Der Schockwellenreiter Rotating Header Image

Die Schufa und das Herrschaftswissen

  


Zum heutigen Aufreger über die Schufa und ihrer großspurigen Ankündigung, mithilfe des Hasso-Plattner-Institus die Daten aus den sozialen Netzen wie Facebook zu analysieren und daraus auf die Kreditwürdigkeit der einzelnen Personen zu schließen, spricht Kristian Köhntopp etwas aus, was auch mir schon den ganzen Tag durch den Kopf ging: Eigentlich ist das trivial, es wird nur Herrschaftswissen durch das Brimborium, daß Schufa und HPI drumherum veranstalten. Nehme ich nur diese beiden Bücher aus meinem Lieblingscomputerbuchverlag, nämlich Kollektive Intelligenz (Besprechung hier) und Mining the Social Web: Analyzing Data from Facebook, Twitter, LinkedIn, and Other Social Media Sites (Besprechung hier) und einen Studenten, der halbwegs ein wenig mit Skriptsprachen umgehen kann und ein wenig Verständnis für Statistik zeigt (ungefähr in dem Umfang, den einem das Buch Data Analysis with Open Source Tools (Besprechung ebenfalls hier) beibringt) — wo liegt dann das Problem? Die Daten sind da, die Werkzeuge ebenfalls und rocket science ist das Daten klau(b)en, zusammenführen und analysieren nun wirklich nicht …

Natürlich ändert das nichts an der Tatsache, daß das Ansinnen der Schufa unmoralisch ist. Wehren kann man sich dagegen aber vermutlich nur, indem man weiß, wie so etwas vonstatten geht, welche Werkzeuge dafür eingesetzt werden und welche Daten die Datenkraken interessieren. Wenn man sozusagen das (vermeintliche) Herrschaftswissen kollektiviert, der Allgemeinheit zugänglich macht. Denn nur so kann man sich schützen. Dafür braucht man nicht mehr als ein minimales Verständnis von Datenanalyse und Programmierung. Daher gilt auch hier: Lernt Programmieren, sonst werdet Ihr programmiert! [iX via Twitter/Fratzebuch.]

Teilen:
  • Facebook
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • PDF
  • RSS
  • Technorati
  • email
  • Wikio
  • Digg
  • Identi.ca
  • MisterWong.DE
  • Posterous
  • Twitter
  • Print
  • Yigg
  • LinkedIn
  • FriendFeed
  • Tumblr

12 Kommentare

  1. analogMensch sagt:

    Was ein Zufall, dass gerade heute der Termin ist, an dem ich wieder einmal bei der Schufa meine Daten anfrage. Mal sehen, was in einem Jahr dann in den Quellen steht!

  2. JUB sagt:

    Es gibt natürlich noch eine viel einfachere Methode sich zu schützen: Wenn Fratzebuch und Co. nichts von mir wissen, kann die Schufa lange in den Daten suchen.
    Dafür wäre nichteinmal Verständnis von Datenanalyse und Programmierung erforderlich.
    Wer sein Leben in die digitale Welt hinausposaunt, muss sich nicht wundern oder gar darüber aufregen, wenn sich tatsächlich jemand dafür interessiert!

  3. renn-humster sagt:

    Wieso sollen alle Programmieren lernen? Was für eine absurde Aufforderung? Wie wäre es mit: lernt alle ohne Internet und Handies zu leben? Oder: lernt alle mit Papier und Stift zu schreiben? Vor allem: wer keinen Fratzenbuch Account hat, kein Handy, keine Kreditkarte, ist das nicht ein beneidenswerter Mensch?

  4. Jörg Kantel sagt:

    @JUB und @renn-humster: Man kann natürlich auch im Kloster ohne irgendeine Verbindung zur Außenwelt leben. Aber das ist dann auch völlig spaßfrei (ich spreche hier nur für mich — andere genießen vielleich das kontemplative Leben, aber ichglaube nicht, daß es viele sind).

  5. dieter sagt:

    GEMA, Bezirksschornsteinfeger, Sicherheitsverwahrung, Schufa, melden, befehlen, gehorchen … whouw, wir Deutsche sind einfach grossartig … und morgen spielt Lukas Podolski in der Ukraine und es ist “nicht sein Ding” das die Ukraine ein Unrechtsstaat ist. Dem hat keiner widersprochen. Das zur Moral! Klasse!

  6. Och, Jörg, gerade Du als alter Kirchenkritiker solltest doch zur Genüge wissen, wieviel Spaß hinter dicken Klostermauern hausen kann. ;->

    Das mönchische Leben überlasse ich hier auch lieber meinem Alter Ego (zu dessen Epoche der Zölibat nur eine Empfehlung eines misogynen Kirchenlehrers war und so manches Mœnchlin weltliche Beziehungen pflegte), komme aber trotzdem hervorragend ohne Faxenbuch, Twitter und sonstigen Krampf aus; die Datenkraken werden da also nix finden.

    Programmieren kann ich aber trotzdem. ;-)

  7. [...] – Der Big Bang der Netzpolitik. (Markus Besckedahl) Aufreger: Jörg Kantel über "Die Schufa und das Herrschaftswissen". Und: Politiker lehnen Forschungsprojekt der Schufa ab. (heise) Asylbunker: Anfang 2012 erhielt [...]

  8. JUB sagt:

    @Jörg: Ich lebe natürlich weder im Kloster noch habe ich keine Verbindung zur Aussenwelt. Und spaßfrei lebe ich mit Sicherheit auch nicht.
    Aber ich mache mir nunmal Gedanken darüber, welche Informationen über mich in die digitale Welt gelangen. Und genau das tun viel zu viele Menschen eben nicht!!!
    Es ist wichtiger sich vorher zu überlegen, was man bereit ist von sich preiszugeben, als im Anschluss zu versuchen mit technischen Mitteln dagegen anzugehen. Mir fehlt hier das Bewusstsein der breiten Masse für die Sensibilität ihrer Daten. Wenn der Aufschrei dann kommt ist es schon zu spät.

    Natürlich billige ich das Ansinnen der Schufa nicht (…vom Fratzebuch ganz zu schweigen; deshalb halte ich mich da fern)! Letzendlich ist es jedoch ihr Geschäft und damit durchaus legitim. Es ist doch blauäugig davon auszugehen, dass solche üppigen Informationsquellen wie Social Networks nicht abgeschöpft werden.
    Die Welt ist nunmal schlecht, f******k is evil – das ist keine neue Erkenntnis. ….mal ganz davon abgesehen, dass viele inzwischen vegessen haben, dass es eine Welt ausserhalb vom “f” gibt.

  9. fero sagt:

    Ich finde die Aufgregung auch ein bisschen albern.

    Ich bin aber sowohl von der Schufa als auch vom HPI hier ein bisschen enttäuscht. Was soll da technisch groß passieren? Für 200000? Da werden 2-3 Hiwis ran gesetzt.. mehr lässt sich mit sowas ja auch garnicht finanzieren.

    Enttäuscht bin ich weil man da wirklich mehr hätte draus machen können, die Schufa hätte hier auch Sozial- und Geisteswissenschaftler ranlassen sollen und damit einen Diskurs lostreten können der sicher sowohl für sie selbst als auch für die Gesellschaft gewinnbringender gewesen wäre.

    Und das HPI; warum machen die das? Wegen der Kohle doch sicher nicht. Wegen des zu erwartenden Prestiges??? Schwer vorstellbar.

    Und die Aufregung? Versteh ich nicht, FB ist ein Datentrog. Dafür ist es da. Informationen werden genutzt, warum sollten sie nicht?
    Wer privat kommunizieren will nutzt was anderes, oder?
    Das ist nicht schön und moralisch nicht sauber, aber wenn ich mein Geld auf die Straße werfe darf ich mich auch nicht beschweren wenn es jmd mitnimmt.

  10. [...] gestoppt: Das Facebook-Projekt der Schufa (wir berichteten hier und hier) ist nach der massiven Kritik von Politikern und Datenschützern abgesagt worden. Das [...]

  11. Bruno sagt:

    Programmieren können und die Grundlagen von Data Mining zu verstehen hilft leider nur bedingt bei Problemen mit der Schufa. Ich habe das alles im Studium gelernt und weiß was mit mir passiert.

    Nur ändern kann ich es mit dem Wissen nicht:
    http://yrrsinn.de/2012/06/08/das_vertrauen_der_schufa_in_ihr_eigenes_produkt/

Einen Kommentar verfassen

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, daß der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluß aktuell zugewiesen ist, von mir im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder sonst weitergegeben.