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Internet Macht Dumm

Der ärztliche Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, Manfred Spitzer, hat ein Buch geschroben, in dem er behauptet, daß das Internet dumm mache. Dies hat er sicher mit den in der Medizin üblichen, statistischen Methoden herausgefunden. Daher gehe ich erst einmal davon aus, daß das Gegenteil stimmt.

[Update]: Dabei behauptet eine andere Studie, daß ein Mensch, der viele Facebook-Freunde hat, ein großes Hirn besitze. Kann nicht mal jemand den Medizinern und Sozialwissenschaftlern ihr SPSS wegnehmen? Sie stellen damit nur Unsinn an. [Pressetext.com]

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13 Kommentare

  1. antimon sagt:

    Kommt sicher darauf an was man im Internet macht. Wer für Schule/Uni einfach Sachen kopiert uns sonst nur auf Facebook abhängt (dort keine sinnvollen Gespräche sondern Farmville etc), für diese Leute kann diese Aussage durchaus zutreffen (kann ich mir jedenfalls vorstellen).

    Das ist aber nicht das (ganze) Internet!

  2. um sagt:

    Wie die Erfahrung zeigt, ist dem Vorschlag, die Gültigkeit des Gegenteils anzunehmen, in diesem Fall zuzustimmen. Die zugrundeliegenden Daten hat er wohl durch Kopfrechnen ausgewertet.
    Spitzer ist ein Wichtigtuer, der seine undifferenzierten Ansichten als gesichertes Wissen verkauft.

  3. gerhardq sagt:

    Im Prinzip hat Manfred Spitzer Recht.
    Ich merke das bei mir, Daten, die ich via Internet bekommen kann, speichere ich einfach nicht mehr. Das ist aber ein normaler Vorgang, den ich schon von Büchern her kenne, hier weiß ich den Ort der Information, aber nicht den Inhalt.

    Es verhält sich genauso mit dem Taschenrechner. Ich habe noch mit Rechenschieber und Logarithmentafel gearbeitet. Das hatte den Vorteil, daß man wenigstens erst einmal sein Ergebnis abschätzen mußte. Dadurch entwickelte sich ein Gefühl für Werte. Als der Taschenrechner aufkam, wurden dessen Ergebnisse kritiklos übernommen, egal wie blödsinnig diese waren – man konnte sich schon mal um Zehnerpotenzen irren.

    Ich habe in letzter Zeit gemerkt, daß das Internet viele Informationen nicht oder sehr versteckt enthält. Sobald man anfängt, sich intensiver mit einer Sache zu beschäftigen, gelangt das Internet an seine, bzw. meine Grenzen. Dann muß ich in der Lage sein, mir das Wissen selbst zu erarbeiten.

  4. Karl sagt:

    Spitzer hat schon recht:
    Kinder, Jugendliche und einfache Leute (ich sag das einmal so) macht zuviel Medien-Konsum, auch ggf. Internet-Konsum dumm.
    Es gibt eine Reihe von einschlägigen empirischen Studien, die das belegen.
    Vorallem Unterschicht-Eltern kaufen ihren lieben Kleinen elektronische Kommunikationsgeräte (damit die auch was haben und mit-halten können) und die Kinderlein sind dann nach nächtlichem Fernseh- und Inrternetkonsum nicht mehr recht fit für die Schule und versagen. Etwa bei PISA.
    Seit einigen Semestern, übrigens, müssen meine Studenten ihre Notebooks und Tablets während der Lehrveranstaltung abschalten, weil sie sonst zuviel emailen, spielen oder sich Urlaubsseiten anschauen – und nicht mehr registrieren, was man sagt.
    Das ist die dunkle Seite…

  5. Florian sagt:

    @ Karl: diese empirischen Studien, die das belegen haette ich gerne mal gesehen. Bei allen, die ich bisher zu dem Thema gelesen habe, war ein sehr starker Bias in den Daten, z.B. werden fast ausschliesslich juengere Menschen getestet, und es wird fast nur auf “Spiele” und Social-Networks getestet, aber nicht auf z.B. “Recherche” oder “Arbeit” im Internet.
    Bei der Diskussion wird sehr viel durcheinander geschmissen: Facebook, Unterschichtenkinder, Killerspiele, alles wird zusammengepantscht…

    Warum lassen sie ihre Studenten nicht die Laptops benutzen? Woher wollen sie denn wissen, dass ALLE studenten Emailen und Zockken waehrend der Vorlesung? Ich kann den Laptop doch auch zum mitschreiben und Notizen-machen verwenden.
    Der Punkt ist, dass es die Wahl jedes einzelnen ist, wie er einen Laptop oder ein Sozial-Network verwendet. Die Technologie dann aber kategorisch fuer alle einfach zu verbieten ist IMHO Quatsch.
    Ich habe vor der Laptop-Aera mein Studium begonnen, und glauben sie mir, viele meiner Komilitonen konnten sich sehr gut ohne digitale Geraete von der Vorlesung ablenken…

  6. Jörg Kantel sagt:

    @Karl: Wenn unsere Studenten uns in der Vorlesung nicht zuhören, dann sind vielleicht unsere Vorlesungen langweilig?

  7. Karl sagt:

    @florian
    wenn man herumgeht und von hinten sieht, was sie gerade machen, merkt man schnell was los ist. Und wenn man drüber redet, sagen sie es einem ja auch…
    @jörg
    das Argument kenne ich – ich finde aber, man muß nicht besser sein wollen, als die Videokultur, der Vortragende als Entertainer oder Kabarettist, das kann es wohl auch nicht sein…
    [zweiter Versuch...]

  8. [...] Der ärztliche Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, Manfred Spitzer, hat ein Buch geschrieben, in dem er behauptet, daß das Internet dumm mache. Dies hat er sicher mit den in der Medizin üblichen, statistischen Methoden herausgefunden. Daher gehe ich erst einmal davon aus, daß das Gegenteil stimmt.  [...]

  9. um sagt:

    Hoffentlich hat jetzt niemand Zweifel an der Arbeit der ganzen Klinik, welcher Spitzer vorsteht. Man könnte ja auf den Gedanken kommen, dass dort stets auf der Basis derartiger wissenschaftlicher Erkenntnisse gearbeitet wird.

  10. Jörg Kantel sagt:

    @Karl: Aus dieser Argumentation spricht die gleiche, konservative und kulturpessimistische Grundhaltung, wie aus dem Buch Spitzers. Und sie ist auch noch geschichtslos. Beispiele? Hegel mußte sehr wohl »Entertainer« sein, um Studenten heranzuziehen (er wurde nach Höreranzahl bezahlt) und er genoß das auch. Du Bois-Raimonds Studenten wurden mit spektakulären Experimenten »unterhalten« und sie durften nach der Vorlesung eine Art Kuriositätenkabinett besuchen. Und die Lehre hat sicher nicht darunter gelitten, daß sie unterhaltsam war. Mein Analysis- und Numeriklehrer an der FU Berlin zog immer eine regelrechte »Show« ab, um seine Studenten von der Schönheit der Mathematik zu überzeugen und sie zu begeistern. Legendär sind in Berlin auch die Kapital-Vorlesungen von W.F. Haug, der zu Beginn seiner Vorlesungen aus dem Stegreif immer das aktuelle Flugblatt der Marxistischen Gruppen gegen ihn oder — falls gerade keines vorhanden war — den Wirtschaftsteil der aktuellen FAZ lustvoll und unterhaltsam zerpflückte.

    Ich hatte natürlich auch — seltsamerweise meist eher in den Geisteswissenschaften — Professoren, die lustlos und mit monotoner Stimme ein vorbereitetes Blatt Papier ablasen. Da war ich — auch ohne Laptop (denn es damals ja noch gar nicht gab ) — um jeden Anreiz der Ablenkung dankbar. Und ich hatte mir geschworen, nie solch öde Vorlesungen abzuliefern und die Schuld, wenn Studenten abgelenkt sind, nie bei diesen zu suchen.

    Es gibt übrigens eine materialreiche (und unterhaltsame) Arbeit (Barbara Maria Stafford: Artful Science. Enlightenment Entertainment and the Eclipse of Visual Education, MIT Press, 1994; dt.: Kunstvolle Wissenschaft. Aufklärung, Unterhaltung und Niedergang der visuellen Bildung, Amsterdam, Dresden (Verlag der Kunst) 1998), die die Wechselbeziehungen zwischen Unterhaltung und »Ordnung« in der Bildung vom Barock bis zum Ende des 19. Jahrhunderts untersucht. Sei allen, die in jedem Versuch, die Lehre unterhaltsam zu gestalten, den Untergang des Abendlandes sehen, zur Lektüre empfohlen.

  11. Roland B. sagt:

    Ich finde es erschreckend, wenn jemand Studenten wie kleine Kinder behandelt, denen er Geräte verbietet. Wenn sie sich nicht für die Vorlesung interessieren, fallen sie halt durch die Prüfungen, und? Gleich noch Stift und Papier verbieten, damit zeichnen sie sicher zu viele Strichmännchen, und außerdem soll ja das Gedächtnis geschult werden.

  12. Karl sagt:

    @jörg
    Jörg, Du brauchst Dir keine Sorgen um meine Studenten zu machen,
    sie sind schon zufrieden. Da kommt schon genug Heterodoxes an, wenn
    sich alle ersteinmal darauf einlassen.
    @Roland
    …übrigens auch damit, daß wir auf die Notebook-Ablenkung verzichten.
    Du möchtest ja auch nicht bei einem Gottesdienst (?) oder ruhigem Konzert
    von Handy-Bla-Bla dauernd gestört werden. Stimmts?
    Und es geht einfach nicht an, daß die Elfjährigen, wenn ihnen Deutsch zu fad wird, unter der Bank sich You Tube-Videos hineinziehen, da alles Übrige so urfad ist.
    Das sind ja oft schon kaputte Erscheinungen: Du redest mit jemandendem und nach 2 Minuten zieht er/sie mit glasigem Blick das Smartphone – Hübsch nicht wahr…?

  13. Huhu sagt:

    Einst publizierte Spitzer, der selber stolz sagte, er besitze keinen Fernseher, daß Fernsehen uns alle binnen vergleichweise kurzer Frist verdummen würde. Siehe sein Buch zum Thema.

    Daraus folgt: Alter Wein in neuen Schläuchen. Derlei ist halt medienwirksam.

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