Der Schockwellenreiter » Gereimtes http://www.schockwellenreiter.de Die tägliche Ration Wahnsinn -- seit April 2000 im Netz Tue, 09 Oct 2012 10:16:20 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.4.2 Sonnet on a Higgs-Like Particle http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/05/sonnet-on-a-higgs-like-particle/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/07/05/sonnet-on-a-higgs-like-particle/#comments Thu, 05 Jul 2012 14:49:50 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=29174 http://www.youtube.com/watch?v=-qzqIHj4uGI

Gestern war Higgsdependence Day und darum möchte ich Euch auch dieses Sonnet nicht vorenthalten (eine ältere, leicht abgewandelte Version findet Ihr hier):

We now have found a Higgs-like particle.
It is a Boson, we’re 5-sigma sure.
I read about it in an article,
Along with facts a little more obscure.

Now here’s the mass of our beloved boson:
125.3 gigaelectronvolts,
133 times heavier than a proton.
It’s like we’re seeing the universe’s nuts and bolts.

The standard model’s other bosons are:
Photons, gluons, W, and Z.
These make the forces found in every star,
Plus maybe gravitons for gravity.

But what gives mass to heavy things like pigs?
It is our new discovery: the Higgs

-like particle.

Aus der Abteilung »Physik in wohlgesetzten Versen«[Make Magazine]

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Wenn Ostern vorbei ist … http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/04/10/wenn-ostern-vorbei-ist-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/04/10/wenn-ostern-vorbei-ist-2/#comments Tue, 10 Apr 2012 08:04:52 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=27313 Mr. H. Dumpty

Sonett an den Berliner Osterhasen

Die Berliner Osterhasen wohnen in den U-Bahn-Schächten.
Die Eier sind metallic-blau bemalt,
Die Schokoladentierchen sind verstrahlt.
Schelme, wenn sie sich dabei etwas dächten.

Am Ostermontag zum Frühschoppen
Sucht jeder Hase seine Weddinger Stammkneipe auf,
Um mit Freunden eine Runde Skat zu kloppen.
Sie erzählen von ihrer Arbeit und schneiden mächtig auf.

Abends sind sie dann betrunken —
Laut gröhlend: »Es wird einmal ein Wunder geschehn« —
Wieder in ihrem Schacht versunken.

Einige Passanten bleiben kopfschüttelnd stehn,
Denen sie beim Abschied zugewunken,
Und glauben, sie hätten weiße Mäuse gesehn.

(Jörg Kantel)

Ich weiß … aber im Fernsehen wird zu Ostern schließlich auch alles wiederholt.

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Krawatten (zwang?) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/03/20/krawatten-zwang/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/03/20/krawatten-zwang/#comments Tue, 20 Mar 2012 12:12:37 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=26869

Ode an George Bryan Brummell

Einst haben wir alle im Urwald gelebt,
Auf den Bäumen als nackte Recken.
Doch dann hat uns Eva den Schurz gewebt,
Um den kleinen Unterschied zu verstecken.

   Und damit fing das Dilemma an:
   Denn woran erkennt man jetzt einen Mann?

Dann hat man uns aus den Urwald gelockt
Und steckte uns in Waffen.
Doch hätten wir nicht an den Feuern gehockt,
Wären wir immer noch haarlose Affen.

   Im Feuerschein sah’n wir uns ratlos an:
   Woran erkennt man nur einen Mann?

Die Zeiten vergingen und mit ihr die Moden;
Erst trugen wir Toga, dann Kutte, dann Bein.
Doch immer versteckten wir unsere Hoden;
Warum ist der Unterschied auch nur so klein?

   Wir glaubten, wir hätten die Hosen an.
   Doch am Glauben erkennt man noch lang keinen Mann!

Doch dann kam Beau Brummell, ihm sei zu loben –
Den gordischen Knoten hat er zerschlagen:
Den »Unterschied« hat er nach oben verschoben –
Er steckte ihn einfach unter den Kragen.

   Was trägt man um den Hals und was baumelt dran?
   Nur mit Krawatte ist man(n) erst ein richtiger Mann!

(Jörg Kantel)

Peter Lempert hat nicht verstanden, warum man(n) eine Krawatte tragen sollte (siehe oben) und hadert deswegen mit seinem Schicksal: Krawatte? Nein, danke! DL2MCD übrigens auch nicht. [Notizen aus der Neidbranche]

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Hütet euch vor Liberalen http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/01/06/hutet-euch-vor-liberalen-7/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/01/06/hutet-euch-vor-liberalen-7/#comments Fri, 06 Jan 2012 12:33:56 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=25096

Hütet euch vor Liberalen,
Die nur reden, die nur prahlen,
Nur mit Worten stets bezahlen,
Aber arm an Taten sind:
Die bald hier-, bald dorthin sehen,
Bald nach rechts, nach links sich drehen
Wie die Fahne vor dem Wind.

Hütet euch vor Liberalen,
Jene blassen, jene fahlen,
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn:
Aber bei des Bettlers Schmerzen
Weisheitsvoll, mit kaltem Herzen
Ungerührt vorübergehn.

Hütet euch vor Liberalen,
Die bei schwelgerischen Mahlen
Bei gefüllten Festpokalen
Turm der Freiheit sich genannt
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar ein Denunziant.

(Robert Prutz, 1848)

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Lesen im Advent (24) http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/24/lesen-im-advent-24/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/12/24/lesen-im-advent-24/#comments Sat, 24 Dec 2011 09:37:52 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=24838

Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu

Die Springburn hatte festgemacht
Am Petersenkai.
Kuttel Daddeldu jumpte an Land,
Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht
Und an dem Zollwächter vorbei.
Er schwenkte einen Bananensack in der Hand.
Damit wollte er dem Zollmann den Schädel spalten.
Wenn er es wagte, ihn anzuhalten.
Da flohen die zwei voreinander mit drohenden Reden.
Aber auf einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden.

Daddeldus Braut liebte die Männer vom Meere,
Denn sie stammte aus Bayern.
Und jetzt war sie bei einer Abortfrau in der Lehre,
Und bei ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern.

Im König von Schweden war Kuttel bekannt als Krakehler.
Deswegen begrüßte der Wirt ihn freundlich: »Hallo old sailer!«
Daddeldu liebte solch freie, herzhafte Reden,
Deswegen beschenkte er gleich den König von Schweden.
Er schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri
Und sagte: »Da nimm, du Affe!«
Daddeldu sagte nie »Sie«.
Er hatte auch Wanzen und eine Masse
Chinesischer Tassen für seine Braut mitgebracht.

Aber nun sangen die Gäste »Stille Nacht, Heilige Nacht«,
Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse
Und behielt für die Braut nur noch drei.
Aber als er sich später mal darauf setzte,
Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,
Ohne daß sich Daddeldu selber verletzte.

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold
Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.
Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.
Und das Mädchen steckte ihm Christbaumkonfekt
Still in die Taschen und lächelte hold
Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.
Daddeldu dacht an die wartende Braut.
Aber es hatte nicht sein gesollt,
Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.
Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,
Deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.
Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.
Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,
Kam eine Marmorplatte geschwirrt,
Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.
Und die See ging hoch und der Wind wehte.

Daddeldu wankte mit einer blutigen Nase
(Nicht mit seiner eigenen) hinaus auf die Straße.
Und eine höhnische Stimme hinter ihm schrie:
»Sie Daddel Sie!«
Und links und rechts schwirrten die Kolibri.

Die Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen.
Die alte Abortfrau begab sich zur Ruh.
Draußen stand Daddeldu
Und suchte für alle Fälle nach einem Groschen.
Da trat aus der Tür seine Braut
Und weinte laut:
Warum er so spät aus Honolulu käme?
Ob er sich gar nicht mehr schäme?
Und klappte die Tür wieder zu.
An der Tür stand: »Für Damen«.

Es dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen,
Und stolperten über den schlafenden Daddeldu.

Als ich ein Kind war, besaß mein Vater eine Schallplatte »Günther Lüders liest Gedichte von Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern« — schön ordentlich, wie es sich für die frühen 1960er Jahre gehörte: Auf der A-Seite Gedichte von Christian Morgenstern, auf der B-Seite Gedichte von Joachim Ringelnatz. Und diese Platte wurde jedes Jahr zu Weihnachten hervorgekramt und die ganze Familie lauschte der Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu und den anderen Gedichten. Es war auch für uns Kinder immer ein besonderes Erlebnis, denn Lüders konnte diese Reime sprechen wie kein Zweiter.

   


Den Daddeldu habe ich leider weder in der kostenlosen Kindle-Edition noch beim (amerikanischen) Project Gutenberg gefunden, dafür aber jede Menge andere Gedichtbände des genialen Meisters der Lakonie.

Dies ist das letzte Türchen meines kleinen Adventskalenders mit kostenlosen Ebooks aus Amazons Kindle-Edition und der deutschsprachigen Abteilung des amerikanischen Gutenberg-Projects. Ich hoffe, ich habe auch für Euch ein paar (Wieder-) Entdeckungen gefunden und Ihr hattet beim Lesen ebenso viel Spaß, wie ich bei der Suche und Auswahl. Und nun zum letzten Mal: Frohe Feiertage Euch allen da draußen …

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Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/08/wie-schad-das-ich-kein-pfaffe-bin/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/11/08/wie-schad-das-ich-kein-pfaffe-bin/#comments Tue, 08 Nov 2011 07:49:26 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=23563 http://www.youtube.com/watch?v=VlBkCjoz01M

Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin.
Das wäre so mein Fach.
Ich bummelte durchs Leben hin
Und dächt’ nicht weiter nach.

Mich plagte nicht des Grübelns Qual,
Der dumme Seelenzwist,
Ich wüßte ein für allemal,
Was an der Sache ist.

Und weil mich denn kein Teufel stört,
So schlief ich recht gesund,
Wär wohlgenährt und hochverehrt
Und würde kugelrund.

Käm dann die böse Fastenzeit,
So wär ich fest dabei,
Bis ich mich elend abkasteit
Mit Lachs und Hühnerei.

Und dich, du süßes Mägdelein,
Das gern zur Beichte geht,
Dich nähm ich dann so ganz allein
Gehörig ins Gebet.

Wilhelm Buschs antiklerikales Spottgedicht von 1874 ist heute eigentlich immer noch aktuell. Das dachte sich auch das Spardosen-Terzett aus dem Ruhrgebiet und singt es in einer leicht modernisierten Fassung. [johnnyb per Email.]

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Schneck http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/08/02/schneck/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/08/02/schneck/#comments Tue, 02 Aug 2011 06:59:55 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=21090 Photo(cc): Jörg Kantel

Wenn Du einen Schneck behauchst,
Dann kriecht er ins Gehäuse.
Doch wenn Du ihn in Cognac tauchst,
Dann sieht er weiße Mäuse.

[Joachim Ringelnatz (aus dem Gedächtnis zitiert)]

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Need for Speed http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/30/need-for-speed-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/30/need-for-speed-2/#comments Thu, 30 Jun 2011 10:44:37 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=20209 Amerikanischer Raketenwagen, 1939

Raketenwagen auf der Avus
(23. Mai 1928)

Begeistert und beängstigt sahn
Tausende Menschen dem zu:
Es raste über die Avusbahn
Der Raketenwagen. Huh!!

Er donnerte, feuerte, fuhr und ließ
Einen Rauch hinter sich, der auch stank.
Der schneidige Lenker des Wagens hieß
Fritz von Opel. Ihm Dank!

Er fuhr wie ein Teufel und sicher vorbei,
Endete, niemand sah, wo.
Es war eine anständige Teufelei.
Bravo!

Am 23. Mai 1928 fuhr Fritz von Opel (aka »Rakten-Fritz«) mit seinem Raketen­auto Opel RAK 2 auf der Berliner Avus eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Geschwindigkeit von 228 km/h. Der Dichter Joachim Ringelnatz hat dieses Ereignis auf seine lakonische Art kommentiert.

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Die armen Nazis http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/26/die-armen-nazis/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/26/die-armen-nazis/#comments Sun, 26 Jun 2011 16:13:57 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=20054 http://www.youtube.com/watch?v=g0tBa68Jyfc

Neukölln ist ein gefährliches Pflaster für rechtsextreme Politiker — am Samstag ist in dem Berliner Bezirk erneut ein NPD-Wahlkämpfer verprügelt worden. Es ist bereits die dritte Attacke auf einen Aktivisten der Partei im Vorfeld der Berlin-Wahl binnen einer Woche.

Als die Nazis frech geworden, simserim sim sim bim bim
Zogen sie nach Neuköllns Norden …

Das soll natürlich kein Aufruf zur Gewalt sein. Ich halte es da mehr mit Kurt Tucholsky, der ihnen Rosen auf den Weg gestreut hatte:

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
   Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
   Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
   Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
   Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
   Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
   gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
   den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
   Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
   küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Aber eine winzige, klammheimliche Freude schleicht sich doch in mein böses Herzchen ein … [Spiegel Online]

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Und dazu ziehn Sie ‘n Smoking an? http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/24/und-dazu-ziehn-sie-n-smoking-an/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/06/24/und-dazu-ziehn-sie-n-smoking-an/#comments Fri, 24 Jun 2011 09:16:01 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=20008 Smoking

Frage

Es laufen vor Premieren
Gerüchte durch die Stadt:
Nun kommt, was man in Sphären
noch nicht gesehen hat.
   Doch hat der Rummel sich gelegt
   – so aufgeregt, so aufgeregt –
   dann frag ich still, so leis ich kann:
      »Und dazu ziehn Sie ‘n Smoking an –?«

Es steigen große Bälle,
und die Plakate schrein.
Man muß auf alle Fälle
da reingetreten sein.
   Der Sekt ist warm, die Garderobe kalt.
   »Ich glaube, Lo, nun gehn wir bald … «
   Zu Hause sehn sich alle an:
      »Und dazu ziehn wir ‘n Smoking an –?«

Es prangt in den Journalen
das Bildnis einer Frau.
Schön ist sie angemalen,
hellrosa, beige und blau.
   Dir glückts … ihr Widerstand erschlafft …
   Na, fabelhaft! Na, fabelhaft?
   Grau ist der Morgen … welk der Strauß …
      Und dazu zieh ich ‘n Smoking aus –?

Willst du nach oben schweben,
fällst du auf den Popo.
Und überhaupt das Leben,
es ist gemeinhin so:
   Erst viel Geschrei und mächtiger Zimt.
   Sieh nur, wie alles Karten nimmt!
   Aber mehrstenteils, o Smokingmann:
      Zieh ihn gar nicht erst an! Zieh ihn gar nicht erst an –!

Theobald Tiger, Die Weltbühne, 18.02.1930, Nr. 8, S. 289

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Wenn Ostern vorbei ist … http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/04/25/wenn-ostern-vorbei-ist/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/04/25/wenn-ostern-vorbei-ist/#comments Mon, 25 Apr 2011 11:58:42 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=18505 Mr. H. Dumpty

Sonett an den Berliner Osterhasen

Die Berliner Osterhasen wohnen in den U-Bahn-Schächten.
Die Eier sind metallic-blau bemalt,
Die Schokoladentierchen sind verstrahlt.
Schelme, wenn sie sich dabei etwas dächten.

Am Ostermontag zum Frühschoppen
Sucht jeder Hase seine Weddinger Stammkneipe auf,
Um mit Freunden eine Runde Skat zu kloppen.
Sie erzählen von ihrer Arbeit und schneiden mächtig auf.

Abends sind sie dann betrunken —
Laut gröhlend: »Es wird einmal ein Wunder geschehn« —
Wieder in ihrem Schacht versunken.

Einige Passanten bleiben kopfschüttelnd stehn,
Denen sie beim Abschied zugewunken,
Und glauben, sie hätten weiße Mäuse gesehn.

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Morgen beginnt das Dreikönigstreffen der FDP http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/01/05/morgen-beginnt-das-dreikonigstreffen-der-fdp/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2011/01/05/morgen-beginnt-das-dreikonigstreffen-der-fdp/#comments Wed, 05 Jan 2011 12:00:56 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=15661 Zum Tag der Erscheinung des Herrn (nein, mit »Herrn« ist nicht Herr Wester­welle gemeint) deshalb eine dringend notwendige Wiederholung (nie war das Gedicht so aktuell wie heute):

Hütet euch vor Liberalen,
Die nur reden, die nur prahlen,
Nur mit Worten stets bezahlen,
Aber arm an Taten sind;
Die bald hier-, bald dorthin sehen,
bald nach rechts, nach links sich drehen,
Wie die Fahne vor dem Wind.

Hütet euch vor Liberalen,
Jene blassen, jene fahlen,
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn;
Aber bei des Bettlers Schmerzen,
Weisheitsvoll mit kaltem Herzen,
Ungerührt vorübergehn.

Hütet euch vor Liberalen,
Die bei schwelgerichen Mahlen,
Bei gefüllten Festpokalen
Turm der Freiheit sich genannt.
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar ein Denunziant.

Text: Robert Prutz, Melodie: Bachmann/Lipping
Quelle: Alexander Lipping und Björn Grabendorff (Hg.): 1848, der Deutsche macht in Güte die Revolution. Texte und Noten mit Begleitakkorden, Frankfurt/Main (Fischer TB 2978) 1982

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Ein Gedicht zur Mittagspause http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/12/29/ein-gedicht-zur-mittagspause/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/12/29/ein-gedicht-zur-mittagspause/#comments Wed, 29 Dec 2010 12:07:45 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=15385 Andy Warhol: Mao

Der Bauer auf dem Lande fährt mit dem Traktor Dung.
Der Sohn, der in der Stadt studiert, der liest Mao Tse Tung.
Der Bauer, der sehr dümmlich, weiß nicht wer Mao ist
Und sagt: Was soll Maotse-Dung, ich bleib bei Pferdemist.

[Insterburg & Co., Anfang der 1970er Jahre, aus dem Gedächtnis zitiert.]

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Zum morgigen 2. Advent http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/12/04/zum-morgigen-2-advent/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/12/04/zum-morgigen-2-advent/#comments Sat, 04 Dec 2010 08:51:10 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=14582

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.

[Berndt W. per Email.]

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Walpurgisnacht http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/04/30/walpurgisnacht/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/04/30/walpurgisnacht/#comments Fri, 30 Apr 2010 10:01:43 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=8435 Hexe in der Cranachstraße

Diese dumpfen Pfaffenchristen,
laßt uns keck sie überlisten!
Mit dem Teufel, den sie fabeln,
wollen wir sie selbst erschrecken.
Kommt! Kommt mit Zacken und mit Gabeln,
und mit Glut und Klapperstöcken
lärmen wir bei nächt’ger Weile
durch die engen Felsenstrecken!
Kauz und Eule,
Heul’ in unser Rundgeheule,
kommt! Kommt! Kommt!

(Johann Wolfgang von Goethe)

Die Kreuzberger Maifestspiele haben begonnen … [Photo: Gabriele Kantel]

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Spiel nicht mit den Schmuddelkindern … http://www.schockwellenreiter.de/blog/2009/10/26/spiel-nicht-mit-den-schmuddelkindern/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2009/10/26/spiel-nicht-mit-den-schmuddelkindern/#comments Mon, 26 Oct 2009 08:03:37 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=4028

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. Sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt. Mach’s wie deine Brüder.

So sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor.
Ihn zog’s aber immer wieder vor das Gartentor.
Hin zu den Kaninchenställen, wo sie Sechsundsechzig spielten,
Um Tabak und Rattenfelle, Frauen unter Röcke schielten.
Wo man, wenn der Regen rauschte,
Engelbert, dem Blöden lauschte.
Der auf einem Haarkamm biß
Und Rattenfängerlieder blies.
Abends am Familientisch, nach dem Gebet zum Mahl,
Hieß es dann, schon wieder stinkst du nach Kaninchenstall.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern …
(Franz-Josef Degenhardt, aus dem Gedächtnis zitiert.)

Für den Thüringer, der wohl nie nach Kaninchenstall riechen wird und die Schmuddelkinder meidet, wie der Teufel das Weihwasser. Alles Matschie, oder was?

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Hütet Euch vor Liberalen http://www.schockwellenreiter.de/blog/2009/09/28/hutet-euch-vor-liberalen-2/ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2009/09/28/hutet-euch-vor-liberalen-2/#comments Mon, 28 Sep 2009 06:53:49 +0000 Jörg Kantel http://www.schockwellenreiter.de/?p=3371 Mein Kommentar zum Wahlsonntag:

Hütet euch vor Liberalen,
Die nur reden, die nur prahlen,
Nur mit Worten stets bezahlen,
Aber arm an Taten sind;
Die bald hier-, bald dorthin sehen,
bald nach rechts, nach links sich drehen,
Wie die Fahne vor dem Wind.

Hütet euch vor Liberalen,
Jene blassen, jene fahlen,
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn;
Aber bei des Bettlers Schmerzen,
Weisheitsvoll mit kaltem Herzen,
Ungerührt vorübergehn.

Hütet euch vor Liberalen,
Die bei schwelgerichen Mahlen,
Bei gefüllten Festpokalen
Turm der Freiheit sich genannt.
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar ein Denunziant.

Text: Robert Prutz, Melodie: Bachmann/Lipping
Quelle: Alexander Lipping und Björn Grabendorff (Hg.): 1848 — Der Deutsche macht in Güte die Revolution. Texte und Noten mit Begleitakkorden, Frankfurt/Main (Fischer TB 2978) 1982

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