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Antisemitische Positionen bei den Piraten?

Mal wieder rächt es sich, daß die Piratenpartei weder rechts noch links, sondern nur »vorne« sein will und keine klaren Positionen bezieht. Kevin Barth, Pirat aus Heidenheim, twitterte am 23. Januar dieses Jahres:

ok. ich bin also antisemit weil ich die israelische kackpolitik und den juden an sich unsympatisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt.

So, so, der Jude an sich ist also »unsympathisch«. Wenigstens ist Kevin Barth, wenn auch mit Verspätung, vorgestern von seinem Amt als Vorsitzender des Kreisverbands Heidenheim der Piratenpartei zurückgetreten. Aber reicht das?

Übrigens, wegen »vorne«: Der Volksmund wußte schon über die verblichene SED zu berichten: »Wo wir sind, ist vorne. Und wenn wir hinten sind, ist hinten vorne.« Da, nämlich »hinten«, scheint die politische Ideologie zumindest von Teilen der Piratenpartei angesiedelt zu sein. [Tagesspiegel]

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16 Kommentare

  1. hedrik sagt:

    Nuja, zehn Prozent Idioten hats überall. Vorteil hier: Die fliegen sehr schnell auf und können aussortiert werden. Woanders dümpeln die Jahrzehnte in ihren Randgruppen mit durch die Gegend und verbreiten schleichend Schaden für gute Projekte.

  2. NetReaper sagt:

    Lieber Jörg,

    er ist nicht “mit Verspätung” zurückgetreten, sondern noch am gleichen Tag über Nacht zurückgetreten worden. Die Reaktionen innerhalb der Partei waren heftig, und das ist kein Zufall.

    Aber hey! Sowas kann man ja einfach weg lassen. Propaganda gegen die Piraten bringt wohl höhere Klickzahlen.

    Und ja: das ist genau das, was die Piraten ad hoc machen konnten. Mehr nicht.
    Ordentliche Schiedsgerichtsverfahren dauern nunmal schnell drei Jahre. Unterhalten wir uns 2015 nochmal?

  3. Karsten sagt:

    @NetReaper:

    .

  4. Volker Werth sagt:

    Vorweg: Ich kenne die Hintergründe der Geschichte nicht, aber auch ich finde das Verhalten des israelischen Staates gegenüber seinen Nachbarn nicht toll. Das macht IMHO noch lange keinen Antisemiten, wenn man das Verhalten eines Staates kritisiert.
    Ist man gleich ein Antichrist, wenn man die Kinderf…Sekte kritisiert? Oder ein Kommunist, wenn man mit dem Verhalten der Welt-Sherrifs “USA” nicht einverstanden ist? Ach nein, ich vergaß: Dann ist man gleich Kommunist.
    Wofür ich lediglich werbe ist, daß man etwas differenziertere Betrachtungen anstellt und nicht gleich alles in eine Tonne haut, was dort evtl. nicht reingehört. Westerwelle galt ja auch nicht gleich als ausländerfeindlich, nur weil er die Amtssprache deutsch auf Pressekonferenzen verlangt hat (das hat ihn einfach nur dumm aussehen lassen:).

  5. Volker Werth sagt:

    Sorry: s/Kommunist/Terrorist/

  6. flopserver sagt:

    @Volker Werth
    Sagst Du auch, wenn ein Antisemit sich gegen Kapitalismus äußert, Du seiest ebenfalls dagegen?
    Soetwas nenne ich eine Solidaritätsbekundung für die Antisemiten. Widerlich!

  7. anonym sagt:

    Volker Werth hat recht. Es gehört ja zu den Eigenheiten der heutigen Zeit, daß Leute, die mich ÜBERHAUPT NICHT KENNEN, weil ich irgendwo, im Netz vielleicht, eine politische Bemerkung gemacht habe, die ihnen nicht paßt, sofort meine Person und meine gesamte Einstellung bewerten zu müssen glauben, sei es, daß sie mir fälschlicherweise Antiamerikanismus unterstellen oder Schlimmeres. Das ist schon ein bißchen krank.

    Insofern wiederhole ich: Volker Werth hat recht.

  8. Jörg Kantel sagt:

    Also, jetzt mische ich mich doch einmal ein: Wenn jemand schreibt, daß er »den Juden an sich« unsympathisch findet, dann hat das eine andere Qualität als die Politik des Staates Israel zu kritisieren, sondern das ist dann eindeutig antisemitisch. Und daher hat Volker Werth nicht recht.

  9. anonym sagt:

    @ Jörg Kantel
    Es stimmt natürlich, was diese konkrete Phrase betrifft (die der Pirat benutzt hat), die Sie da anführen.

    Aber ansonsten bin ich der Auffassung, daß Volker Werth zuzustimmen ist bei seinem Beispiel mit der Kritik an bestimmten Erscheinungsformen von Politik. Ich denke, das ging auch aus meinem Kommentar ziemlich klar hervor; falls nicht bedaure, ich das.

  10. Jens sagt:

    Die Aussage von Kevin Barth war saudumm und ich unterstelle auch mal, äußerst unüberlegt. Er hat es eingesehen und sich entschuldigt – und(!): die Konsequenzen gezogen. Wenn nur dt. Politiker und aktuell vor allem “Präsidenten” so ein Rückgrat hätten…

    Denn so muss ich sagen: mir ist ein Kevin Barth allemal lieber, als jeder einzelne Politiker der Schwarz-, Rot-, Grün- und Gelben Fraktion!

    Warum? Weil die Piraten noch nicht die “Politikersprache” gelernt haben und es hoffentlich auch nicht lernen werden. Mir reichen die hohlen, nichtssagenden Phrasen der Altpolitiker, die kein direktes Ja und Nein kennen!

    Also, akzeptieren wir die Entschuldigung und die Konsequenz? Oder schreien wir weiterhin “Jehova!”?

  11. Roland B. sagt:

    Die meisten Probleme kann man gar nicht auf ein simples Ja oder Nein reduzieren, und vor allem sollte man Politikern nicht vorwerfen, wie sie sich quälen, wenn sie heute ja nur noch 30-Sekunden-Statements abgeben dürfen, länger hört der Wähler vermutlich nicht mehr hin.
    Die Grünen hatten auch mal sehr deutliche und klare Positionen, man denke an die Steuererhöhung auf Benzin zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs … flugs sind die Wahlergebnisse eingebrochen, denn der Wähler will zwar klare Aussagen, aber natürlich nur, wenn er davon profitiert. Die CSU hatte ihre besten Ergebnisse mit Wahlinformationen à la “Wir in Bayern”.
    Völker bekommen die Politiker/innen, die sie wollen und verdienen, und so übel es bei uns aussieht: im internationalen Vergleich liegen wir da nicht ganz so schlecht da.
    Sorry für den Off-topic-Ausflug, aber jemanden wegen seines Rücktritts nach einer antisemitischen Äußerungen (zumal von so einem so ungeheuer bedeutenden und hochbezahlten Amt) jetzt als Lichtfigur erscheinen lassen zu wollen, ist einfach übel. Und auch nicht mit dubiosen Politikern zu vergleichen, die an ihren Diäten, Bezügen und Pensionsansprüchen kleben.

  12. DDD sagt:

    Verallgemeinerungen wohin das Auge schaut. Ein Pirat hat etwas antisemitisches gesagt, alle Piraten sind Antisemiten.

    Ein von Bötticher hatte 17-jährige Freundin, alle bei der CDU haben 17-jährige Freundinnen und allgemein latent pädophile Neigungen.

    Ein Henry Nitzsche hat rechte Äußerungen gemacht, alle von der CDU sind seiner Meinung und allgemein rechtsextremistisch.

    Barth hat einen Fehler gemacht für den er nun grade stehen muss und das auch tut. Er muss zurücktreten.
    Aber die Hetze gegen die Piraten ist ja schrecklich… wenn ich schon lese: “Der Pirat hat…”

  13. Kansas sagt:

    Wenn ein deutscher das Wort ‘Jude’ benutzt, gibt’s im Saal ein Geflüster: “Ohje, er hat Vagina gesagt”. Hoffentlich hält mich niemand für eine Holocaust-Leugnerin, weil ich als Deutsche über Woody Allen Filme lache. Bei dieser typisch deutschen Spitzfindigkeit, bleibt mir das Lachen jedenfalls im Halse stecken. Zumal diese Antisemitismus-Paranoia nicht von Souveränität zeugt, nur wieder Mittel zum Zweck der parteiischen Medien ist und eine eindeutige Message an die Politikinteressierte Jugend schickt: Shut The Fuck Up! Da ist es nur recht, eine junge Karriere zu vernichten. Die Wortwahl war naiv, dass sehe ich ja ein, aber was sagt Herr Barth denn wirklich, wenn man den Satz mal nicht aus dem Zusammenhang reisst? Da ist die Rede von “den juden an sich unsympatisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt”. Da ist nicht die rede von dem Juden als Volk, sondern von dem Juden als politische Leitfigur. Die Piraten lernen noch früh genug, wie man in Deutschland auf dem Drahtseil balanciert. Da ist dann bald nurnoch die Rede von “einer gemeinsamen Lösung”, wie ne kaputte Schallplatte am besten. So wird man hierzulande nunmal Bundeskanzler. Und Gott bewahre, jemand findet mal ausversehen eine “gemeinsame Endlösung”… Ich will nicht wissen was so ein Fauxpas für Konsequenzen hätte.

  14. marcus05 sagt:

    22-jähriger Rotzlöffel der in seinem ganzen Leben vermutlich noch keinen Juden getroffen hat findet “Den Juden an sich unsympathisch”

    Das klingt eher nach Sachsen oder Hoyerswerda als BaWü. So dumm und ungebildet stelle ich mir NPD Fußvolk vor, als Pirat ist der Mann ungeeignet und möge doch erst mal erwachsen werden.

  15. Volker Werth sagt:

    Ich hab’ einige Tage hier nicht reingeguckt, jetzt die Kommentare gelesen und will das noch kurz kommentieren:

    Ich hatte schon geschrieben, daß ich die Hintergrundgeschichte nicht kenne und habe mich nur auf die eine gepostete Aussage bezogen, wobei ich den letzten Halbsatz nicht sonderlich stark bewertet hatte. Der ist natürlich mehr als unglücklich.

    Die Leute, die mich wegen meiner Werbung für eine etwas ausgeglichenere Betrachtung kritisiert haben, scheinen wohl aber zu übersehen, daß ich von einem Staat und seiner Handlungen gesprochen habe und nicht von Gläubigen. Für mich ist der Staat Isreal nicht mit Juden gleichzusetzen, genausowenig wie alle Katholiken Italiener sein müssen. Ich differenziere zwischen Staat und Religion (Glaube). Wer jedoch Staatswesen und Religion vermischt, der scheint IMO in einer Zeitschleife bei den Maja’s hängen geblieben zu sein.

    Davon abgsehen, würde ich die Ursprungsaussage nicht stützen, sondern habe lediglich eine dumme Aussage in einem Teilsatz überlesen/nicht gebührend bewertet.

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