Der Reiseschriftsteller, Journalist, Revolutionär und Aufklärer Georg Forster war eigentlich sein ganzes kurzes Leben lang ständig unterwegs. Schon als Zehnjähriger reiste er mit seinem Vater durch Rußland bis nach Sibirien, als junger Mann nahm er an der zweiten Weltumseglung Captain Cooks teil, lehrte in Deutschland und Litauen und schrieb viel über seine Reisen. Er gilt als Begründer der modernen Reiseliteratur, verzichtete auf romantische Weltsichten, schrieb wissenschaftlich exakt und sachlich fundiert, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) in einer geschliffenen und gut lesbaren Sprache. Dabei galt sein Hauptaugenmerk immer den Menschen und ihren Gesellschaftsformen.
Ich möchte Euch heute nicht seine bekannte »Reise um die Welt«, die es unter dem Titel Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee 1772-1775 ebenfalls als kostenloses Ebook im Kindle-Shop gibt, vorstellen, sondern — dieses Jahr ist das Jahr der Belgier und Niederländer in meinem Adventskalender — seine Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich
. Georg Forster unternahm diese Reise gemeinsam mit dem jungen Alexander von Humboldt im Frühjahr 1790. Der dreibändige, ausführliche Reisebericht enthält unter anderem kunstgeschichtliche Betrachtungen, die für die späteren Kulturwissenschaften ebenso stilbildend wurden, wie sein Bericht über die Südseereisen für die Ethnologie.
Aber wie 15 Jahre zuvor in der Südsee, so galt auch auf dieser neuen Reise sein Hauptinteresse wieder dem sozialen Verhalten der Menschen. Volksaufstände in Flandern und Brabant und natürlich die Revolution in Frankreich hatten Forsters Interesse geweckt. Seine Reise in diese Gebiete sowie in die Niederlande und England, wo die bürgerlichen Freiheiten vergleichsweise weit entwickelt waren, sollte ihm nicht zuletzt dazu dienen, sich seines eigenen politischen Urteils zu vergewissern.
Forster wurde nach dieser Reise Jakobiner und Mitbegründer der kurzlebigen Mainzer Republik. Er starb wenig später, noch nicht 40jährig, an einer Lungenentzündung im Pariser Exil. Der vormals populäre Autor geriet danach im bürgerlichen Deutschland beinahe völlig in Vergessenheit, nicht zuletzt wegen seines Engagements für die französische Revolution. Es lohnt sich also, ihn wiederzuentdecken.























Danke für die interessanten Hinweise! Nur mit der Datenkrake Amazon tue ich mich etwas schwer, wenn es doch zumindest hier Alternativen gibt: Forsters Buch gibt es als epub auch unter: http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=70142 (Dort ist übrigens eine rege Gemeinde von E-Book-Enthusiasten versammelt.) Ins Kindle-Format kann man das via Calibre wandeln.
Ansonsten: weiter so!