gartendenkmalpflegerische Maßnahmen mit der Entfernung von angeschüttetem Boden, der Restaurierung des Wegenetzes und der Wiederherstellung des Teiches, der neben seiner ästhetischen Bedeutung zugleich die Funktion als Vorfluter für den häufig unter Havelhochwasser leidenden Park erfüllt. Zugewachsene Ausblicke auf die Havellandschaft wurden wiederhergestellt, so daß auch zwei wesentliche Lennésche Blickbeziehungen vom Schloss Klein-Glienicke jenseits der Königsstraße sich über den Jagdschloßpark hinweg wieder frei in Richtung Potsdam entfalten können.
Damit konnte eine wesentliche Lennésche Forderung, nämlich »Herr der Aussichten« in der wasserreichen Havellandschaft zu werden bzw. zu bleiben, erfüllt werden.
Nördlich des Jagdschlosses Glienicke liegt der Böttcherberg mit der Loggia Alexandra, die Prinz Carl in Erinnerung an seine geliebte Schwester Charlotte, der späteren Zarin Alexandra Feodorowna, errichten ließ. Von hier aus hat man einen fantastischen Fernblick auf Babelsberg und Potsdam. Die Loggia wird zur Zeit restauriert.
Zwischen dem Jagdschloß und dem Griebnitzsee liegt das Dorf Klein-Glienicke. Hier wurden einer damaligen Mode entsprechend Häuser im Schweizer Stil für die Bediensteten des Schlosses errichtet. Und hier findet man ein Kleinod der märkischen Backstein-Neugotik, die von Persius 1881 gebaute Kapelle von Klein-Glienicke mit ihren Zinkdrachen-verzierten Türmchen. Auch die Kapelle verfiel zu DDR-Zeiten und wird heute mit Hilfe eines privaten Vereins wieder aufgebaut.
Und last but not least findet der Besucher hier die traditionsreiche Ausflugsgaststätte Bürgershof - respektive das, was von ihr noch übriggebliebgen ist. Sie ist bei Ausflüglern (auch bei uns) sehr beliebt, doch einer Herrichtung stehen Restitutionsansprüche im Wege.
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