Jeder vierte Niedriglöhner in Deutschland (das sind fast 900.000 Vollzeitbeschäftigte) arbeitet laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wöchentlich 50 Stunden oder mehr um überhaupt über die Runden zu kommen. Dabei schreibt der Gesetzgeber — wegen des unbestrittenen gesundheitlichen Risikos — vor, daß die wöchentliche Arbeitszeit im Durchschnitt nicht länger als 48 Stunden sein darf. Doch diese Schutz-Vorschrift wird offenbar vielfach ignoriert und der Staat sieht diesem gesetzwidrigen Treiben der Wirtschaftsbosse tatenlos zu. Hauptsache, die Profite stimmen, Die Folgekosten übernimmt ja klaglos der Steuerzahler — weil nur so Kapitalismus funktioniert. Und nicht vergessen: Auch das ist eine Folge der von den Spezialdemokraten und den grüngetünchten Neoliberalen initiierten Agenda 2010. [Spiegel Offline, Berliner Zeitung]























50 Stunden und mehr sind leider nicht nur bei den Billiglöhnern Usus, sondern auch in vielen anderen Branchen, z.B. der IT. Bringen tut das keinem was, da man am Tag nach einer durchprogrammierten Nacht bekanntlich zuerst mal den ganzen Mist wieder löschen muss, den man übermüdet produziert hat, aber wen kratzt das schon … Wir müssen echt mal von dieser typische amerikanischen Sichtweise weg, derzufolge die vereinbarte Arbeitszeit laut Vertrag nur ein Minimum darstellt, die zu überschreiten das Kennzeichen eines guten Arbeitnehmers ist.
Jaja, ich weiß – das ist eine andere Sache als die bewusste Ausbeutung von Leuten, die sich nicht wehren können und keine andere Wahl haben. Wenn man aber die Erkenntnis, dass Höchstarbeitszeiten aus gutem Grund existieren, in die Köpfe aller Leute bringen könnte, wäre damit beiden Gruppen und letztendlich der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit geholfen.
Den meisten Arbeitgeber fehlt die Fähigkeit, Arbeit von Leistung zu unterscheiden. Sie haben Angst, daß der Arbeitnehmer zu wenig für sein Geld arbeitet. Ich finde es immer wieder lachhaft, wenn ich sehe, daß Menschen nach Stunden bezahlt werden. Sie sollten nach Ergebnissen bezahlt werden und nicht nach Anwesenheit.
Laut einer uralten Studie von Kellogs aus den Zwanzigern arbeiten Menschen bei 6 Stunden am Tag am effektivsten. Die Unfall- und Fehlerrate ist am geringsten und die Motivation am höchsten. Kellogs hatte daher für seine Frauen bis Anfang der Fünfziger diese 6-Stunden Tage bei vollem Lohnausgleich. Erst mit den Fünfzigern setzte sich dann wieder der Anwesenheitswahn durch, d.h. je mehr Stunden man am Tag knüppelte, desto höher das soziale Ansehen.
Ich selbst habe in der Regel eine Hochleistungskonzentrationsphase von etwa vier Stunden. Danach fällt meine Leistung rapide ab. Nachts lohnt es sich kaum zu arbeiten, da die Fehlerquote expontial steigt. Wenn ich nachts um 2 Uhr programmiere, kann ich genauso gut besoffen programmieren.
Wer Menschen nach Anwesenheit bezahlt ist meiner Ansicht nach faul und dumm. Zu faul sich eine vernünftige, leistungsbezogen Entlohnung auszudenken und zu dumm, zu begreifen, daß Menschen sich in ihrer Leistungsfähigkeit dramatisch unterscheiden.