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Gewalt siegt oder: Wie die Generali-Versicherung den Neonazis hilft

Das Anton-Schmaus-Haus der Kinder- und Jugendorganisation »Die Falken« in Berlin-Britz wurde im vergangenen Jahr zweimal von Neonazis in Brand gesetzt, der Schaden belief sich auf 400.000 Euro. Die Jugendlichen sammeln nun Geld für einen Zaun (als Bollwerk gegen Nazis), der das Haus vor weiteren Brandanschlägen schützen soll. Daß der Staat nicht in der Lage ist, die Kinder- und Jugendlichen vor den Neonazis zu schützen, ist schon schlimm genug, doch nun hat die Generali-Versicherung den Falken auch noch zum Jahresende gekündigt, wie sie dem Berliner Tagesspiegel mitteilte:

Die zwei Brandstiftungsschäden im Abstand von nur fünf Monaten, bei denen die Täter nicht gefaßt worden sind, bergen ein nicht kalkulierbares Risiko weiterer ähnlicher Schäden.

Das ist geradezu eine Ermunterung an die Nazibanden, das Haus erneut anzuzünden, denn dann wäre die Kinder- und Jugendarbeit der Falken in Britz-Süd endgültig am Ende. Und alle, die eine Versicherung bei der Generali haben, sollten sich überlegen, ob diese nicht zu kündigen sei. Denn was nützt einem eine Versicherung, die vor rechtsradikalen Brandstiftern den Schwanz einzieht? [Tagesspiegel, wegen Leistungsschutzrechtprotest nicht verlinkt.]

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10 Kommentare

  1. Robert Sander sagt:

    Jetzt kommt der Grammar-Nazi und fragt, ob Du beim Schreiben an Willi Brandt gedacht hast. ;)

  2. Jörg Kantel sagt:

    Oops! Ich sollte doch lieber beim Copy&Paste-Bloggen bleiben. ;) Korrigiert. Danke!

  3. Nico sagt:

    ich vermute mal, dass das noch eine Versicherung ist, die mit der guten alten Volksfürsorge abgeschlossen wurde, also einem gemeinwirtschaftlich orientierten Unternehmen der Gewerkschaften. das würde es doppelt bitter machen. :(

  4. “Sich engagieren birgt ein nicht kalkulierbares Risiko zur Zielscheibe hirnloser Deppen zu werden, die “Ilias” für einen faulen Arbeitsverweigerer halten. Deswegen raten wir dazu, lieber daheim auf dem Sofa zu bleiben und sich durch ProSiebenRTLSat1 bilden zu lassen. Denn Bildung schadet nie.”

    Das Verhalten der Generali ist der endgültige Todesstoß für jeden noch so kleinen “Aufstand der Anständigen”. Engagement wird bestraft, dummes Draufkloppen belohnt. Meinen größten Respekt für die Falken, dass sie _trotz_ zweier Anschläge weitermachen!

  5. Celine sagt:

    verstehe nicht warum es das Problem der Versicherung sein soll, dass der Staat nicht in der Lage ist seine Bürger zu schützen.
    Ganz im Gegenteil, so passiert vielleicht mal etwas, denn sonst, sagen sich die zuständigen Politiker womöglich nur: Macht nix, die Versicherung zahlt ja.

  6. Ich verstehe nicht, warum es der Schaden der Falken sein soll, wenn sie sich gegen Dummheit engagieren und dafür in Brand gesteckt werden. Natürlich ist es Aufgabe des Staates, die Bürger zu schützen, aber in vielen Fällen geht es halt leider nicht so einfach. Deswegen haben sich ja (privatewirtschaftliche!) Versicherungen firmiert, die gegen eventuelle Schäden, die nicht vermieden wurden, absichern. Dafür lassen sie sich bezahlen. Aber sobald tatsächlich ein Versicherungsfall auftritt, wollen sie den Versicherten mit fadenscheinigen Begründungen loswerden. So, wie in diesem Fall.

    Wenn es ein “besonderes, unkalkulierbares” Risiko werden sollte, sich gegen Rechts zu positionieren, wieso ermitteln wir dann eigentlich gegen die NSU Täter anstatt ihnen gleich dem Schlüssel zu Regierung zu übergeben? Da engagiert sich jemand privat und betreibt Aufklärung, soll dann aber auf dem mutwillig herbiegeführten Sachschaden sitzenbleiben? An der Stelle vernachlässigt für mich die Versicherung ihre gesellschaftliche Aufgabe. Und das ist eindeutig das Problem der Versicherung.

  7. Manfred sagt:

    Eine Versicherung ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen und kalkuliert in der Regel auch so. Deshalb schreiben die in die Bedingungen auch rein, dass bei einer entsprechenden Anzahl von Schadensfällen innerhalb einer bestimmten Zeit ihnen ein Sonderkündigungsrecht zukommt. Das ist nicht nur bei der Generali so, sondern bei allen Versicherungen, die ich kenne und auch nicht nur auf Brandschäden begrenzt.

    Nicht dass ich das Verhalten gut finden würde, aber so ist nun mal die aktuelle Rechtslage.

    Wirst du dreimal innnerhalb eines Jahres von deinem Nachbarn, auch unrechtmäßig, verklagt, kündigt dir deine Rechtsschutzversicherung den Vertrag…

    Sinnvoll wäre es jetzt für die Falken, den Vertrag selber zu kündigen und eine neue Versicherung abzuschliessen, bevor die Kündigung der Generali rechtskräftig wird. Denn dann bekommen sie problemlos eine neue Versicherung. Sobald die Kündigung der Versicherung aber rechtskräftig wird, werden die Falken keine neue Versicherung bekommen.

    Ganz von dem versicherungstechnischen Hickhack abgesehen ist es ein Trauerspiel, dass sich die Täter bislang nicht ermitteln ließen. Wahrscheinlich wird gegen die Linken in Sachsen wegen der Anschläge ermittelt. Wäre ja nicht das erste Mal, dass man seitens der Ermittlungsbehörden eine Brille auf hat.

    Was die Falken angeht, so kann ich nur sagen, spendet, damit sie entsprechende Sicherungsmaßnahmen ergreifen können, da der Staat nicht in der Lage ist, wie in Artikel 2 Absatz 2 des GG vorgegeben die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.

  8. Nur weil sie entsprechende Klausel haben heiß dass nicht, dass sie sie anwenden müssen. Es sind _kann_-Klauseln. Den Falken nicht zu kündigen wäre ein politisches Statement gegen Rechts gewesen; ihnen zu kündigen bedeutet, dem rechten Terror nachgaben. Damit hat die Gewalt dann auch ihr Ziel erreicht: Der politische Gegner ist derart eingeschüchtert, dass er de facto mundtot ist.

    Angeblich sind wir ja in diesem Land alle gegen Nazis, solange es reicht, nur zu sagen, dass man dagegen ist. Für Freiheit, Demokratie und allgemeine Menschenrechte einzustehen, wenn es mehr als ein Lippenbekenntnis erfordert, scheint zuviel verlang zu sein.

    Das Verhalten der Generali ist rechtens, das habe ich nie bestritten. Was ich bestreite ist, dass es ein richtiges gesellschaftliches Zeichen wäre, was sie damit abgeben. Dies ist es, was ich kritisiere.

  9. [...] diskutiere mal wieder fleißig mit bei diesem Post des Schockwellenreiters Jörg Kantel. Und weil mich die Sache so mordsmäßig aufregt, gebe ich auch hier mal meinen Senf [...]

  10. Wenn Nazis im Anmarsch sind, lassen einen leider alle im Stich: Versicherungen, Chefs, Auftraggeber. Sagen aber noch “das ist kein Nazi”, damit ihnen keiner was kann und auch die Nazis bei Laune gehalten werden. Macht die Generali sicher auch noch. :-(

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