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Schwarzfahren? Womit denn?

Der Verband der Verkehrsunternehmen fordert eine Erhöhung des Bußgeldes für Schwarzfahrer von 40 Euro auf bis zu 120 Euro. Dabei habe ich ganz andere Probleme: Ich würde ja gerne (zur Not auch schwarz-) fahren, wenn denn etwas führe … Heute vormittag zum Beispiel fuhr die S41 auf dem Ring zwischen gar nicht und unregelmäßig. [Tagesspiegel]

[Ceterum censeo]: Im Übrigen bin ich der Meinung, daß der Berliner Stadt­ent­wicklungssenator Michael Müller als (politisch) Verantwortlicher für das Berliner S-Bahn-Chaos zurücktreten muß.

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12 Kommentare

  1. Chriss sagt:

    Naja, man kann auch absichtlich Polemik auf Bild-Niveau betreiben: Ich zitiere den Teaser des verlinkten Artikels: “Die BVG will den Regelsatz auf 60 Euro steigern.”
    Die 120 € gelten nur für Wiederholungstäter: “Wer innerhalb von zwei Jahren mehrfach erwischt wird, soll 120 Euro lockermachen.”

    Ich lese ja gern den Schockwellenreiter, auch grade weil der Autor schonmal (bewusst) aneckt und auch polarisiert, aber auf diesem Niveau…

  2. Jörg Kantel sagt:

    @Chriss: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: … auf bis zu 120 Euro … Und genau so steht es im Teaser des verlinkten Artikels. :P

  3. anonym sagt:

    Natürlich ist der Schrei nach Erhöhung des Strafgeldes eine weitgehend unsinnige Forderung. (Aber mindestens teilweise kann man die Verbitterung der Verkehrsunternehmen schon verstehen.)

    Eins muß man Ihnen aber wirklich lassen, Herr Kantel: Sie bleiben am Thema S-Bahn bzw. ÖPNV wirklich dran, so daß jeder sehen kann, es ist Ihnen ein Herzensanliegen! Was ich gut finde, denn es spricht ja dafür, daß Sie wirklich ein eingefleischter ÖPNV-Anhänger sind. Auch ich benutze schon lebenslang den ÖPNV, habe nur das Glück, daß die S-Bahn-Strecke, die ich in Berlin frequentiere, offenbar weit weniger von Ausfällen betroffen ist als die Ihre.

  4. gerhardq sagt:

    Das ist doch toll, dann werden noch mehr Menschen, die sich die Fahrkarten nicht leisten können, im Knast sitzen. In Berlin sollen das ja schon jetzt eine ziemliche Anzahl sein. Wenn ich mir dann überlege, was ein Tag Knast der Allgemeinheit kostet, so kommt mir das alles ein bißchen skuril vor. Billiger wäre es, wenn die Bedürftigen freie Fahrt, ähnlich wie die Behinderten, hätten.

  5. LH_ sagt:

    Eine Staffelung erscheint mir durchaus angemessen. Allerdings würde ich sie niedriger starten lassen.

    Ein einmaliges vergehen wäre doch mit 20-30 EUR genug geahndet. Wer es wiederholt tut, der sollte aber durchaus härter bestraft werden.
    Rechne ich zusammen, wie oft ich in einem Jahr kontrolliert werde, und würde ich jedesmal 40 EUR zahlen, würde ich sogar Geld im Vergleich zum Jahresabo sparen.
    Darauf dürften einige setzen. Wer die Fahrgäste beobachtet, kann Kontrolleure zudem meist recht schnell erkennen. Wer dann im Jahr also nur 1-2 mal wirklich erwischt wird, der spart immer noch Geld.

    Die Frage muss doch sein, warum macht jemand das? Ausversehen? Dann passiert es wohl nicht so oft, und eine niedrige Strafe ist genug. Mit Absicht? Dann ist eine härtere Strafe durchaus angemessen. Warum sollte die Strafe unter dem Preis eines Monatstickets sein? Ehrliche Kunden zahlen das immerhin, wenn sie die öffentlichen häufig nutzen.

    Wer wirklich gar kein Geld hat, für den macht es eh kaum einen unterschied ob er 40 EUR nicht zahlen kann, 20 oder 120.

  6. anonym sagt:

    @ LH
    Es gibt aber m. E. wirklich einige Dinge, die diese ganzen Überlegungen stören.

    Erstens: Zu bestimmten, nicht vorhersehbaren Zeiten wird manchmal sehr häufig kontrolliert. Ich als Inhaber einer Jahreskarte (seit sehr langer Zeit) fühle mich davon des öfteren belästigt. Nicht zuletzt durch einen Teil der Kontrolleure, die, man muß es einfach sagen, übler Abschaum sind. Wenn man bedenkt, daß ich ein Verkehrsunternehmen ein Jahr im voraus kreditiere und zum Dank dafür von miesen Subjekten kriminalisiert und bedroht werde, weil ich mich von diesem Pack nicht wie ein Domestik behandeln lassen, dann ist schon ein wesentlicher Punkt zur Sprache gekommen.

    Zweitens beträgt die Schwarzfahrerquote auch in Berlin höchstens 5 Prozent. Dafür werden praktisch 95 Prozent der Fahrgäste Woche für Woche durch Kontrolleure grundlos belästigt, wird mit Polizei gedroht und dgl. Wenn es Schwarzfahrer gar nicht gäbe, könnten die Unternehmen ihre regelmäßigen Preiserhöhungen viel schlechter begründen. Sie brauchen die Schwarzfaher also. Soviel zur Verlogenheit der Argumentation.

    Drittens ist nicht jeder, der gerade kein Ticket bei sich hat, ein Schwarzfahrer. Wer eine Jahreskarte hat, kann durchaus mal sein Ticket zu Hause vergessen haben, wenn er seine Jacke gewechselt hat. Das kann im Grunde jedem passiert (mir ist es bis jetzt so gut wie nie passiert). Da ist es natürlich dann schön, wenn man von asozialen Kontrolleurssubjekten wie ein Krimineller behandelt wird.

  7. LH_ sagt:

    @anonym:

    Auf den Strecken, auf denen ich unterwegs bin, kann man durchaus einen Rhythmus erkennen. Zumindest ich sehe Kontrolleure fast in einem Zeitraum 2 Tage vor sowie zwei Tage nach einem Monatswechsel. Zuletzt wurde ich passenderweise vor 3 Tagen kontrolliert.

    Die Darstellung, das sich die Kontrolleure unhöfflich benehmen, kann ich absolut nicht bestätigen. Fast alle Kontrolleure, die mir über die Jahre begegnet sind, waren freundlich. Durchaus distanziert, aber wer am Tag 10’000 nach einem Stück Papier fragt, der wird doch Zeit und Muße haben für ein persönliches Wort.

    Mir scheint dies auch eher ein Fall von “Wie es in den Wald hineinschallt…” zu sein.
    Mal ganz ehrlich, was für ein Mensch schreibt soetwas:
    “von miesen Subjekten”
    “von diesem Pack”
    “asozialen Kontrolleurssubjekten”

    Darf sich jeder selbst seine Meinung zu machen.

    Nebenher: Wer als Jahreskarteninhaber die Karte vergessen hat, zahlt eine sehr viel niedrigere Strafe. Es ist Nachweißbar das man sie besitzt.
    Die Strafe zahlt man übrigens nur deswegen, weil die Karte, da übertragbar, auch von jemanden zur gleichen Zeit genutzt werden kann.
    Als es mir vor einigen Jahren mal passiert ist, das ich die Karte vergessen habe, war die Strafe kaum über dem Preis eines Tagestickets. Allerdings enthielt die Strafe bereits ein Ticket damit ich wenigstens zum Ziel kam.
    Angesichts der Begründung für mich absolut ok.

  8. flopserver sagt:

    Da werden das Kopfgeld (Prämien) und die statitischen Vorgaben fürs Erwischen für die Kontrolleure bestimmt auch ein wenig steigen, denn die S-Bahn z.B. braucht ja Geld, allein um die eigenes fabrizierte Misere zu dämpfen.
    Und das auf Kosten der ärmsten, die, weil immer mehr von ihnen an den Rand der Stadt gedrängt werden, auch immer stärker auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Und Jahreskarten (Vorkommentator) fallen für die meisten von ihnen sowieso aus, da sie gar nicht das Geld zur Vorfinanzierung haben. Im Nachwendezeiten hatten Kontolleure im Osten der Stadt sogar einen Sinn für die damalige soziale Spaltung der Stadt und nahmen es darum nicht immer so genau – les tempes perdu. Bei der S-Bahn scheint man heute lieber Kontrolleure einzustellen als S-Bahnfahrer. (Streiks z.B. sind von denen nicht zu erwarten und falls mal doch fallen sie nicht auf.) Der Kunde soll für die Schande, die er auf sich nimmt, eine miserable Dienstleistung überteuert zu bezahlen, auch noch mißtrauisch in Augenschein genommen und mit drakohnischen Strafen bedroht werden. Im Kafka’schen Sinn wird im immer mehr Der Prozeß gemacht

  9. Chriss sagt:

    @Jörg: Oh, das ist mir jetzt aber mehr als nur ein bischen peinlich. Bitte alles im ersten Kommentar ignorieren, außer dass ich gern den Schockwellenreiter lese!

    Sorry und schönes Wochenende!

  10. flopserver sagt:

    Zum Thema gibt es gerade eine Umfrage beim TSP:
    “Die BVG will das Bußgeld für Schwarzfahrer auf bis zu 120 Euro erhöhen. Halten Sie diese Initiative für sinnvoll? ”

    Und das sind deren ankreuzbare Alternativen:
    - Ja, die Bußgelderhöhung wird Schwarzfahrer abschrecken.
    - Nein, die meisten Schwarzfahrer zahlen die geforderte Summe sowieso nicht.
    - Es wäre sinnvoller, die Anzahl der Kontrolleure zu erhöhen.
    - Es wäre besser, in ein Drehkreuzsystem wie in London oder Paris zu investieren

    Das sieht man mal wie weit das Horizont/das Gesichtsfeld der Redakteure ist …

  11. anonym sagt:

    @ LH
    Es mag ja sein, daß es eine ganze Reihe von Kontrolleuren gibt, die korrekt auftreten. Ich habe aber im Lauf derJahre schon wirklich ausgesprochen miese Subjekte da erlebt, äußerlich und innerlich heruntergekommen und mit impertinentem Auftreten. Und es ist ja tatsächlich eine Tätigkeit, die ich z. B. unter gar keinen Umständen ausüben würde.

    Da ich bereits seit gut 40 Jahren mit dem ÖPNV regelmäßig zur Arbeit fahre, habe ich zwangsläufig schon einiges erlebt. Ein Fazit lautet: Es wird eigentlich jedes Jahr schlimmer mit den Leuten im öffentlichen Raum; Berlin ist voll von Irren. Das ist für mich aber noch lange kein Grund, mir von asozialen Subjekten deren Frechheiten gefallen zu lassen. Ich wundere mich jedenfalls überhaupt nicht, wenn ich lese, daß Kontrolleure in der Bahn in Berlin tätlich angegriffen wurden. Einem Kontrolleur in der U-Bahn, wenn ich mich recht erinnere, hat doch vor Jahren mal sein Flachmann das Leben gerettet, den er in der linken Brusttasche trug, als er mit einem Messser attackiert wurde. Auch bezeichnend und sogar etwas lustig.

    Mir geht es ja finanziell gut (auch wenn mir das möglicherwise nicht anzusehen ist), aber was ist z. B. mit den vielen Schwarzfahrern, die tatsächlich kein Geld fürs Ticket haben? Wenn ich mich schon von asozialen Gestalten wie Dreck behandeln lassen soll, wie trampeln sie dann erst auf Leuten herum, die keinerlei finanzielle Reserven haben?? Das Problem ist m. E. auch, daß sich die Leute im Alltag oft viel zu viel gefallen lassen, sich demütig benehmen statt zurückzuschlagen, und sei es verbal … Nirgend steht geschrieben, daß ich irgendwelche Achtung aufbringen muß für die nützlichen Idioten, die im Auftrag der DB-Abzocker unterwegs sind.

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