Gestern abend Premiere bei Precht: Ich war ja schon skeptisch, nachdem ich das Interview mit Gerald Hüther (Spiegel Online vom 21. August 2012, wegen Leistungsschutzrechtprotest nicht verlinkt) gelesen hatte. Doch es kam noch schlimmer: Schon nach wenigen Minuten wurde wieder der unsägliche Gegensatz zwischen »Wissen« und »Bildung« postuliert. Und wo das Wort »Bildung« fällt, ist das Wort »Herzensbildung« nicht weit. Nachdem es gefallen war, habe ich abgeschaltet. Denn »Herzensbildung« meint doch nur: »Du bist doof, aber niedlich.« Wer so etwas als Erziehungsziel will, zementiert die Klassengegensätze in Bildung und Gesellschaft und ist bei mir unten durch. Ich kann auch ohne neoliberale Schulkritiker weiter meiner Vision von einem »Web des Wissens« (Wissen wohlgemerkt! Nicht Bildung!) nachhängen.
Aber dennoch ein Wort an die Regie: Nehmt nächstens doch bitte einen Kameramann, der sein Handwerk nicht beim Werbefilm gelernt hat. Eine Gesprächsrunde muß weder durch eine zappelnde Kamera, noch durch Close Ups oder ständige harte Schnitte ver(un)ziert werden. Das verursacht höchstens Kopfschmerzen, wenn man dennoch versucht, dem Gespräch zu folgen.























Schöner Artikel. Kann dir aber als Mann vom Fach sagen, dass harte Schnitte mittlerweile überall angesagt sind. Zappelnde Kameras und hektische Close-Ups sind zwar eher schlechten Actionserien zuzuschreiben, harte Schnitte sind allerdings fast überall Standard.
MfG Moe
Ich habe schon auf einem Lehrer-Blog einen Link zu der Sendung in der ZDF-Mediathek gefunden (verbunden mit einem vernichtenden Kommentar) und dachte, als Lehrer muss ich mir das wohl mal anschauen. Allerdings war mir der Stil schon zuwider, während der Moderator noch seinen einleitenden Zwanzig-Fragen-Monolog losließ, ohne dass der geladene Gast die Chance bekam, auch nur eine davon zu beantworten, und die Kameraführung, die sich ständig um die beiden zu drehen schien, tat ihr übriges.
Da ich mal vermute, dass das eine der üblichen Diskussionen war, in denen sich zwei Experten über das Thema Schule unterhalten, die selbst eine solche seit Jahr(zehnt)en nicht von innen gesehen haben, habe ich die 45 Minuten sinnvoller verbracht und nicht weiter geschaut.
Na das ist ja ein ganz hohes Niveau heute. Weder der Blogger, noch die Kommentatoren haben den Beitrag gesehen, sind sich aber einig, dass es nichts gewesen sein kann.
Ich halte die Analyse und die Kritik von Gerald Hüther für durchaus berechtigt. Das unser Schulsystem ein Relikt aus vergangenen Zeiten ist, und lustlose Pflichterfüller produziert, hören heutige Lehrer sicher nicht gern.
Wenn ich aber feststelle, dass Schule es geschafft hat, meinem Kind bereit in der zweiten Klasse die Lust am Lernen so weit auszutreiben, dass jeder Schultag zur Qual wird, dann kann ich Hüther nur zustimmen.
Die aufgeworfene Frage ob es dabei nun um Bildung oder um Wissen geht, bleibt vor diesem Hintergrund doch eine theoretische.
Den Beitrag zu Ende zu schauen wäre sicher nicht quälender gewesen, als das, was vielen unserer Kinder täglich in den Schulen zugemutet wird.
Und ja, es gibt auch andere Schulen, in denen die Kinder traurig sind, wenn Ferien sind. Leider zu wenige.
Michael
Ich habe mich seit Jahren darauf trainiert, sofort wegzuzappen, wenn die Vokabeln “Bildung”, “Schule”, “Hochschule”, “Wissen”, “Lernen”, “Forschung und Lehre”, “Lehrplan”, “Kultus”, “Rechtschreibung” etc. pp. auftauchen.
Besonders heftig zuckt mein Zapp-Finger, wenn sie Substantivkomposita mit “Reform”, “Gipfel”, “Plan”, “Projekt”, “Konferenz”, “Kongreß”, “Initiative”, “Workshop”, “Ministerium” etc. pp. eingehen.
Warum? Weil das todsichere Bullshit-Warnungen sind. (“Achtung, geistiger Dünnschiß!”, “Vorsicht, Gedankenstuhlgang überforderter, aber profilgeiler Politiker-Attrappen!”)
Schade, ich hatte nach dem Abgang des erzreaktionären Duos Slotterdijk/Safranski auf ein Kontrastprogramm gehofft. Mal abwarten, kann ja noch besser werden.
Kontrastprogramm bei Talkshows? Da geht es um Meinungs- und Produktplacement. Und wer am meisten bezahlt bekommt die Show.
Das ist nun bald schon 2 Dekaden so im Deutschen Fernsehen, unabhängig davon, ob ÖR oder nicht.
Ich habe schon beim Hüther Zweifel. Von Esoterik halte ich nichts.
Der Nachfolger von Esowatch kann hier als zusätzliche Info dienen.
Sowohl Hüther als auch Precht sind in meinen Augen polemische Schaumschläger, die sich mit Hilfe extremer Effekthascherei in Szene setzen wollen.
Gerade Precht hätte mal ein vernünftiges Studienfach wählen sollen. In jedem Mathe/Physik Studium sind Leute mit einer solchen Lerneinstellung
schlicht zum Untergang verdammt. Ich habe genug Erfahrung in effektivem Lernen und kann davon ein Lied singen. Natürlich könnte ich auch einfach
Kunstgeschichte/Philosophie/Pädagogik, etc. studieren und fast ohne Lernen durchkommen, aber in jedem mathematisch/naturwissenschaftlichen Fach hat
man sich damit geschnitten. Lernen ist natürlich nur mit Begeisterung möglich, aber die Tatsache Begeisterung für ein von mir selbst gewähltes Fach
zu haben ist für mich nicht der rede Wert, sondern einfach selbstverständlich. Ich spreche hier nicht von Auswendiglernen, was ich ebenfalls für nicht
besonders geistreich halte und auch an keiner Schule in den geschilderten Ausmaßen tun musste, sondern vom Schulen des (logischen/analytischen) Denkvermögens.
Dies ist nun mal nur durch Training möglich und ja es Funktioniert genau wie das Training eines Muskels. Lernen ist geistige Anstrengung und
erzeugt im Extremfall geistigen Schmerz, den man aber auf sich nehmen muss um seine Ziele (nämlich das Verständnis des Faches für das man sich begeistert) zu erreichen.
Jeder der solche Sprüche wie “Lernen macht dumm” von sich gibt, der hat noch nie richtig gelernt.
Am effektivsten lernt man wenn man dazu gezwungen ist (China soll hier mal als Beispiel herhalten), was natürlich weder menschlich noch angenehm ist,
aber ich zwinge mich dennoch selbst dazu, weil ich den Lernstoff verstehen will. Effektiver habe ich noch nie zuvor gelernt! Wenn ich dann solch einen
Schwachsinn wie eingliedriges Schulsystem und gemeinsames Gruppenlernen höre, bekomme ich schon was zu viel. Das kenne ich auch zu Genüge aus meiner
Schulzeit und solche Ideen kommen von eben solchen Schaumschlägern, die als Berater im Ministerium ihren Unfug verzapfen.
Gruppenarbeit: 5 Schüler, einer kann es, woraus folgt: Er lernt nichts neues mehr, da ihn der an den Durchschnitt angepasste Lernstoff bereist langweilt.
Die restlichen Vier freuen sich darüber nichts mehr machen zu müssen, da sie ohnehin keine Lust auf Lernen haben. Die eintönige Fleißarbeit bleibt
schließlich an den Guten hängen. Deshalb: Selektion! Wir brauchen genau diese Erbsensortieranlage, um den Stoff auf die Lernenden anzupassen.
Man muss immer den Lernstoff lernen, der einen fast überfordert, aber dennoch mit anstrengung zu verstehen ist. Hat man ihn verstanden und erlebt
sein Erfolgserlebnis, dann sucht man sich etwas schwierigeres! Das ist effektives Lernen! Nicht der Lehrer kann für die Schüler lernen, sondern die Schüler
müssen für sich lernen. Der Lehrer muss prinzipiell nur die Anforderungen vermitteln und anleiten was gelernt werden soll und Tipps geben wie man lernt.
Lernen kann man am besten alleine! Wenn man etwas erklärt und vorgerechnet bekommt, dann versteht man es fast immer, aber davon kann man es noch lange nicht.
Erst wenn man es ohne Hilfsmittel alleine lösen kann, hat man etwas wirlkich verstanden. Daher üben, üben, üben!
Viele wollen das nicht hören, aber so ist es nun mal. Manche Schüler sind einfach zu faul (auch das kenne ich von mir selbst).
Diese Schüler müssen sich selbst zum Lernen zwingen! Manche können nur schlecht analytisch denken.
Diese Schüler sollen einfach eine andere Schluform (handwerkliche Ausbildung, etc.) wählen und ein Beruf der ihnen liegt ausüben.
Man braucht nicht nur Akademiker, sondern auch Arbeiter! Das klingt hart, aber so ist die Realität.
Wir brauchen Noten und Selektion, sonst ist ein Abschluss eben nichts mehr wert.
Wer das anders sieht, kann auf die Waldorfschule gehen. Schulen sollen qualitativ hochwertig ausgebildete Kräfte liefern,
die in der Wirtschaft gebraucht werden.
Wer rausfliegt und es nicht schafft, wird Arbeiter oder Angestellter.
Wenn es jemand nicht schafft, dann ist er entweder stärker in handwerklichen Tätigkeiten interessiert oder zu faul.
Es sind jedenfalls nicht die Lehrer, die an allem Schuld sind. Ich höre auch immer den Spruch: “Der Lehrer hat es erklärt,
keiner hat es verstanden, also sind wir dumm.” Damit ist man dann schnell fertig und muss nichts mehr tun. Ich entgegne darauf:
“Warum setzt ihr euch dann nicht zu Hause hin und lest die Erklärung des Lehrers erneut durch (Mitschreiben) und rechnet die Aufgabe
anschließend so lange, bis ihr sie selbstständig lösen könnt und verstanden habt.” Das könnte ja Arbeit machen, soll aber helfen!
Mein Fazit: Wir brauchen Leistung und Selektion und wir brauchen mehr Eigenverantwortlichkeit. Die Schüler müssen den Stoff verstehen wollen
und bereit sein Opfer dafür zu bringen. Wer das nicht einsieht ist selbst schuld!