Julia Schramm, ihres Zeichens Beisitzerin im Vorstand der Piratenpartei und die Frau, die »Urheberrecht ekelhaft« findet (aber nur bei anderen), gibt uns den Ochsen. Denn auch sie hat ein Buch geschroben, das den netten Namen »Klick mich« trägt und von der Presse schon gebührend verrissen wurde. Nun hat aber ihr Verlagshaus, der Münchner Knaus Verlag, ihr ein Honorar von (mindestens) 100.000 (T)€uro spendiert und die müssen auf Teufel komm raus wieder reinkommen. Für das Buch, in dem sie auf »Contentmafia« und Kapitalismus schimpft, möchte frau Geld haben: 16,99 Euro kostet die gebundene Ausgabe, 13,99 der Download des E-Books. Doch als dann im Netz Kopien des Buches zum freien Download auftauchten — zusammen mit einem Link auf das Parteiprogramm der Piraten —, waren weder Frau Schramm noch ihr Verlag sonderlich amused. Der schaltete seine Rechtsabteilung ein sorgte dafür, daß das PDF wieder aus dem Netz verschwand. Ich frage mich, für wie lange? Und wie glaubwürdig die Piraten überhaupt noch sind? Und warum mich das an den Tod eines Kritikers erinnert? [Spiegel Online, wegen Leistungsschutzrechtprotest nicht verlinkt.]























Tja, schade, schade aber es hat in letzter Zeit so einige Dinge gegeben, durch die die Piraten ihre Glaubwürdigkeit verloren haben.
Ob man sich von anderen seinen Lebensunterhalt finanzieren lässt, weil man sich zu fein ist, Hartz-IV zu beantragen, wie Millionen andere es leider auch tun müssen.
Ob man mal eben ein neues Notebook (muss aber ein MacBook für 2300€ sein, den günstigere mag man nicht) abgreift, obwohl man selber sehr gut verdient.
Oder ob alles, was man über Datenfreiheit, ekligem geistigen Eigentum oder Freiheit der Information in die Luft bläst, für einen selber natürlich nicht gilt:
Sobald Geld oder gute Posten im Spiel sind, ist es mit dem Idealismus nicht mehr weit her.
Da zeigt sich dann, dass die Piraten genauso gute Schauspieler sind, wie alle anderen auch.
Ich bin übrigens gerade ausgetreten. Ich werde mich nie mehr für irgendeine Partei engagieren.
Ich finde diese Pauschal-Urteile aber auch nicht gut.
Die Piraten sind ein sehr heterogener Haufen und da darf erstmal jeder rein. Ich persönlich finde das gut, denn es ist gerade die aufgezwungene Homogenität in Persönlichkeit und Einstellungen die mich am Politikbetrieb stören.
Julia Schramm war schon immer sehr diskutabel und ich fand ihre Äußerungen und Artikel ziemlich oft schreiend ähm unglücklich. Aber Mehrheitsmeinungen der Piraten hat sie noch nie vertreten. Jedoch kann man ihre Ansichten und Aktionen zumindest diskutieren.
Ich frage mich gerade als Autor, wofür diese Frau mehr als 100.000,-EUR erhält?
Wenn ich mich an meine letzte Honorarrechnung erinnere, habe ich das Gefühl, in einer Parallelwelt zu leben.
Möglicherweise ist sie das bei den Piraten, was ein J. Fischer bei den Grünen war. Jemand, der die Piraten als Mittel sieht, selbst zu profitieren.
SpOn hält es (bewußt?) offen, ob der Verlag aus Eigeninteresse tätig geworden ist, oder ob dies aktiv auf Betreiben Frau Schramms tat.
Erst mal den Ball flach halten, bis dahingehend die Sachlage geklärt ist, oder?!
@Kinch: Frau Schramm ist nicht einfach »nur« Mitglied bei den Piraten, sondern sie sitzt im Bundesvorstand der Partei. Das macht schon einen Unterschied.
@Kinch
Das ist schon richtig. Das Problem ist aber, dass die Piratenpartei sehr großen Wert auf bestimmt Dinge legt.
Und wenn dann prominente Mitglieder gegen exakt diese Dinge verstoßen, ist ein Großteil der Mitglieder sofort dabei, diese zu verteidigen und zu erklären, dass es in dem Fall ja alles ganz anders ist.
Genau das geschieht gerade wieder.
Wenn ein Christian Wulff sich von einem Freund zum Essen einladen lässt, ist das natürlich ein Skandal und er hätte sofort zurücktreten müssen.
Wenn ein Referent der Piratenfraktion mit einem Verdienst von mehreren tausend Euro im Monat sich aber mal eben einen neuen Rechner für 2300€ (günstigere mag er nicht) schenken lässt, dann ist das ja ganz was anderes.
Und wenn ein anderer sich sogar seinen Lebensunterhalt von Parteifreunden finanzieren lässt, weil er keine Lust auf Hartz-IV hat, dann ist das auch absolut in Ordnung.
Aber wehe, die FDP nimmt Spenden von Hoteliers oder Apothekern an oder ein CDU-Politiker nimmt mal jemandem im Dienstwagen mit…
Als sie in eine Führungsposition gewählt wurde, haben die Piraten alles gewusst: Ihr Buchvertrag war bekannt, ihr unbeholfenes Herumreden um das Thema Urheberrecht am eigenen (angekündigten) Buch war bekannt und die Qualität ihrer Texte war auch bekannt. Es kann keiner sagen, er habe nichts gewusst.
was juckt es den ochsen, ob es jupiter frei steht. das ding ist im netz, sowohl im piratenwiki als auch in deren bucht.
wann lernen sie endlich, dass der zug abgefahren ist und die paste nicht mehr zurück in die tube geht?
Vgl. Florian Schröder in Einfach Schröder bei Radio Eins unter dem Titel Piratengeburtstag.
Auch interessant dazu Stellungnahme von Lauer und ARD/ZDF im unsäglichen MoMa, wo mal gerade eben der Mord aus religiösen Motiven an unschuldigen legitimiert wird.
Da habe ich keine Fragen mehr.
Fjunchclick ist ja mal ein ganz besonderes Lasergehirn.
Irgendwas mit halbem Ohr gehört und eine eigene Welt draus gebaut. Hui.
@Jörg: Nur mal der Richtigkeit halber…Sie hat damals in dem Podcast nicht gesagt, dass sie Urheberrecht ekelhaft findet, sondern das der “Kampfbegriff ‘geistiges Eigentum’ ekelhaft” ist. Die Sache mit den Journalistenschulen hast du ja oft genug abgehandelt
[...] kann man u.a. bei: Schockwellenreiter, RP-Online, [...]
Stefan Niggemeier hat das ja alles sehr schön aufgedröselt: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ekelhaft/