Es geht ja die Saga um, daß Datenjournalismus das »nächste große Ding« im Web sei und daß dies die großen Verlage retten könnte. Beigetragen dazu hat der Hype um das iPad und die Hoffnung der Verlage, mit »Apps« wieder viel Geld zu verdienen.
Nun kann man aber auch Datenjournalismus viel nüchterner, aber dennoch spannend beschreiben. Und genau das hat die internationale Autorengruppe um die Herausgeber Jonathan Gray, Liliana Bounegru und Lucy Chambers mit dem Data Journalism Handbook getan. Es ist eine Bestandaufnahme über den Datenjournalismus heute, wo er bisher steht und was er leisten kann — weit abseits der Dollarzeichen in den Augen einiger Verleger. Hier schreiben über 60 Praktiker für Praktiker, berichten über ihre Projekte, stellen ihre Werkzeuge vor und würzen das auch noch alles mit vielen Tips, Links und Ausblicken auf die Zukunft.
Mein Exemplar ist schon völlig zerfleddert, so oft habe ich hineingeschaut, mir einige Beispiele angesehen, bin Links gefolgt und manchmal bei der Lektüre auch ins Träumen gekommen.
Die Autorengruppe betrachtet dieses Buch als work in progress. Es steht unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0) und Ihr könnt es natürlich auch online und für umme lesen. Aber egal ob online oder auf Papier: Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung.























Datenjournalismus wird keinen großen Verlag retten, wenn die nicht kapieren, dass Datenjournalismus mit Arbeit verbunden ist und dass Arbeit bezahlt werden muss.
Aber das wird nicht passieren, weil die Gelegenheit längst verpasst wurde. Die Medienkonzentration ist ja nun wirklich nicht mehr wegzuleugnen. Überall wird von »Newsdesks« und »Synergieeffekten« geredet. Also müssten in diesen Zentralen ja nun die besten Datenjournalisten sitzen.
Gleichzeitig wäre Aufklärung über die Daten der Wirtschaft und der Politik so wichtig wie nie. Eigentlich wären das die besten Voraussetzungen für einen Journalismus, der uns aufklärt und den ich auch liebend gern bezahlen würde: Es gibt einen Bedarf und es gibt auch die zentralisierten, vernetzten Datenzentralen.
Aber was geschieht stattdessen? Die Qualität der Zeitungen wird immer schlechter. Die Zeitungen versagen gerade an den Stellen, wo sie Zahlen erklären und ins richtige Verhältnis setzen müssten. Sie drucken lieber irgendwelche Pressemitteilungen ab, anstatt den Zahlen und Fakten nachzugehen. So wird das nichts mit dem Datenjournalismus ;-)