Der Schockwellenreiter » Reisen http://www.schockwellenreiter.de Die tägliche Ration Wahnsinn -- seit April 2000 im Netz Tue, 09 Oct 2012 10:16:20 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.4.2 Berlin im Zeitraffer http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/10/04/berlin-im-zeitraffer/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/10/04/berlin-im-zeitraffer/#comments Thu, 04 Oct 2012 09:03:05 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=30947

Sechs Tage Photo-Safari in Berlin, komprimiert auf 2 Minuten und 7 Sekunden. [Noch einmal Peter van I. per Email.]

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Landschaftsarchitektur online http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/09/10/landschaftsarchitektur-online/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/09/10/landschaftsarchitektur-online/#comments Mon, 10 Sep 2012 17:20:33 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=30546 Die Landschaftsplaner üben mit parcview.de neue Wege der Online-Kommuni­kation und lassen Euch dort die Berliner Kulturlandschaft neu erleben. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Petra Schoelkopf in dem Aufsatz Landschafts­archi­tek­tur emotional präsentiert, Stadt+Grün, Heft 9/2012, S. 49-54 (leider nur totes Holz) ausführlich und kenntnisreich erläutert. Ich wünsche mir viele solcher Projekte.

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Das Wissenschaftsvideo am Mittwoch http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/25/das-wissenschaftsvideo-am-mittwoch-53/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/25/das-wissenschaftsvideo-am-mittwoch-53/#comments Wed, 25 Jul 2012 07:31:03 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=29611 http://www.youtube.com/watch?v=48ikKLGUhNs

Wissenschaftler aus Neuseeland untersuchen anhand von Bodenproben aus einer ehemals von Gletschern bedeckten Felslandschaft, wie sich das Klima über die Zeit veränderte. Neben dem Wissensgewinn erfreut uns das Video auch noch mit großartige Aufnahmen der neuseeländischen Landschaft. [Science Bulletin des American Museum of Natural History]

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Ostrock http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/24/ostrock-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/24/ostrock-2/#comments Tue, 24 Jul 2012 13:38:12 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=29601 Photo (cc): Jörg Kantel

Oder: Wohnsitz Wuhlheide

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Little (Tea-) Drummer Boy http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/20/little-tea-drummer-boy/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/20/little-tea-drummer-boy/#comments Fri, 20 Jul 2012 07:19:51 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=29525 http://www.youtube.com/watch?v=MmEnqAImAYU

Von dieser irakischen Tee-Zeremonie kann sich mancher DJ/Scratcher/Sound­artist ‘ne Scheibe abschneiden. Vielleicht sollte ich mit diesem leider ein wenig unscharfen Filmchen eine Rubrik »Rätselhafter Orient« eröffnen? [Bernd P. per Email.]

[Update]: Ich habe eine leicht andere Version dieser Tee-Zeremonie gefunden, die den gleichen jungen Mann mit der gleichen Zeremonie aus einem etwas anderen Blickwinkel zeigt. Und die Bildqualität dieses Videos ist deutlich besser. Daher habe ich es ausgetauscht.

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Sudan-Mission (6): Kosti http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/09/sudan-mission-6-kosti/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/09/sudan-mission-6-kosti/#comments Mon, 09 Jul 2012 14:42:43 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=29225 SRCS Niederlassung Kosti — Photo: Günther Krone

[Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist im letzten Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hatte er zugesagt. Heute sein sechster Bericht, diesmal aus Kosti, einer Stadt am Weißen Nil im sudanesischen Bundesstaat an-Nil al-abyad.

Eisenbahnersiedlung in Kosti — Photo: Günther Krone

Kosti, eine etwa 420.000 Einwohner zählende Stadt am Weißen Nil, liegt etwa 260 km südlich von Khartoum und auf dem halben Weg zu El Obeid, der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Schamal Kurdufan (auch Nord-Kordofan genannt). Gegenüber Kosti am östlichen Flußufer befindet sich Rabak, die Hauptstadt des Bundesstaates an-Nil al-abyad. Dort befindet sich auch der größte Arbeitgeber der Region, die mit 12.000 Angestellten gelegene Kenana Sugar Factory.

Hilfsbedürftige in einem Rückkehrer-Camp — Photo: Günther Krone

Der Name der Stadt geht auf ihren Gründer, einen griechischen Händler, zurück, der das Gebiet im 19. Jahrhundert bereiste. Zu Beginn des zweiten sudanesischen Bürgerkriegs in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre blieb Kosti von der Außenwelt abgeriegelt. Im durch die Stadt fließenden Nil liegt die Insel Aba mit der gleichnamigen Festung, Zentrum und Ausgangspunkt der Mahdi-Bewegung. Mohammed Ahmed (1844-1885) sammelte hier seine Anhänger und wirkte als religiöser Lehrer. Nach der militärischen Niederlage seines Nachfolgers in der Schlacht von Omdurman 1898 nutzte die Mahdi-Familie die Insel als Rückzugsgebiet.

Rückkehrer-Camp — Photo: Günther Krone

Kosti ist der Umschlagplatz für den Baumwollanbau am Weißen Nil. Eigentlich hatte man auch die Absicht, dort eine Erdölraffinerie zu bauen, aber diese Pläne wurden 1982 wegen dem anhaltenden Bürgerkrieg im Südsudan aufgegeben. Ebenfalls der Bau einer Pipeline aus dem Ölfördergebiet im Süden über Kosti bis zur Raffinerie bei Port Sudan ist nun hinfällig, da der Süden jetzt unabhängig ist.

Bau eines Wassertanks — Photo: Günther Krone

Da wir zur Zeit in der Region Kosti ein ECHO-gefördertes WatSan Projekt haben und ich deswegen einige Meetings dort hatte, fuhren wir Anfang Juni auf der gut ausgebauten asphaltierten Straße Richtung Süden. Die Fahrt selbst gestaltete sich sehr ermüdend, denn außer der Wüste und totgefahrenen Tieren, die am Straßenrand lagen, gab es nichts zu sehen.

Rückkehrer — Photo: Günther Krone

Im Rahmen des Disaster Preparedness Projects haben wir dort mehrere Tainingseinheiten für SRCS-Freiwillige durchgeführt. Das erste Traing wurde in Al Salam (ca. 100 km südlich von Kosti) und das zweite Training in Al Dejebelain (ca. 110 km von Kosti durchgeführt. Dort befinden sich auch Rückkehrercamps von Umsiedlern aus dem Südsudan. Ich hatte in meinen früheren Berichten schon geschrieben, daß es nach der Unabhängigkeit des Südsudan Camps mit Umsiedlern gibt, die aus dem Süden kommen und Camps mit Umsiedern aus dem Norden, die in den Süden umziehen. Später ist dann noch ein weiteres Camp in Jodaa (140 km südlich von Kosti) hinzugekommen.

Wassertank — Photo: Günther Krone

Ausgebildet wurde in der technischen Verwendung eines KIT 5 (Notfall Trinkwasserversorgung von maximal 5.000 Personen) und Hygienemaßnahmen. Im Anschluß an die Ausbildung soll das KIT 5 bis zum Beginn der Regenzeit weiter betrieben werden zur Trinkwasseraufbereitung für die Rückkehrer.

Ausgabe von Trinkwasser — Photo: Günther Krone

Als Übung für die SRCS-Freiwilligen wird darüber hinaus eine ERU-40 Anlage betrieben, die nicht nur Trinkwasser liefert, sondern auch den Erwerb der Kenntnisse der Freiwilligen kontrollieren soll.

Chemikalien zur Wasseraufbereitung — Photo: Günther Krone

Zur Versorgung der Rückkehrer wurden darüber hinaus noch Non-Food-Items finanziert (Planen, Plastik-Kanister, Ersatzteile usw.). Diese Artikel wurden Anfang Mai 2012 unter Aufsicht von SRCS-Mitarbeitern an die Bedürftigen verteilt.

Ausgabe von Non-Food-Items — Photo: Günther Krone

In den drei Camps versuchen insgesamt etwa 15.000 Menschen zu (über)leben. Es herrschen katastrophale Verhältnisse, so daß es einen wundert, daß es dort nicht schon Aufstände gegeben hat. Es gab keine sanitären Anlagen und das Trinkwasser wurde direkt aus dem Nil entnommen. Krankheiten sind praktisch vorprogrammiert.

Katastrophale Wohnverhältnisse — Photo: Günther Krone

Da die Weiterreise der Rückehrer sehr schleppend vorangeht, kann niemand sagen, wie lange die Menschen noch unter diesen menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen und Hilfe benötigen. Da unsere finanziellen Mittel beschränkt sind und in den nächsten Wochen zu Ende gehen, wurde mit anderen Hilfsorganisationen Kontakt aufgenommen, um den Weiterbetrieb der Wasser­auf­bereitungsanlagen zu gewährleisten. [Günther Krone]

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Auf dem Weg zum Italiener http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/06/11/auf-dem-weg-zum-italiener/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/06/11/auf-dem-weg-zum-italiener/#comments Mon, 11 Jun 2012 12:47:17 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=28547 Photo (cc): Jörg Kantel

Diese kleine, sozialistische Musterfamilie hätte es sich sicher auch nie träumen lassen, daß sie einmal auf dem Weg zum Italiener sein würde.

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Sudan-Mission (5): Juba (Südsudan) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/04/12/sudan-mission-5-juba-sudsudan/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/04/12/sudan-mission-5-juba-sudsudan/#comments Thu, 12 Apr 2012 10:22:27 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=27377 [Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist im letzten Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hatte er zugesagt. Heute sein fünfter Bericht, diesmal von seinem ersten Aufenthalt in Juba, der Hauptstadt des neuen Staates Südsudan.

Blick auf den Nil in Juba

Ende Februar 2012 mußte ich beruflich nach Juba, der derzeitigen Hauptstadt des Südsudan, fliegen. Wir haben dort ein ÖRK- (Österreichisches Rotes Kreuz) Projekte und ein über die EU gefördertes Projekt, deren finanzielle Abläufe ich zu klären hatte.

Eigentlich buchen wir solche Flüge über UNHAS (United Nation Humanitarian Air Service), die einen Flugbetrieb für Hilfsorganisationen unterhält, aber durch die Trennung zwischen Nord- und Südsudan hat man Probleme die entsprechenden Verträge zu bekommen. Also entschloß ich mich, mit Marsland zu fliegen, einer privaten sudanesischen Airline mit 5 Flugzeugen, darunter eine Boeing 737-500 mit etwa 100 Plätzen, die zwischen Khartoum und Juba verkehrt.

Für Flüge nach Juba gibt es ein eigenes Terminal am Airport Khartoum, vor dem schon ein erhebliches Chaos herrschte. Menschen drängten sich mit Hausrat, Möbeln, und TV-Geräten vor dem etwa 90 cm breiten Eingang zum zum Check-in, Darüber hinaus gab es Gegenverkehr von Leuten, die das Terminal verlassen wollten.

Als ich es endlich geschafft hatte, mich durch den Eingang zu zwängen, machte man mich darauf aufmerksam, daß das Fließband für das Gepäck irgendwo dort rechts sei. Angesichts der Tatsache, daß offensichtlich viele Sudanesen mindestens 1.80 Meter groß sind, war es schwierig mit meiner Körpergröße von 1,75 Metern dies zu erkennen. Aber schließlich fand ich es. Alles drängte sich um das Fließband und von hinten wurden über die Köpfe hinweg Gepäckstücke herübergereicht. Es herrschte ein heilloses Durcheinander. »So stellt man sich in Europa in etwa eine Bananenrepublik irgendwo in Afrika vor«, kam es mir in den Kopf.

Wahrscheinlich sah ich ziemlich überfordert aus, also half mir jemand vom Airport Service. Er brachte mich zur Zahlstelle, wo ich meine Airport Tax von 20 SDG bezahlen konnte und anschließend zum Security Check. Nachdem ich endlich eingecheckt habe, sah er aus als erwarte er eine kleine Bezahlung. Allerdings wurde er in diesem Moment von Airport Security fixiert. Also sah er von seinem Vorhaben sofort ab und entfernte sich rasch. Ich hätte ihm sogar einige SDG gegeben, da ich zum ersten mal nach Juba flog und er sehr hilfreich war, denn nach einer halben Stunde war ich durch.

Daß ich anschließend noch mein Geld und meine Papiere hatte, grenzt fast schon an ein Wunder, aber gestohlen wird hier offensichtlich selten etwas. Außer einer Kollegin, der am Fließband ihr Laptop abhanden gekommen war. Sie konnte gerade noch sehen, wie jemand damit wegrannte.

Anschließend erwartete mich eine freudlose Wartehalle mit weiß getünchte Wänden, d.h. die waren vor Urzeiten offensichtlich einmal weiß.

Letztendlich ist aber zu bemerken, daß zwar sehr wenig ist organisiert ist, aber es funktioniert trotzdem.

Laut Ticket sollte der Flug um 7:00 Uhr sein, abgeflogen sind wir aber schon um 6:20 Uhr. Gut, daß ich um 5:00 Uhr am Airport war. Das Einsteigen dauerte etwas, da einige Passagiere offensichtlich Probleme hatten, ihre 20 Kilo Handgepäck zu verstauen. Auf den Boarding Cards wird übrigens kein Sitzplatz angegeben, also suchte ich mir selber einen Platz. Dies hatte aber auch zur Folge, daß die ersten Passagiere sich ihre Plätze vorn suchten, anstatt erst einmal nach hinten durchzugehen, was wiederum zu Verzögerungen führte.

Beim Anflug auf Juba fällt einem sofort auf, daß man die Wüste hinter sich gelassen hat. Alles ist grün und man befindet sich im afrikanischen Busch.

Juba International Airport

Der »Internationale Flughafen« in Juba sieht weniger danach aus, eher wie ein kleiner Provinz-Airport, der mich eher an Kunduz/Afghanistan erinnerte. Aber man baut gerade an einem neuen Airport. Dort erhielt ich mein Visum für stolze 100 USD und mußte dann auf meinen Koffer warten. Dies dauerte etwas, da es kein Fließband gab. Alles war Handarbeiten. Nach einer Weile kam ein Traktor mit Hänger und brachte Gepäckstücke, meinen Koffer erhielt ich mit der zweiten Lieferung. Die Gepäckstücke wurden dann abgeladen und jeder suchte sich seine Sachen heraus. Vom Klodeckel bis zu kleinen Möbeln war fast alles vorhanden.

Container-Hotel

Am Flughafen wurde ich von einem Fahrer abgeholt, der mich ins Hotel brachte. Der Airport liegt etwa 2 km vom Stadtkern Juba entfernt. Das Shalom Hotel, das für mich gebucht war, besteht aus einer Reihe von Wohncontainers, spartanisch eingerichtet, aber mit AC, Bad (mit kaltem Wasser), Wireless Internet und kleinem Kühlschrank auf dem Zimmer, zum Preis von 150 USD/Tag.

Straße in Juba

Am nächsten Tag wurde ich abgeholt und ins Office gebrachte. Dort befinden sich neben dem Headquarter vom SSRCS alle anderen Rot Kreuz Organisationen und IFRC (International Federation of Red Cross and Red Crescend). Ich merkte gleich, daß die Arbeitsathmosphäre dort weitaus besser war als in Khartoum. Die lokalen Kollegen sind hilfsbereit und es geht vieles schneller als im Norden.

Alter Panzer

Allerdings leiden alle unter den Sicherheitsproblemen des Landes. Vor allem im Norden kommt es immer wieder zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Zu beiden Seiten der Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan sind Camps entstanden von Menschen, die entweder vom Norden in den Südsudan unterwegs sind oder umgekehrt. Die Bedingungen dort sind problematisch wegen fehlender Wasserversorgung und fehlenden sanitären Anlagen und je länger der Zustand dauert, umso unzufriedener werden die Leute, verständlicherweise. Der Transport in beide Richtungen gerät immer wieder ins Stocken. Dies wird sicherlich noch zu Problemen führen, wenn man dort nicht bald Abhilfe schafft.

In Juba residieren derzeit sehr viele internationale Organisationen, die die Stadt kaum aufnehmen kann. Die Straßen sind voller Geländewagen und überall kommt es zu Staus. Nur die Hauptstraßen sind asphaltiert, alle Nebenstraßen sind »Dirtroads«, in einem sehr schlechten Zustand.

Wassertankwagen

Außerdem gibt es kaum Infrastruktur, was die Versorgung anbelangt. Es gibt weder Abwasser- noch Wasserleitungen. Die Versorgung geschieht über unzählige Tanklaster, die den ganzen Tag unterwegs sind, um die Wassertanks der Hotels und Häuser aufzufüllen.

Juba: Straßenleben

Juba ist teuer! Mein Kollege Jacques benötigt etwa 1.000 EUR/monatlich für seinen Lebensunterhalt (ohne Wohnungskosten, die vom ÖRK übernommen werden, stolze 1.500 USD/Monat für ein kleines Zimmer mit Bad). Das Angebot ist spärlich und teuer. Wenn man bedenkt, daß der Südsudan Erdölvorkommen hat, wundern einen die hohen Benzin- und Dieselpreise (etwa europäisches Niveau). Dies liegt aber daran, daß es im Süden keine Raffinerie gibt und alles importiert wird. Im Moment kann kein Öl gefördert werden, da es immer noch Streitereien mit dem Norden gibt (die zuviel Geld für die Nutzung der Pipeline fordern) und die Pipeline durch Kenya noch nicht fertig ist. Dazu kommt noch die Tatsache, daß bedingt durch den langen Krieg mit dem Norden, im Lande selbst fast nichts produziert wird, was exportfähig wäre. Dies hat zur Folge, daß es zu Devisenmangel kommt, was wiederum den dortigen Schwarzmarkt anheizt.

Hotelzimmer für 150 US-$/Tag

Die letzten 2 Tage habe ich im Rainbow Hotel gewohnt, da es etwas näher zum Office war. Ebenfalls mit 150 USD überteuert, denn es gab nur tropfendes kaltes Wasser und deshalb hat man offensichtlich gleich auf die Handtücher verzichtet.

Bei dem Preisniveau im Südsudan ist Hilfe sehr problematisch, da sehr viel Geld für Unterkunft und Lebensunterhalt ausgegeben wird. Man kann durchaus davon ausgehen, daß sich dabei einige Leute »goldene Nasen« verdienen und die Kluft zwischen arm und reich droht immer größer zu werden, was in Zukunft wieder ein neuer Konfliktherd werden könnte. [Günther Krone]

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Bestseller im Februar http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/03/01/bestseller-im-februar/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/03/01/bestseller-im-februar/#comments Thu, 01 Mar 2012 12:32:41 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=26440   


In letzten Monat haben sich in meinem Amazon-Partnerprogramm zwei Bände gleichzeitig an die Spitze der Verkaufszahlen gesetzt. Einmal das Buch Map Scripting 101: A Guide to Building Interactive Maps with Bing, Yahoo!, and Google Maps, das in die JavaScript-Bibliothek Mapstraction einführt und zum anderen das Buch Die Kunst der JavaScript-Programmierung: Eine moderne Einführung in die Sprache des Web, das es in der englischen Fassung auch online und für umme zu lesen gibt. Besonders gefreut hat mich aber, daß es das Berolinum Latinum: Der 1. Stadtführer auf Latein auf Platz 3 meiner internen Charts schaffte. Es muß also nicht immer Englisch sein.

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Lesen im Advent (21) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/21/lesen-im-advent-21/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/21/lesen-im-advent-21/#comments Wed, 21 Dec 2011 10:55:45 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24734

Im Gegensatz zu Karl May (Lesen im Advent (5)) hatte Friedrich Gerstäcker die Gegenden, in denen seine Abenteuerromane und Reiseerzählungen spielten, tatsächlich bereist. Der Sohn eines Tenors wanderte früh (1837) in die Vereinigten Staaten aus, arbeitete dort unter anderem als Heizer, Matrose, Jäger, Farmer, Koch, Silberschmied, Holzfäller, Schokoladenerzeuger, Hotelier und Jäger, kehrte 1843 nach Deutschland zurück und schrieb seine ersten Reiseberichte und Romane. Sie waren so erfolgreich, das er von da an seinen Lebensunterhalt als freier Schriftsteller bestreiten und weitere Reisen unternehmen konnte. Er besuchte beinahe die ganze Welt, beobachtete aber auch die politischen Verhältnisse in Deutschland, speziell die Revolution von 1848, sehr genau. Gerstäcker starb früh, 56-jährig, mitten in den Vorbereitungen für eine Reise nach Asien und Indien an einem Hirnschlag. Er hinterließ eine 44-bändige Gesamtausgabe, von der Karl May sehr profitierte (um nicht zu sagen seitenweise abschrieb). Und 1957 erklärte der Staat Arkansas Friedrich Gerstäcker zu seinem Ehrenbürger.

Die Abenteuererzählung Die Flußpiraten des Mississippi ist eine lockere Fortsetzung seines ersten großen Erfolges Die Regulatoren in Arkansas. Erzählt wird die Geschichte einer Bande von Piraten, die auf einer Insel auf dem Mississippi River in der Nähe der Kleinstadt Helena ihren geheimen Stützpunkt errichtet hat. Von ihrem Versteck aus lauern sie vorbeifahrenden Raddampfern und Flößen auf. Der Anführer der Piraten führt ein Doppelleben und ist gleichzeitig Friedensrichter, eine ehrbare Witwe versteckt die Beute, doch zum Schluß erhalten alle ihre gerechte Strafe. Die Geschichte wird nicht ohne Humor und mit einer gehörigen Portion Realismus erzählt, so ist der Bericht über einen Jagdausflug und die harsche Behandlung der Hundemeute weit von den idealisierten Darstellungen eines Karl Mays entfernt. Auch die Personen sind nicht unbedingt schwarz-weiß gezeichnet. Gerstäcker bringt den Flußpiraten, speziell ihrem Anführer, durchaus Symapthie entgegen, während sein Held, der Trapper Tom Barnwell und seine Helfer eher naiv dargestellt werden. Aber vor allem ist die Erzählung ein pralles Stück Abenteuer, genau richtig, um es an kalten Wintertagen mit einem Glas Glühwein im Lehnstuhl (wieder) zu erleben.

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Lesen im Advent (20) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/20/lesen-im-advent-20/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/20/lesen-im-advent-20/#comments Tue, 20 Dec 2011 09:35:12 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24710

Der Reiseschriftsteller, Journalist, Revolutionär und Aufklärer Georg Forster war eigentlich sein ganzes kurzes Leben lang ständig unterwegs. Schon als Zehnjähriger reiste er mit seinem Vater durch Rußland bis nach Sibirien, als junger Mann nahm er an der zweiten Weltumseglung Captain Cooks teil, lehrte in Deutschland und Litauen und schrieb viel über seine Reisen. Er gilt als Begründer der modernen Reiseliteratur, verzichtete auf romantische Weltsichten, schrieb wissenschaftlich exakt und sachlich fundiert, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) in einer geschliffenen und gut lesbaren Sprache. Dabei galt sein Hauptaugenmerk immer den Menschen und ihren Gesellschaftsformen.

Ich möchte Euch heute nicht seine bekannte »Reise um die Welt«, die es unter dem Titel Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee 1772-1775 ebenfalls als kostenloses Ebook im Kindle-Shop gibt, vorstellen, sondern — dieses Jahr ist das Jahr der Belgier und Niederländer in meinem Adventskalender — seine Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich. Georg Forster unternahm diese Reise gemeinsam mit dem jungen Alexander von Humboldt im Frühjahr 1790. Der dreibändige, ausführliche Reisebericht enthält unter anderem kunstgeschichtliche Betrachtungen, die für die späteren Kulturwissenschaften ebenso stilbildend wurden, wie sein Bericht über die Südseereisen für die Ethnologie.

Aber wie 15 Jahre zuvor in der Südsee, so galt auch auf dieser neuen Reise sein Hauptinteresse wieder dem sozialen Verhalten der Menschen. Volksaufstände in Flandern und Brabant und natürlich die Revolution in Frankreich hatten Forsters Interesse geweckt. Seine Reise in diese Gebiete sowie in die Niederlande und England, wo die bürgerlichen Freiheiten vergleichsweise weit entwickelt waren, sollte ihm nicht zuletzt dazu dienen, sich seines eigenen politischen Urteils zu vergewissern.

Forster wurde nach dieser Reise Jakobiner und Mitbegründer der kurzlebigen Mainzer Republik. Er starb wenig später, noch nicht 40jährig, an einer Lungenentzündung im Pariser Exil. Der vormals populäre Autor geriet danach im bürgerlichen Deutschland beinahe völlig in Vergessenheit, nicht zuletzt wegen seines Engagements für die französische Revolution. Es lohnt sich also, ihn wiederzuentdecken.

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Lesen im Advent (16) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/16/lesen-im-advent-16/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/16/lesen-im-advent-16/#comments Fri, 16 Dec 2011 09:33:46 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24603

Die fünfbändigen Wanderungen durch die Mark Brandenburg von Theodor Fontane, dem wohl bedeutendsten Vertreter des bürgerlichen Realismus‘, habe ich durch Kurt Tucholsky kennengelernt, der nie müde wurde, zu betonen, daß man den großen, alten Meister wieder lesen solle. Ich muß gestehen, mit Fontanes Romanen habe ich nie viel anfangen können, wohl aber mit seinen Balladen und regelrecht verschlungen habe ich seine Reiseberichte, allen voran die Wanderungen, die es im Kindle-Shop als kostenlose Ausgabe in einem Band (resp. in einer Datei) zum Download gibt.

Fontane folgte bei seinen Entdeckungsreisen in die Mark nie einem vorgegebenen Schema, er ließ sich treiben und überraschen, recherchierte nach und kommentierte spöttisch, ironisch oder bissig das Erlebte und Gesehene. Das Material diente ihm zugleich auch als Quellenstudien für seine Romane. Und Fontane war immer ein guter und genauer Beobachter, in dieser Hinsicht erinnert er mich an Johann Gottfried Seume (Lesen im Advent (3 + 4)) nur, daß er nicht ins ferne Italien, sondern »nur« in die märkische Umgebung reisen mußte, um auch Wundersames und Exotisches zu entdecken.

Die Wanderungen locken auch heute noch viele Menschen auf Fontanes Spuren, auch mich. Und hier macht ein Ebook wirklich Sinn. Ladet Euch die Schwarte auf Euer Smartphone und lest den großen, alten Wanderer vor Ort.

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Lesen im Advent (14) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/14/lesen-im-advent-14/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/14/lesen-im-advent-14/#comments Wed, 14 Dec 2011 10:24:57 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24529
Nils Holgersson

Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen ist ein Roman der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, der 1906/07 ursprünglich als Schulbuch erschienen ist, um den schwedischen Kindern ihre Heimat nahezubringen. Die Geschichte erzählt vom 14jährigen Nils, der von einem Wichtel in einen Zwerg verwandelt wurde und auf dem Rücken der entflogenen Hausgans Martin zusammen mit einem Schwarm Wildgänse unter der Führung von Akka von Kebnekaise durch Schweden reist und allerlei Abenteuer erlebt. Dabei lernt er quasi nebenbei viele schwedische Städte und Landschaften kennen.

Die Schulbehörde war allerdings nicht besonders glücklich darüber, daß ein Schulbuch unterhaltsam war und außerdem noch märchenhafte Züge zeigte, und die Kirche mokierte sich, daß Nils Holgersson nie eine Kirche besuchte.

Trotzdem wurde das Buch ein Riesenerfolg. Nils Holgersson ist bis heute weltweit eines der bekanntesten Bücher einer schwedischen Autorin oder eines schwedischen Autors. Und obwohl es oft nur als Kinderbuch Beachtung findet, muß ich der Wikipedia Recht geben:

»Bei genauer Lektüre zeigt sich freilich, daß Nils Holgersson in der literarischen Qualität Meisterwerken wie Gösta Berling und Jerusalem in nichts nachsteht und daher als vollwertiger Roman aufgefaßt werden kann.«

Seltsamerweise ist das Buch nicht in der kostenlosen Kindle-Edition zu finden. Aber im Project Gutenberg könnt Ihr Euch eine schöne, illustrierte Fassung aus dem Jahre 1920 herunterladen.

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Le Bar http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/14/le-bar/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/14/le-bar/#comments Wed, 14 Dec 2011 09:50:38 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24527 Photo (cc): Jörg Kantel

Angesagte Berliner Locations: Nicht nur in Neukölln, sondern auch im Treptower Ligusterweg steppt der Bär!

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Lesen im Advent (3 + 4) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/03/lesen-im-advent-3-4/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/03/lesen-im-advent-3-4/#comments Sat, 03 Dec 2011 16:57:12 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24230

Et in Arcadia ego: Joahnn Wolfgang von Goethe reiste von September 1786 bis Mai 1788 nach und durch Italien. Diese Reise hat er in einem zweiteiligen Werk beschrieben, das jedoch erst zwischen 1813 und 1817 erschien. Da seine Tagebuchaufzeichnungen erhalten blieben, läßt sich feststellen, daß er seine Reisebeschreibungen stark überhöhte und stilisierte. Was immer die ursprüngliche Motivation für diese Reise gewesen sein mag, das Buch handelt von einer Kulturreise mit einem Hauptaugenmerk auf die Antike. Es begründete sozusagen die Antikensehnsucht der Deutschen. Die italienische Bevölkerung kommt hingegen kaum in dem Buch vor, eine Ausnahme macht lediglich seine Beschreibung des römischen Karnevals, von dem sich Goethe aber abgestoßen fühlte. Er suchte sein Arkadien, das Land der Griechen mit der Seele und glaubte, es in Italien gefunden zu haben.

»Das Kreuz verhält sich zum Galgen, wie die Mönche zu den Soldaten: die ersten sind Instrumente und die zweiten Handlanger der geistlichen und weltlichen Despotie; die permanente Guilliotine der Vernunft.« (Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus)

Bei aller Kritik ist Goethes Reisebeschreibung ein wunder­bares Buch, doch ich empfehle, dazu parallel den Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 von Johann Gottfried Seume zu lesen. Seume führte ein abenteuerliches Leben: Er wurde als junger Student zum Dienst in die Armee gezwungen und vom hessischen Landesfürsten an die Engländer nach Amerika verkauft. Mehrere Fluchtversuche scheiterten, dennoch schaffte er es nach seiner Freilassung Jura, Philosophie, Philologie und Geschichte in Leipzig zu studieren. Nach seiner Habilitation arbeitete er als Hofmeister und Sekretär eines russischen Generals und erlebte die Niederschlagung des polnischen Freiheitsaufstandes. Wegen seiner Sympathie für die Polen wurde er aus der russischen Armee ausgeschlossen und arbeitete anschließend bis 1801 als Korrektor in Leipzig. Danach unternahm er diverse Reisen (unter anderem nach Skandinavien und Russland), von denen sein Spaziergang die bekannteste ist. Seine Eindrücke auf diesen Reisen beschrieb er mit besonderem Blick auf die jeweiligen sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse. Aufgrund seiner eigenen Erlebnisse als Soldat setzte er sich besonders für die Freiheitsrechte einzelner Menschen und ganzer Völker ein. Außerdem war er Kommisskopf durch und durch. Jede neue Stadt, die er besuchte, wurde unter anderem auch auf ihre Befestigungsanlagen und Möglichkeiten der Verteidigung untersucht und beschrieben.

Vor allem aber interessierte sich Seume für die Menschen, die er traf. Die Magenschmerzen seines ausgehungerten Cicerone, nachdem dieser sich von seinem ersten Lohn an Spaghetti überfressen hatte, nehmen genau so viel Raum in seinen Beschreibungen ein, wie die Meinungen und Äußerungen seiner Wirte zu den politischen Verhältnissen in den jeweiligen Ländern.

Der Spaziergang erschien schon ein Jahr (1803) nach der Reise. Der Bericht ist daher viel unmittelbarer als Goethes Reisebeschreibung. Und Antikensehnsucht? Antikensehnsucht war dem Pragmatiker Seume fremd. Dennoch: Beide Bücher zusammen ergeben ein wunderbares Panoptikum Italiens zwischen Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts.

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Lesen im Advent (2) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/02/lesen-im-advent-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/02/lesen-im-advent-2/#comments Fri, 02 Dec 2011 10:52:47 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24220

1972 hatte ich als junger Mann eine Wanderung quer durch die Pyrenäen unternommen, vom Atlantik zum Mittelmeer. Begleitet hatte mich dabei das Pyrenäenbuch von Kurt Tucholsky, seinerzeit und sicher auch noch heute der beste Reise- und Wanderführer durch diese Region, den man sich vorstellen kann. Ich habe fast alle Orte besucht, die in diesem Reise-Essay vorkamen, aber nicht alle: Spanien war damals unter Franco noch ein faschistischer Staat und ich hatte mir geschworen, keinen Fuß auf faschistischen Boden zu setzen. Doch der französische Teil war wunderschön und Tucholsky ein genialer Reisebegleiter: Ich habe mir den religiösen Zirkus in Lourdes angeschaut, den Tucholsky zynischer beschreibt, als ich es je könnte, ich habe vor dem imposanten Cirque de Gavarnie gestanden und ich habe das von Tucholsky überschwenglich gelobte (keine Armee!) Andorra mit seinen Operettenpolizisten im Tropenhelm (was macht ein Tropenhelm im Hochgebirge?) besucht. Ich habe — wie Tucholsky — vergeblich versucht, auf einem alten Schmugglerpfand die Schlucht von Cacaoueta (Gorges de Cacaoueta) zu durchqueren (im Gegensatz zum Autor mußte ich allerdings dafür auch noch Eintritt bezahlen). Und ich bin — mit Tucholsky im Rucksack — Heines Atta Troll (hier als kostenloses Ebook) gefolgt, habe in Cauterets über­nachtet und von Bären geträumt.

Nach diesen sechs Wochen mit dem Pyrenäenbuch hatte ich die Reiseliteratur für mich entdeckt. Denn Reisen mit einem kundigen, literarischen Führer macht Spaß — selbst wenn es nur Lehnstuhlreisen sind.

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In The Mood http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/30/in-the-mood-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/30/in-the-mood-2/#comments Wed, 30 Nov 2011 07:33:24 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24127 Photo (cc): Gabriele Kantel

Da ich heute früh überraschend milde gestimmt bin, gibt es ein schönes Photo vom Sonnenuntergang (der ja zur Zeit schon am frühen Nachmittag stattfindet) am Hafen Britz-Ost, der Stelle, wo sich der Teltowkanal, der Britzer Zweigkanal und der Neuköllner Schiffahrtskanal kreuzen. Mit einem Wegweiser, damit sich niemand verfahren (oder sagt man in diesem Fall »verschiffen«?) kann.

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Akademiebusen http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/10/akademiebusen/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/10/akademiebusen/#comments Thu, 10 Nov 2011 12:11:32 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=23635 Akademiebusen — Photo (cc): Jörg Kantel

Diese isothermischen Kugellabore stehen auf dem Gelände der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof und wurden deshalb im Volksmund Akademiebusen genannt.

[Update]: Andi wies mich in meinen Kommentaren darauf hin, daß an diesem Busen Angela Merkel genährt wurde. Man muß also vorsichtig sein …

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Goldener November http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/06/goldener-november/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/06/goldener-november/#comments Sun, 06 Nov 2011 17:22:24 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=23514 Goldener Oktober November am S-Bahnhof Oberspree — Photo (cc): Jörg Kantel

So sonnig und farbenfroh war dieses Wochenende in Berlin. Joey und ich haben das gestern mit einer langen Wanderung durch den Südosten Berlins ausge­nutzt.

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Sudan-Mission (4): Ausgrabungsstätte Naga (Naqa) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/04/sudan-mission-4-ausgrabungsstatte-naga-naqa/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/04/sudan-mission-4-ausgrabungsstatte-naga-naqa/#comments Fri, 04 Nov 2011 10:48:34 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=23485 [Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist in diesem Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hat er zugesagt. Heute daher sein nun schon vierter Bericht, diesmal aus der alten Ruinenstadt Naga (oder Naqa).

Was die sudanesische Geschichte und Kultur anbelangt, so identifiziert man sich hier zu einem großen Teil mit der islamisch-arabische Kultur, wobei zu berücksichtigen ist, daß diese zwischen dem 14. Und 16. Jahrhundert importiert und von einem großen Teil der Bevölkerung angenommen wurde (außer im Südsudan). Vorher gab es christliche Königreiche und davor die tausende Jahre alte nubische Kultur, die bis zur Pharaonenzeit zurückreicht. D.h. der Sudan kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, was vielen Sudanesen hier aber wenig bewußt ist. Für die meisten Sudanesen beginnt die Geschichte mit der Islamisierung. Wer an weiteren Informationen über die Geschichte Sudans interessiert ist, sollte die Ausstellung in Berlin besuchen, die zur Zeit (31.08.2011 bis 18.12.2011) im Kunstforum der Berliner Volksbank stattfindet. Dabei geht es um Ausgrabungen der Königsstadt Naga, die zum Königreich von Moroe (Zeitraum 400 v.C. bis 300 n.C.) gehörte. Da diese Ausgrabungsstätte, an der die Humboldt Universität beteiligt ist, nicht weit von Khartoum (ca. 170 km) entfernt liegt, habe ich sie, zusammen mit anderen Kollegen besucht. Man benötigt dazu eine sogenannte Notification (darin ist auch ein Photo Permit enthalten), die für jeden Mitreisenden 150 SDG (ca. 35 EUR) kostet. Die Anträge und Formalitäten hat unsere lokale Kollegin für uns erledigt.

Wir fuhren an einem Freitag, da hier an diesem Tag nicht gearbeitet wird und der Verkehr sich in Grenzen hält, morgens um 9:00 Uhr aus Khartoum ab. Insgesamt waren wir acht Kollegen in zwei Fahrzeugen. Darunter auch ein lokaler Fahrer, der die Strecke kannte und bei Bedarf auf der Strecke Informationen einholen konnte. Die Hauptverkehrsstraße Richtung Norden war einfach zu finden, denn es gibt nur eine, die auch die Verbindungstrasse zum einzigen großen Hafen Sudans (Port Sudan) ist. Deshalb war der Verkehr trotz eines Freitags immer noch erheblich und es dauerte etwas, um den Stadtbezirk Khartoum zu verlassen. Die Straße war voll mit überlangen LKWs, das sind quasi Sattelschlepper (wie man sie aus Deutschland kennt) mit 6-Achsen-Anhänger. Das Ganze ist dann etwa 40 Meter lang.

Wenn man Khartoum verlassen hat, findet man sich schnell in der Wüste wieder. Überall sieht man nur Sand und trockene Sträucher, und hin und wieder kommt man durch kleine Ortschaften, wobei wir uns dann gefragt haben, wovon die Leute hier leben, mitten im »Nirgendwo«, wo alles herangeschafft werden muß (auch Wasser). Aber da die Hauptstraße hier durchgeht, ist die Versorgung offensichtlich kein größeres Problem. Wir kamen auch auch an einer der großen Einnahmequellen Sudans vorbei, einer der vielen Erdölraffenerien im Lande. Diese wurde von einer chinesischen Organisation (China ist der größte Handelspartner Sudans) errichtet und es gibt dort — wei wir hörten — Probleme. Da werden dann Experten aus Europa geholt, um Abhilfe zu schaffen (mein Kollege hat auf dem Flug von Deutschland nach Khartoum einen kennengelernt).

Überall sieht man zerschlissene Reifen am Straßenrand liegen, da hier oft mit runderneuerten Pneus gefahren wird, die die extremen Bedingungen (Hitze) nicht lange aushalten. Durch die etwas chaotische Fahrweise war die Fahrt etwas stressig, es wurde »gebrettert was das Zeug hält«, egal wie alt das Fahrzeug war. Je weiter man von Khartoum entfernt war, desto geringer wurde der Verkehr. Unterwegs kamen wir an zwei Kontrollstellen (Maut) vorbei, wo sich die Fahrzeuge stauten. Da wir durch unsere Stickers als Roter-Halbmond/Rotes-Kreuz-Fahrzeuge zu erkennen waren, wurden wir durchgewunken (SRCS hat ein Abkommen mit der Regierung und ist deshalb von solchen Gebühren befreit).

Nach etwa 150 km ging es dann rechts ab auf eine Sandpiste. Es gab keine Hinweisschilder, so daß wir auch nachträglich noch einmal einsahen, daß es eine gute Idee gewesen war, einen lokalen Fahrer dabei zu haben. Die Strecke war kaum zu erkennen und ich verließ mich auf das vor mir fahrende Fahrzeug. Der Sand war überwiegend festgefahren, so daß man mit etwa 80 km/h gut vorankam, nur hin und wieder gab es tieferen Sand in der Trockensavanne, durch den man durchmußte (Hinweis: Man benötigt für diese Fahr in jedem Fall einen Geländewagen). Hin und wieder traf man auf Menschen, die mit Eseln oder auf Kamelen unterwegs waren. Nach etwa 25 km erreichten wir den Kontrollpunkt (archaeologically police), an dem wir unsere Permits vorlegen mußten.

In Naga befinden sich zwei Tempelanlagen. Die Tempel sind zum großen Teil aus dem hier zu findenden Sandstein erbaut. Von allen Gebäuden sind der Löwentempel und die Hathorkapelle am besten erhalten, aber auch andere Tempel, wie der Amuntempel, der zum Teil zusammengestürzt ist, prägen gut sichtbar die Landschaft. Vom Gebel Naga (kleine Anhöhe) aus läßt sich die Stadt Naga gut überblicken. Es werden weitere zusammengestürzte Gebäude sichtbar, die als meterhohe Schutthaufen das Gebiet ebenso prägen wie die Grabhügel aus Legesteinen und die beiden Wasserbecken, die sich in der Regenzeit nach wie vor mit Wasser füllen (hat man uns zumindest versichert).

Die antiken Steinbrüche des Gebel Naga, aus denen der Sandstein für die Gebäude gebrochen wurde, zeigen, wie der Stein aus dem Berg gewonnen wurde. Man hat den Eindruck, als wäre der Betrieb erst vor wenigen Monaten eingestellt worden und nicht bereits vor knapp 2.000 Jahren. In unmittelbarer Nähe zum Löwentempel und der Hathorkapelle befindet sich ein von Engländern gegrabener Brunnen, der die hier lebenden Beduinen mit dem nötigen Trinkwasser für ihre Familien und Tiere versorgt. Naga ist somit kein von Menschen verlassener Ort (wie es einem auf den ersten Blick vorkommen mag), sondern durch den Brunnen ein zentraler Lebenspunkt für die Beduinen, die sich, auch durch ihre Mitarbeit während der Grabungskampagnen, mit diesem Ort identifizieren und und dadurch ein Teil von ihm geworden sind.

Nach etwa 2-3 Stunden in der Hitze machten wir uns auf den Rückweg nach Khartoum. Die Rückfahrt gestaltete sich weniger anstrengend, da der Verkehr nachgelassen hatte. Unterwegs machten wir eine kurze Pause, um Tee zu trinken und uns mit kalten Getränken zu versorgen.

Abschließend bleibt festzuhalten, daß der Ausflug sich lohnt, wenn man mal die Gelegenheit hat, den Sudan zu besuchen oder hier befristet wohnt. Dies gilt nicht nur für archäologisch Interessierte, sondern für alle Besucher, denn man sieht mehr vom Land und den Bedingungen, unter denen die Sudanesen hier leben.

Ein anderer historischer Orte, der ebenfalls nicht allzu weit von Khartoum entfernt (ca. 200 km) liegt, sind die zum ehemaligen Reich von Kusch im damaligen Nubien gelegenen Pyramiden von Meroe (Entstehungszeitraum etwa 300 v.C. bis 300 n.C.). Allerdings benötigt man dazu ein spezielles Travel-Permit, das etwas komplizierter zu erhalten ist. Vielleicht werde ich diesen Ausflug in der nächsten Zeit ebenfalls mal in Angriff nehmen, denn vorraus­sichtlich ich bin noch bis zum Juli 2012 im Sudan tätig. [Text und Photos: Günther Krone]

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Sudan-Mission 3: Leben in Khartoum (II) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/10/24/sudan-mission-3-leben-in-khartoum-ii/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/10/24/sudan-mission-3-leben-in-khartoum-ii/#comments Mon, 24 Oct 2011 09:56:48 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=23214 [Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist in diesem Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hat er zugesagt. Heute daher sein nun schon dritter Bericht.

Khartoum bei Nacht — Photo (cc): Günther Krone

Da sich meine Dienstreise nach Juba/Süd-Sudan verzögert hat, möchte ich diesmal ein paar Anmerkungen zu Kommentaren/Leserbriefen machen, die ich erhalten habe und über die ich mich sehr gefreut habe. Vor allem ging es dabei darum, wie ich mein Leben unter diesen etwas schwierigen Verhältnissen eingerichtet habe und wie ich hier zurechtkomme.

Grundsätzlich versuche ich nicht, die Leute zu ändern. Aus meiner Erfahrung in vielen anderen Ländern weiß ich, daß man die Menschen so akzeptieren muß wie sie sind. Dann kommt man mit ihnen sehr gut aus, denn sie sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, auch wenn man, wie ich, nur sehr wenig arabisch versteht und spricht. Beim Einkaufen muß man da eben etwas einfallsreich sein, dann geht das schon.

Was die Preise anbelangt, so beziehen die sich nicht nur auf sogenannte Luxusgüter (wie Frischkäse, Nutella etc., die ich ohnehin nicht kaufe) sondern auch auf Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis etc. In internationalen Restaurants essen zu gehen habe ich aufgrund der Preise eingeschränkt, ich ziehe es lieber vor, selber zu kochen.

Demnächst habe ich vor, mit einem sudanesischen Kollegen, der mich zum Essen zu sich nach Hause einladen will, zusammen zu kochen, denn ich habe bisher sehr wenig von der lokalen Küche mitbekommen. Auch in den lokalen Restaurants, die ich der Preise wegen hin und wieder besuche, sind die Gerichte wenig berauschend (vor allem wenn ich dies mit anderen Ländern vergleiche, in denen ich bisher gewesen bin). In der Regel bekommt man dort ein Stück gebratenes Fleisch (Rind oder Huhn) oder Fisch, dazu etwas Gemüse und Brot. Aber letztendlich ist dort alles relativ preiswert.

Afra-Supermarkt — Photo (cc): Günther Krone

Was den Straßenverkehr anbelangt, so ist hier Rechtsverkehr und daran hält man sich im Allgemeinen. Auch auf Ampeln wird geachtet (Rechtsabbiegen bei roter Ampel ist überall erlaubt, auch ohne »grünen Pfeil«) nur mit dem Einordnen nimmt man es nicht so genau. Da muß man immer damit rechnen, daß jemand sich rechts einordnet und plötzlich links rüberzieht (oder umgekehrt). Daß es dabei sinvoll sein könnte, einen Blinker zu betätigen wird von den wenigsten eingesehen. Fahrbahnmarkierungen sind schlecht, werden aber ohnehin nicht beachtet. Aber alles funktioniert irgendwie, auch wenn es Staus gibt, weil z. B. jemand seine Schafsherde über die Straße treibt. Denn die Sudanesen fahren zwar ziemlich chaotisch und flott, aber sind auf der anderen Seite nicht aggressiv, sondern eher sehr rücksichtsvoll und freundlich. Auf dem Weg zum bzw. vom Büro muß ich mich regelmäßig durch dieses Chaos steuern (ich nehme es aber sehr gelassen in Kauf, denn wozu sich aufregen, ich kann es ohnehin nicht ändern). Überall gibt es ein geschäftiges Durcheinander. Am Straßenrand tummeln sich Männer in weißen Kaftans und Käppchen auf dem Kopf, Menschen sitzen unter den Bäumen und verkaufen auf kleinen Tischchen die unterschiedlichsten Waren wie chinesisches Plastikzeug, Zigaretten, Obst, Handykarten zum Aufladen, Papiertaschentücher und Getränke. Hin und wieder drängt sich ein junges Mädchen mit einer Schale auf dem Kopf durch den dichten Verkehr. Kommt man von einer der größeren Straßen ab, findet man sich auf Sandwegen wieder, die von tiefen Schlaglöchern übersät sind, so daß man ziemlich durchgeschüttelt wird. Wenn man durch die Straßen von Khartoum fährt, fällt einem auch auf, daß es hier keinen Shop eines »westlichen« Konzerns gibt wie Burger King, Pizza Hut, McDonalds, H&M usw., dafür aber Fast Food aus Südafrika wie Steers oder Debonairs Pizza. Der einzige Laden aus meinem Kulturkreis ist ein einsamer Adidas-Store in der African Road am Airport.

Was das Leben im allgemeinen hier angeht, kann man sich mit vielem arrangieren. Allerdings bin ich nicht nur zum Leben hergekommen, sondern ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, für die ich hier bezahlt werde. So ist das einzige wirkliche Problem, das man hier hat (und dies haben alle, die ich hier kenne), die sehr lasche Arbeitsmoral und die extreme Unzuverlässigkeit. Man kann sich praktisch auf nichts verlassen, so daß viele den Eindruck haben: Wenn man es nicht selber macht, passiert nichts. Man vergeudet viel Zeit damit, die Kollegen hier immer und immer wieder zu erinnern, vor allem wenn es um Tätigkeiten in Krisengebiete geht, in die man selber nicht reisen darf (das ist dann besonders stressig). Daß Gelder (mit lokalen Mitarbeitern) verschwinden, ist zwar ein Problem und kommt auch in anderen Ländern vor, aber daß sogar Banken da mitspielen, grenzt schon an Kriminalität.

Auch hat man hier den Eindruck, als seien unseren Kooperationspartner sehr kooperationsresistent, vor allem wenn es um Projekte geht, wo alle Ausgaben explizit nachweisbar sein müssen, d.h. für jede Ausgabe bedarf es einer genauen Dokumentation. Wenn man dann auf der anderen Seite hört, daß der Sudan von der arabischen Welt mit Millionenbeträgen unterstützt wird, und es dabei bei den Ausgaben keinerlei Nachweises bedarf, so ist verständlich, daß man dann lieber den »einfachen Weg« geht und offensichtlich auf EU-Gelder nicht unbedingt angewiesen ist.

Man darf dabei natürlich nicht alle über einen Kamm scheren. In den einzelnen Branchen außerhalb von Khartoum trifft man häufiger kooperationswillige Kollegen. Die Unterstützung ist manchmal dermaßen überraschend, daß man sich wie in einer anderen Welt vorkommt. Ich habe oft in verschiedenen Ländern die Erfahrung macht, je näher man an den Problemen dran ist, desto öfter bekommt man wieder Spaß bei der Arbeit, trotz der weit schwierigeren Lebensbedingungen auf dem Lande. Dort liegen diese quasi »vor der Tür« (z.B. Flüchtlingsproblematik) und man versucht, diese zu lösen. Die Zentrale in der Hauptstadt kommt einem dabei ziemlich abgehoben vor, was hin und wieder auch in den Branchen beklagt wird. Denn alles ist hier sehr zentralistisch organisiert, Delegation von Verantwortung ist ein Fremdwort. Alles wird in der Zentrale entschieden, angefangen von Einstellungen, Eröffnung von Bankkonten oder einfach nur die Frage, ob ein kaputtes Auto repariert werden darf.

Mir ist klar, daß man Veränderungen diesbezüglich nur erreichen kann, wenn die lokale Seite es selber will, wir können da nur Anreize geben, indem wir hinweisen, daß wir viel mehr für das Land tun könnten (auch mit Fördermitteln), wenn alles reibungsloser ablaufen würde, und das Land könnte davon viel stärker profitieren.

Aber es kann Veränderungen nur geben, wenn sich die sudanesische Gesellschaft der Mißstände bewußt ist, daß sich etwas ändern muß, damit es wieder aufwärts und den Menschen im Lande besser geht. Aber solange niemand Dinge hinterfragt und kritische Fragen stellt, wird hier alles »im alten Trott« weiterlaufen. Als Außenstehender, und das ist jeder Europäer hier, hat man da sehr wenig Einfluß.

Auf der anderen Seite muß man sich auch immer wieder bewußt machen: wenn es im Lande keine Probleme gäbe und alles perfekt wäre, bräuchte man keine ausländischen Experten.

Nationalfeiertag: Neulich war der 3. Oktober und alle Deutschen, die hier im Lande leben/arbeiten und sudanesische Gäste waren in die Residenz des Deutschen Botschafters eingeladen, dies ist ein villenähnliches großes repräsentatives Gebäude am Nil mit großem Garten. Die Terrasse war hell erleuchtet und auf dem grünen Rasen standen überall kleine Stehtischchen mit Snacks herum, am unteren Ende des Gartens fand man die Bar, um die sich die ersten Besucher versammelten. Es waren einige 100 Gäste gekommen und es gab sudanesische Imbisse, sudanesisches Essen, sudanesische Drinks und kein Bier. Alles lief komplett steif und förmlich ab, so daß viele den Eindruck hatten, sie wären beim Nationalfeiertag des Sudan eingeladen. Einige sudanesische Gäste fragten mich nach deutschem Essen, andere wenige hatten gehofft, man könne vielleicht einmal (heimlich) ein Bier probieren. Offenbar hat sich der Deutsche Botschafter schon so gut assimiliert, daß er auf die Präsentation von deutscher Kultur verzichten kann.

Mein lokaler Accountant El Sadig — Photo (cc): Günther Krone

Sonstige News: In unsere Delegation werden zur Zeit und demnächst Stellen umbesetzt und ein neuer Delegierter, Rainer ist eingetroffen. Unsere Delegationsleiterin, oder auch Country Representative genannt, wird ihren Vertrag nicht mehr verlängern und es wird nächstes Jahr ein Handover mit einem Nachfolger geben. Das heißt leider für mich, daß ich mehr Zeit im Khartoum-Büro verbringen muß als mir lieb ist, um die neuen Kollegen anfangs zu unterstützen

Politische News: In Khartoum ist es diese Woche zu Straßenprotesten seit der Machtübernahme durch den damaligen Brigadegeneral Bashir im Jahr 1989 gekommen. Am Dienstag stürmten laut Agenturberichten Studenten der technischen Hochschule über die Brücke nach Omdurman (auf der anderen Seite des Nils). Trotz einem starken Polizeiaufgebot wuchs der Protestzug auf mehrere hundert Demonstranten an, die Preissenkungen und Busse forderten. Die Proteste richteten sich gegen die Inflation und daß die Regierung noch immer kein halbwegs vernünftiges öffentliches Verkehrssystem eingerichtet hat. Dabei wurden auch Autos beschädigt und Brände gelegt. Hintergrund ist sicherlich die schlechte Wirtschaftslage (laut Berichten stieg die Teuerungsrate im September auf 20 Prozent). Der Sudan bezog etwa 50% der Staatseinnahmen aus dem Erdölgeschäft und dies ist seit der Unabhängigkeit des Südens weggefallen.

Deshalb kämpft der Sudan im Moment für eine vorteilhafte Neuaufteilung der Erdöleinnahmen, denn der Süden ist vom Norden abhängig, da die Pipelines und Anlagen für den Export durch den Norden führen. Khartoum fordert im Moment aber als Entschädigung für die Benutzung der Anlagen einen Preis von 32 US$ pro Faß, und dies ist laut Experten sehr hoch. Ein realistischer Preis läge etwa zwischen 5 und 10 US$.

Wie realitätsfern sich einige Minister hier verhalten, sieht man schon daran, daß der Finanzminister im letzen Juli einen Haushalt vorgelegt hat, der unverändert von Einnahmen aus dem Erdölbereich von 2,5 Milliarden US$ ausgeht. Daraufhin mußte jetzt der Präsident Richtlinien für eine realistische Haushaltsrechnung genehmigen. An diesem Beispiel sieht man zum Beispiel, daß hier offensichtlich jeder machen kann was er will, bis hin zu Regierungsstellen. Um es mal überspitzt auszudrücken: Man braucht quasi für wahrheitsgemäße und realistische Informationen eine Genehmigung.

Eine zusätzliche Information in diesem Zusammenhang ist diese, daß der Südsudan gerade Verhandlungen mit Kenia über den Bau einer 2. Pipeline führt, so daß man auf die Pipeline durch den Norden nicht mehr angewiesen sein wird. Dies wird den Norden nun ein wenig unter Druck setzen und ihn nötigen, mit realistischen Preisvorstellung zu verhandeln.

Zur Zeit wird in Juba ein Nilstaudamm diskutiert zur Wasser- und Stromversorgung. Dieser soll im Norden des Südsudan gebaut werden. Hoffen wir mal, daß dadurch dem Norden nicht »das Wasser abgegraben« wird und der nächste Konflikt »in der Pipeline« liegt. [Günther Krone]

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Sudan-Mission: 2. Leben in Khartoum http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/09/30/sudan-mission-2-leben-in-khartoum/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/09/30/sudan-mission-2-leben-in-khartoum/#comments Fri, 30 Sep 2011 13:33:30 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=22636 [Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist in diesem Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hat er zugesagt. Nach seinen ersten Eindrücken hier nun ein zweiter Bericht aus Khartoum, ab sofort auch mit eigenen Photos.

Blick auf Khartoum

Ich lebe jetzt seit über einem Monat in Khartoum und habe mich erst einmal darauf konzentriert, viel zu sehen, mich in der Stadt zu orientieren und möglichst viele Leute kennenzulernen. Dabei war ich auch Tuti Island, eine Insel an der Stelle, wo der Weiße mit dem Blauen Nil zusammenfließen. Die Insel, knapp 8 km2 groß mit etwa 20.000 Einwohnern, ist über eine Brücke zu erreichen und macht einen sehr dörflichen Eindruck. Man kann es sich mal ansehen, aber ein Touristenmagnet, wie viele befürchten, wird die Insel wohl kaum.

Tuti Island

Ich habe auch angefangen, einige Photos zu machen, was sich aber als etwas kompliziert herausgestellt hat. Denn der Sudan ist ein streng islamisches Land mit islamischem Rechtssystem, d.h. die Religion bestimmt zu einem großen Teil die Politik und das Leben der Menschen. Unter anderem wird nach einer Reihe von Prophetenworten, den sogenannten Hadiths (das sind Aussagen Mohammeds, die neben dem Koran maßgeblich sind für die islamische Religion), die bildliche Darstellung von Mensch und Tier als Blasphemie bezeichnet und ist daher verboten. Man geht davon aus, daß nur Gott Lebewesen darstellen darf. Daraus folgt eine fast bilderfeindliche Haltung extremistischer Moslems. Deshalb gibt es in Moscheen auch weder Bilder, noch bildliche Darstellungen oder Skulpturen, wie wir dies aus christlichen Kirchen kennen.

Reiche auch Tuti Island

Ansonsten trifft man in Khartoum auf sehr unterschiedliche Auslegungen des Islam, besonders wenn um das Verschleierungsgebot geht. Da es hierfür keine eindeutigen Regelungen im Koran gibt, sind sehr unterschiedliche Formen der Verhüllung üblich. Die Vollverschleierung mit einem schwarzen Nikab, der nur die Augen freiläßt (wie in Saudi Arabien üblich) ist hier nicht allzu oft anzutreffen, üblicher sind der Hidschab (Kopftuch), wobei dieser teilweise sehr europäisch getragen wird (d.h. man sieht die Haare deutlich); hin und wieder trifft man allerdings auch auf selbstbewußte Frauen, die sich fast unverschleiert zeigen.

Gewerkschaftshaus in Khartoum

Außerberuflichen Kontakt zu Sudanesen zu bekommen, ist schwierig. Man wird zwar äußerst höflich behandelt, besonders wenn bekannt ist, daß man Deutscher ist (Deutschland und deutsche Unternehmen haben im Sudan einen sehr guten Ruf). Die kulturelle und religiöse Distanz wirkt aber sehr hemmend auf die Beziehungen. Nur wenige Sudanesen sind aufgeschlossene und haben weniger Berührungsängste, so daß es zu mehr Kontakt kommen kann, aber immer noch nicht vergleichbar mit normalen Kontakten innerhalb von Europäern.

Ausgetrockneter Boden am Nil

Die sudanesische Gesellschaft ist in sich sehr geschlossen und, so mein Eindruck, grenzt sich stark ab, und dies in fast allen Bereichen. Man mus sich hier dem sudanesischen Verwaltungsaparat praktisch unterwerfen (da man darauf angewiesen ist), der ohne andauerndes Nachfragen in keiner Weise funktioniert, den man aber auch nicht kritisieren darf. Deadlines sind völlig unbekannt. Man ist zu keinerlei Kompromissen bereit und Kritik ist unerwünscht. Ich kenne zum Beispiel auch nur wenige Länder, die Englisch als 2. Landessprache festgelegt haben, wo man auf der anderen Seite aber nur wenige Sudanesen trifft, die gut Englisch sprechen. Im Allgemeinen ist der Englisch-Level sehr gering bis nicht vorhanden, was das Leben hier auch behindert. Der Anspruch hier ist sehr hoch, die Realität aber weit entfernt davon. Man hat manchmal den Eindruck, als leiden (um es mal überspitzt auszudrücken) viele an Selbstüberschätzung und Realitätsverlust.

Ein Kollege: Man braucht hier die Mentalität eines Leuchtturmwärters

Was einem hier deshalb auch sehr schnell klar wird ist, daß der Sudan kein einfaches Land für einen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation ist. Als »Neuling« auf diesem Gebiet würde es einem vorkommen, als stöße man überall an Grenzen. Angefangen von der Eingrenzung der Bewegungsfreiheit (man benötigt für alles Permits, die bezahlt werden müssen), über ein sehr dürftiges Angebot (keine Kneipen, keine westliche Musik, keine alkoholischen Getränke), der teilweise übermäßigen Hitze, den Sprachschwierigkeiten, der abgegrenzten Gesellschaft bis zu vielen Arbeitsproblemen mit den lokalen Kollegen, seine Projektziele durchzusetzen (und darauf drängen die Organisationen in Europa) sieht man sich einer Reihe von, fast unüberbrückbaren, Schwierigkeiten ausgesetzt. Deshalb fühlen sind hier auch viele jüngere Kollegen schon nach wenigen Monaten »ausgebrannt«.

Verkehr in Khartoum

Das praktische Leben in Khartoum ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Es gibt wenige große Supermärkte, dafür viele kleine Läden (vergleichbar mit den alten »Tante Emma«-Läden in Deutschland), wo eingekauft wird. Man bekommt vieles, man weiß aber oft nicht, wo es dies gibt und zu welchem Preis. Da alle Läden oft nur arabische beschriftet sind und man nur arabisch spricht, macht das Leben für Europäer auch nicht einfacher. Es ist also immer wieder eine Herausforderung, hier einkaufen zu gehen.

Am Nil bei Khartoum

Eine einzige »richtige« Shopping Mall (die den Namen tendenziell verdient) ist vorhanden mit einem großen Supermarkt und einer Reihe von Geschäften, Wechselstuben und Telekommunikationsfirmen. Dort findet man auch ein Kino, einige Fast-Food Läden und Cafés, in denen sich viele junge Leute treffen. Denn für männliche Jugendliche ist es in einem islamischen Land äußerst schwierig, junge Damen zu treffen (ohne daß die Familie immer dabei ist). Sicherlich ist dieser Treffpunkt allseits bekannt, er wird aber offensichtlich von der Allgemeinheit toleriert.

Mit fehlenden Gullydeckeln muß man überall rechnen

Für Strom gibt es Prepaid Karten (ähnlich wie Handys in Deutschland) Man kauft für eine Summe Megawattstunden, bekommt einen Zahlencode, den man dann zu Hause in den Zähler eintippen kann. So wird der Counter praktisch geladen. Alle Einkäufe finden gegen Bargeld statt, es werden keine Kreditkarten akzeptiert. Am einfachsten kommt man an lokale Währung heran, indem man mitgebrachte Devisen (Euro oder US$) eintauscht. Harte Währungen sind sehr begehrt, weshalb es überall in der Stadt auch Schwarzmärkte gibt, die bis zu einem 40 Prozent höheren Kurs tauschen.

Trocknen von Ziegeln in der Sonne

Was die Preise beim Einkaufen anbelangt, ist Khartoum im Verhältnis zu Deutschland sehr teuer. Da fast alles importiert werden muß, liegen die Preise zu bis zu 50 Prozent über denen in Deutschland, teilweise aber auch bis zu 100 Prozent. In Restaurants liegen sie etwa ähnlich wie in Europa, ausgenommen von einigen teuren Hotels, wo das Preis-Leistung Verhältnis nicht stimmt. Beispiel: Neulich war ich in einem italienischen Restaurant und habe für eine einfache Pizza Salami (nur mit Salami und Käse belegt), einen Orangensaft und ein kleines Eis etwa 100 SDG bezahlt. Dies sind bei dem offiziellen Wechselkurs ca. 25 Euro.

Tuti Island, ein Leben auf dem Lande in Khartoum

Kurz zu Restaurants: Es existieren hier neben diversen Fast-Food Ketten eine Reihe von sudanesischen und orientalischen Restaurants (Libanon, Syrien etc) aber auch Inder, Italiener und viele internationale Alternativen, zusätzlich stehen einem natürlich auch alle großen Hotels zur Verfügung.

Sitz der lokalen Partnerorganisation SRCS

Nachdem der Südsudan seine Unabhängigkeit erklärt hat, packen sehr viele Ausländer, die für die UN oder Hilfsorganisationen arbeiten ihre Koffer, um überzusiedeln. Dies ist nicht nur ein Verlust für die private Wirtschaft, sondern auch für die Regierung. Devisen fließen nicht mehr so viel und reichlich. Die Weltgemeinschaft hat entschieden, den neuen Staat zu unterstützen, d.h. Mitarbeiter aus dem Norden abzuziehen. Die sudanesische Regierung antwortet darauf mit der Einziehung von Devisen. Das heißt, alle Hilfsorganisationen, die hier bei Banken ein sogenanntes Foreign Account haben (z.B. ein Euro-Konto), können nur noch unter größten Schwierigkeiten harten Devisen abheben, es wird nur noch in lokaler Währung ausgezahlt. Außerdem wurden die Banken angewiesen, Auszahlungen von Devisen einzustellen. Dies ist meines Erachtens eine völlig unüberlegte Maßnahme, die, wenn sie nicht zurückgenommen wird, ausländische Organisationen aus dem Lande drängen könnte.

Müll auf Tuti Island

Was hier wiederum bemerkenswert ist, daß Khartoum sehr sicher ist. Es gibt fast keine Gewalttaten, speziell nicht gegen Ausländer. Von den Konflikten im Land (Darfur, Kordofan, Blue Nile usw.) spürt man in Khartoum so gut wie nichts. Alles sieht hier staubig-heiß, verkehrsmäßig etwas chaotische und verschlafen aus. Aber es gibt auch Hinweise, die auf Probleme hindeuten, z. B. die vielen Bettler, die an fast jeder Strassenkreuzung warten und, wenn die Ampeln »rot« zeigen, von Auto zu Auto gehen und um Geld betteln.

IDP (Internally Displaced Persons)

Wenn man tendenziell etwas von den Konflikten mitbekommen will, muß man in die Außenbezirke gehen, an den Rand von Khartoum, wo sehr viele IDP (Internally Displaced Person) aus den Konfliktgebieten leben, oder besser gesagt, ein ärmliches Dasein fristen. Es handelt sich dabei um sehr dunkelhäutige Sudanesen, die auch zum Straßenbild von Khartoum gehören, aber dicht gedrängt in den Notsiedlungen am Stadtrand leben. Viele stammen aus Darfur oder aus dem Südsudan, obwohl ein großer Teil von den letzteren inzwischen in den Süden abgewandert sind. Nachdem im Blue Nile Bezirk neue Unruhen ausgebrochen sind, erwartet man neue Flüchtlingsströme.
Siehe hierzu auch diesen Bericht in der TAZ. Ich habe hier den Eindruck, daß der Sudan wohl so schnell nicht zur Ruhe kommen wird. [Günther Krone, Photos: Wikimedia Commons und Günther Krone]

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Sudan-Mission: 1. Eindrücke http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/09/07/sudan-mission-1-eindrucke/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/09/07/sudan-mission-1-eindrucke/#comments Wed, 07 Sep 2011 14:08:46 +0000 gkrone http://www.schockwellenreiter.de/?p=22027 [Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisen­gebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist in diesem Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hat er zugesagt. Und hier ist daher sein erster Bericht.

Die Photos sind dieses Mal alle noch aus den Wikimedia Commons zusammenge­klau(b)t, da im Sudan das Photographieren ohne eine gesonderte Photographier-Erlaubnis streng verboten ist. Günther hat aber ein solches »Permit« beantragt und so hoffen wir, daß es bald aktuelle Photos aus dem Sudan geben wird.

Das Goethe-Institut in Karthoum

Im Juni 2011 hatte ich mich dazu entschlossen, für eine internationale Hilfsor­ga­nisation in den Sudan zu gehen und dort im Rahmen der interna­tionalen Zusammenarbeit tätig zu werden. Der Vertrag wurde vorerst auf ein Jahr abgeschlossen, mit der Option einer Verlängerung. Ich hatte bereits in verschiedenen Ländern dieser Welt gearbeitet, habe aber nie über meine Erlebnisse berichtet. Schon vor einiger Zeit bat mich mein alter Freund Jörg, doch mal etwas zu schreiben über die Länder, in denen ich zeitweilig lebe. Einen quasi etwas anderen Reisebericht, der über das »normale« Touristen­wissen hinausgeht.

Ich bin am 12. August 2011 um 1:30 Uhr am Airport Khartoum angekommen. Der Flughafen war ein rechteckiger Betonklotz, der wohl schon bessere Zeiten gesehen hat. Früher mal weiß gewesen, sieht er heute eher staubig-grau aus. Ein Bus brachte die Passagiere vom Flugzeug zur Wartehalle mit den Abfertigungsschaltern zur Einreise. Das Bild, das man vom Airport außen hatte, wurde innen nicht besser. Ich gesellte mich zu der Gruppe vor dem Schalter »International«. Dort saß ein großer, abwesend wirkender Zöllner mit aufgestützten Armen und gegen das Kinn gepreßter Faust. Er beobachtete den neben ihm sitzenden Kollegen beim Sortieren von irgendwelchen Dokumenten, ohne dabei besonderes Interesse an den Tag zu legen, weil sich sonst nichts Überraschendes tat. Irgendwann (so nach ca. 5-8 Minuten) entschied er sich, das zu tun wofür er bezahlt wird und gab dem ersten in unserer Reihe einen kurzen Wink. Die Paßkontrolle verlief schleppend aber letztendlich kam ich durch.

Bei der Gepäckausgabe erwartete mich ein kleines Chaos. Es gab verschiedene Bänder aber keinerlei Information, auf welchem Band die Koffer für welchen Flug ankamen. Man muß sich das etwa so vorstellen: Sobald ein Band anlief, stürzte alles herbei um nach dem eigenen Gepäck zu suchen. Falls ein neues Band in Betrieb gesetzt wurde, lief man zu diesem. Erinnert einen irgendwie an die »Ferien des Messieur Hulot« (die Szene mit den ankommenden Zügen auf dem Bahnhof) mit Jacques Tati. Aber letztendlich bekam ich meine beiden Koffer von irgendeinem Band. Dann durfte ich auch noch zum Koffer-Check. Hat wohl etwas damit zu tun, daß ich aus Istambul kam und von dort oft »Verbotenes« mitgebracht wird. Ich war aber »clean«. Der Airport Khartoum liegt übrigens mitten in der Stadt, was man auch nicht alle Tage sieht. Daran mußte ich mich auch erst mal gewöhnen, vor allem wenn man mit dem Auto in Nähe der Einflugschneise fährt und man plötzlich in etwa 20 Metern Höhe von einer Boeing überflogen wird.

Ich hatte meine Kollegin von meiner Ankunft in Khartoum informiert und hoffte, daß sie da ist, da mein Flug keine wesentliche Verspätung hatte. Denn im Außenbereich der Ankunftshalle für internationale Flüge gibt es keinerlei Informationen, weder Tafeln noch Infostände. Man kann also nie wissen, ob ein Flug später kommt oder ob er überhaupt irgendwann kommt. Aber es klappte diesmal alles gut, meine Kollegin war da und brachte mich zum Gästehaus. Dieses sollte also meine Unterkunft für die Zeit sein, in der ich in Karthoum weilte. Es war sicherlich für sudanesische Verhältnisse luxuriös eingereichtet, war möbliert und alle Zimmer hatten Klimaanlagen (AC’s). Allerdings hatte das Haus, wie viele Häuser in heißen Gegenden, keinerlei Wärmedämmung, so daß man nachts froh sein kann, wenn es die AC schafft, die Temperaturen unter die 30 Grad Grenze zu drücken. Die Wände heizen sich während des Tages auf, so daß das Haus in der heißesten Jahreszeit einer Art von Backofen gleichkommt.

Freitag Nachmittag in Karthoum

Mein Ankunftstag fiel auf einen Freitag, wo ohnehin nicht gearbeitet wird, da es sich um eine Islamische Republik (Sudan) handelt. Außerdem sind gerade die letzten Tage des Ramadan, d.h. das gesellschaftliche Treiben auf den Straßen und den Restaurants hält sich in Grenzen. Nachts ist es dafür um so lauter, da der Muezzin 24 Stunden am Tag zu Gebeten aufruft, und dabei keinen Unterschied zu Tag oder Nacht macht. Außerhalb des Ramadans ruft er immerhin noch fünf mal täglich. Einige Kollegen richten sich deshalb bei der Suche einer geeigneten Unterkunft auch nach der Entfernung zur nächsten Moschee.

Eselskarren gehören zum Stadtbild

Wie soll man sich Khartoum vorstellen? Es ist heiß, im Sommer bis 50 Grad, im Winter ist es etwas kühler, so zwischen 30 und 35 Grad, und staubig. Hin und wieder kommt es zu Sandstürmen (was dann weniger angenehm ist). Khartoum liegt am Zusammenfluß des Weißen und des Blauen Nils, was der Stadt einen etwas grünen Anstrich verleihen soll (lt. Reiseführer), wovon man aber im Sommer nichts sieht. Es fällt auf, daß an vielen Stellen gebaut wird. Aber der erste Eindruck täuscht, denn die Stadt ist übersäht von nie fertiggestellten Gebäuden. In der Innenstadt sind viele Nebenstraßen schlichte Sandwege. Im Straßenverkehr sieht man Kraftfahrzeuge der letzten Jahrzehnte, die sich die Straßen mit Eselskarren teilen. Das Stadtzentrum ist ein heruntergekommenes Viertel, in dem allenfalls Straßenhändler am Tag für etwas Leben sorgen, abends ist dort alles tot. Vielen Gebäuden sieht man an, daß sie vor sehr langer Zeit mal bessere Zeiten gesehen haben. Wenigstens etwas Leben herrscht in der Gegend um den in der Innenstadt gelegenen Flughafen, aber weit entfernt von einem Vergleich mit einer europäischen Großstadt. Selbst die Promenade am Nil mit ihrem Baumbestand wirkt heruntergekommen mit ihren nichtbenutzten Bootsanlegern, langweiligen Cafés und Müllhalden. Ich werde in den nächsten Wochen versuchen, mal auf die andere Seite des Nils zu fahren und mir das alte Khartoum mit den vielen Kleinhändlern anzusehen. Vielleicht revidiert dies ja meinen ersten Eindruck von Khartoum.

Auf einem Bazar

Ausländer gehören durch die Vielzahl von UN-Organisationen und Hilfsorga­nisationen zum Stadtbild und leben alle im Zentrum der Hauptstadt und bilden dort eine internationale Gemeinschaft. Möglichkeiten zur Freizeitgesellschaft im westlichen Sinne bestehen kaum. Es gibt einen Golfclub (der seit Jahren im Bau ist), eine Pferderennbahn (die von Joggern benutzt wird) und einige Swimmingpools, die zu den Hotels gehören und deswegen teuer sind und nichts besonderes bieten. Einige wenige nichtsudanesische Restaurants sind entsprechend hergerichtet, daß man dort auf Ausländer trifft, dürfen aber wegen des generellem Alkoholverbots keine alkoholischen Getränke ausschenken. Selbst alkoholfreies Bier findet man höchst selten. Allein die Tatsache, daß das bekannteste unter Ihnen, das »Café Ozone« inmitten eines vielbefahrenen Kreisverkehrs liegt, zeigt schon, wie eingeschränkt das Angebot ist.

Dann gibt es noch die drei Kulturzentren (Deutsch, British, Französisch), die hin und wieder Filmabende oder Ausstellungen anbieten, drei verstaubte Museen, die über die Geschichte Sudans informieren, das »Derwisch« Tanzen, das Nuba-Ringen und drei Fußballmannschaften. Das war’s, was Ausländern Abwechslung bietet.

Daraus folgt, daß das gesellschaftliche Lebens westlicher Ausländer oft privat organisiert wird. Die britische, amerikanische und deutsche Botschaft veranstalten Begegnungsabende, die regen Zulauf haben. Allerdings bleibt die Zahl der Anwesenden recht überschaubar, denn die internationale Gemeinschaft in Karthoum ist begrenzt. [Günther Krone]

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Der Himmel über Berlin http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/07/11/der-himmel-uber-berlin/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/07/11/der-himmel-uber-berlin/#comments Mon, 11 Jul 2011 09:43:20 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=20483 Photo (cc): Gabriele Kantel

Erinnerungen an ein schönes Wochenende …

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Blaue Friedensschafe http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/07/10/blaue-friedensschafe/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/07/10/blaue-friedensschafe/#comments Sun, 10 Jul 2011 11:42:00 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=20446 Blaue Friedensschafe auf dem Schloßplatz

In Berlin sind selbst die Schafe blau, denn blau ist keine Farbe, sondern ein Zustand. [Zebu, Photo (cc): Gabriele Kantel]

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