[Vorbemerkung]: Ein Freund von mir, ein erfahrener Entwicklungshelfer, der schon seit Jahrzehnten in Afrika lebt, aber auch schon in den diversen Krisengebieten Asiens für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet hat, ist im letzten Jahr in den Sudan gegangen. Erst nach Khartoum, später soll es in den Südsudan gehen, wo er beim Aufbau des neuen Staates helfen soll. Ich fand das spannend und hatte ihn bei seinem letzten Deutschlandbesuch gefragt, ob er nicht für den Schockwellenreiter regelmäßige Berichte schreiben möchte. Erfreulicherweise hatte er zugesagt. Heute sein fünfter Bericht, diesmal von seinem ersten Aufenthalt in Juba, der Hauptstadt des neuen Staates Südsudan.
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| Blick auf den Nil in Juba |
Ende Februar 2012 mußte ich beruflich nach Juba, der derzeitigen Hauptstadt des Südsudan, fliegen. Wir haben dort ein ÖRK- (Österreichisches Rotes Kreuz) Projekte und ein über die EU gefördertes Projekt, deren finanzielle Abläufe ich zu klären hatte.
Eigentlich buchen wir solche Flüge über UNHAS (United Nation Humanitarian Air Service), die einen Flugbetrieb für Hilfsorganisationen unterhält, aber durch die Trennung zwischen Nord- und Südsudan hat man Probleme die entsprechenden Verträge zu bekommen. Also entschloß ich mich, mit Marsland zu fliegen, einer privaten sudanesischen Airline mit 5 Flugzeugen, darunter eine Boeing 737-500 mit etwa 100 Plätzen, die zwischen Khartoum und Juba verkehrt.
Für Flüge nach Juba gibt es ein eigenes Terminal am Airport Khartoum, vor dem schon ein erhebliches Chaos herrschte. Menschen drängten sich mit Hausrat, Möbeln, und TV-Geräten vor dem etwa 90 cm breiten Eingang zum zum Check-in, Darüber hinaus gab es Gegenverkehr von Leuten, die das Terminal verlassen wollten.
Als ich es endlich geschafft hatte, mich durch den Eingang zu zwängen, machte man mich darauf aufmerksam, daß das Fließband für das Gepäck irgendwo dort rechts sei. Angesichts der Tatsache, daß offensichtlich viele Sudanesen mindestens 1.80 Meter groß sind, war es schwierig mit meiner Körpergröße von 1,75 Metern dies zu erkennen. Aber schließlich fand ich es. Alles drängte sich um das Fließband und von hinten wurden über die Köpfe hinweg Gepäckstücke herübergereicht. Es herrschte ein heilloses Durcheinander. »So stellt man sich in Europa in etwa eine Bananenrepublik irgendwo in Afrika vor«, kam es mir in den Kopf.
Wahrscheinlich sah ich ziemlich überfordert aus, also half mir jemand vom Airport Service. Er brachte mich zur Zahlstelle, wo ich meine Airport Tax von 20 SDG bezahlen konnte und anschließend zum Security Check. Nachdem ich endlich eingecheckt habe, sah er aus als erwarte er eine kleine Bezahlung. Allerdings wurde er in diesem Moment von Airport Security fixiert. Also sah er von seinem Vorhaben sofort ab und entfernte sich rasch. Ich hätte ihm sogar einige SDG gegeben, da ich zum ersten mal nach Juba flog und er sehr hilfreich war, denn nach einer halben Stunde war ich durch.
Daß ich anschließend noch mein Geld und meine Papiere hatte, grenzt fast schon an ein Wunder, aber gestohlen wird hier offensichtlich selten etwas. Außer einer Kollegin, der am Fließband ihr Laptop abhanden gekommen war. Sie konnte gerade noch sehen, wie jemand damit wegrannte.
Anschließend erwartete mich eine freudlose Wartehalle mit weiß getünchte Wänden, d.h. die waren vor Urzeiten offensichtlich einmal weiß.
Letztendlich ist aber zu bemerken, daß zwar sehr wenig ist organisiert ist, aber es funktioniert trotzdem.
Laut Ticket sollte der Flug um 7:00 Uhr sein, abgeflogen sind wir aber schon um 6:20 Uhr. Gut, daß ich um 5:00 Uhr am Airport war. Das Einsteigen dauerte etwas, da einige Passagiere offensichtlich Probleme hatten, ihre 20 Kilo Handgepäck zu verstauen. Auf den Boarding Cards wird übrigens kein Sitzplatz angegeben, also suchte ich mir selber einen Platz. Dies hatte aber auch zur Folge, daß die ersten Passagiere sich ihre Plätze vorn suchten, anstatt erst einmal nach hinten durchzugehen, was wiederum zu Verzögerungen führte.
Beim Anflug auf Juba fällt einem sofort auf, daß man die Wüste hinter sich gelassen hat. Alles ist grün und man befindet sich im afrikanischen Busch.
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| Juba International Airport |
Der »Internationale Flughafen« in Juba sieht weniger danach aus, eher wie ein kleiner Provinz-Airport, der mich eher an Kunduz/Afghanistan erinnerte. Aber man baut gerade an einem neuen Airport. Dort erhielt ich mein Visum für stolze 100 USD und mußte dann auf meinen Koffer warten. Dies dauerte etwas, da es kein Fließband gab. Alles war Handarbeiten. Nach einer Weile kam ein Traktor mit Hänger und brachte Gepäckstücke, meinen Koffer erhielt ich mit der zweiten Lieferung. Die Gepäckstücke wurden dann abgeladen und jeder suchte sich seine Sachen heraus. Vom Klodeckel bis zu kleinen Möbeln war fast alles vorhanden.
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| Container-Hotel |
Am Flughafen wurde ich von einem Fahrer abgeholt, der mich ins Hotel brachte. Der Airport liegt etwa 2 km vom Stadtkern Juba entfernt. Das Shalom Hotel, das für mich gebucht war, besteht aus einer Reihe von Wohncontainers, spartanisch eingerichtet, aber mit AC, Bad (mit kaltem Wasser), Wireless Internet und kleinem Kühlschrank auf dem Zimmer, zum Preis von 150 USD/Tag.
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| Straße in Juba |
Am nächsten Tag wurde ich abgeholt und ins Office gebrachte. Dort befinden sich neben dem Headquarter vom SSRCS alle anderen Rot Kreuz Organisationen und IFRC (International Federation of Red Cross and Red Crescend). Ich merkte gleich, daß die Arbeitsathmosphäre dort weitaus besser war als in Khartoum. Die lokalen Kollegen sind hilfsbereit und es geht vieles schneller als im Norden.
| Alter Panzer |
Allerdings leiden alle unter den Sicherheitsproblemen des Landes. Vor allem im Norden kommt es immer wieder zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Schuld zu.
Zu beiden Seiten der Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan sind Camps entstanden von Menschen, die entweder vom Norden in den Südsudan unterwegs sind oder umgekehrt. Die Bedingungen dort sind problematisch wegen fehlender Wasserversorgung und fehlenden sanitären Anlagen und je länger der Zustand dauert, umso unzufriedener werden die Leute, verständlicherweise. Der Transport in beide Richtungen gerät immer wieder ins Stocken. Dies wird sicherlich noch zu Problemen führen, wenn man dort nicht bald Abhilfe schafft.
In Juba residieren derzeit sehr viele internationale Organisationen, die die Stadt kaum aufnehmen kann. Die Straßen sind voller Geländewagen und überall kommt es zu Staus. Nur die Hauptstraßen sind asphaltiert, alle Nebenstraßen sind »Dirtroads«, in einem sehr schlechten Zustand.
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| Wassertankwagen |
Außerdem gibt es kaum Infrastruktur, was die Versorgung anbelangt. Es gibt weder Abwasser- noch Wasserleitungen. Die Versorgung geschieht über unzählige Tanklaster, die den ganzen Tag unterwegs sind, um die Wassertanks der Hotels und Häuser aufzufüllen.
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| Juba: Straßenleben |
Juba ist teuer! Mein Kollege Jacques benötigt etwa 1.000 EUR/monatlich für seinen Lebensunterhalt (ohne Wohnungskosten, die vom ÖRK übernommen werden, stolze 1.500 USD/Monat für ein kleines Zimmer mit Bad). Das Angebot ist spärlich und teuer. Wenn man bedenkt, daß der Südsudan Erdölvorkommen hat, wundern einen die hohen Benzin- und Dieselpreise (etwa europäisches Niveau). Dies liegt aber daran, daß es im Süden keine Raffinerie gibt und alles importiert wird. Im Moment kann kein Öl gefördert werden, da es immer noch Streitereien mit dem Norden gibt (die zuviel Geld für die Nutzung der Pipeline fordern) und die Pipeline durch Kenya noch nicht fertig ist. Dazu kommt noch die Tatsache, daß bedingt durch den langen Krieg mit dem Norden, im Lande selbst fast nichts produziert wird, was exportfähig wäre. Dies hat zur Folge, daß es zu Devisenmangel kommt, was wiederum den dortigen Schwarzmarkt anheizt.
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| Hotelzimmer für 150 US-$/Tag |
Die letzten 2 Tage habe ich im Rainbow Hotel gewohnt, da es etwas näher zum Office war. Ebenfalls mit 150 USD überteuert, denn es gab nur tropfendes kaltes Wasser und deshalb hat man offensichtlich gleich auf die Handtücher verzichtet.
Bei dem Preisniveau im Südsudan ist Hilfe sehr problematisch, da sehr viel Geld für Unterkunft und Lebensunterhalt ausgegeben wird. Man kann durchaus davon ausgehen, daß sich dabei einige Leute »goldene Nasen« verdienen und die Kluft zwischen arm und reich droht immer größer zu werden, was in Zukunft wieder ein neuer Konfliktherd werden könnte. [Günther Krone]






























Interessant! Die Unterkunftspreise sind ja der Hammer … man hat den Eindruck, die FDP sei schon da.
Btw: Das Hotelzimmer für 150 US-$/Tag ist doppelt, auch wenn es beim ersten Mal Straße in Juba heißt.
Oops! Der Fluch von Copy & Paste. Das passiert, wenn man kurz vor dem Mittagessen noch unbedingt veröffentlichen will. Korrigiert! Danke!
[...] Dort befinden sich auch Rückkehrercamps von Umsiedlern aus dem Südsudan. Ich hatte in meinen früheren Berichten schon geschrieben, daß es nach der Unabhängigkeit des Südsudan Camps mit Umsiedlern gibt, die [...]