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Lesen im Advent (8)

[Achtung! Cat Content]: Weil der Film heute in den deutschen Kinos anläuft, bietet mein kleiner literarischer Adventskalender mit kostenlosen Ebooks aus der Kindle-Edition Euch heute das »Original«: Der Gestiefelte Kater von Ludwig Tieck als Theaterstück. Das »Kindermärchen in drei Akten« erschien schon 1797 als Buch, 1811 wurde eine überarbeitete Version veröffentlicht (das scheint die Fassung zu sein, die dem Ebook zugrunde liegt) und uraufgeführt wurde es erst 1844. Denn die Komödie hatte es in sich. Sie eckte auf dreierlei Weise an:

  1. Das Werk veräppelte etliche der damals erfolgreichen (Bühnen-) Autoren. Die Persiflage auf die Zauberflöte ist offensichtlich, aber auch sonst wird mit sämtlichen damaligen (und heutigen?) Literatur- und Theaterkonventionen gebrochen. Iffland und Kotzebue werden parodiert, Schillers Dramen »Don Carlos« und »Die Räuber« werden durch den Kakao gezogen und der damals populäre Literaturkritiker Karl August Böttiger wird in der Figur des Böttichers verulkt.
  2. Das »Publikum« tritt in personae auf der Bühne auf und kommt nicht gut dabei weg. Tieck wendet sich hier gegen die Banalisierung der Aufklärung durch das deutsche Bildungsbürgertum.
  3. Und schließlich ist der Gestiefelte Kater ein Revolutionsstück. Der König ist ein infantiler Tyrann und auch wenn es vielleicht von Tieck nicht so gemeint war, kann man es durchaus als Revolutionskomödie inszenieren.

So nimmt es nicht wunder, daß die Uraufführung, die erst 1844 stattfand, zum Mißerfolg geriet. Tiecks Publikumsbeschimpfung stieß beim Publikum auf Ablehnung und so wanderte das Stück als Märchen (das es im französischen Original — Le chat botté von Charles Perrault — ja durchaus war) in die Kinderbücher und wurde vom erwachsenen Publikum vergessen. Das ist schade und vielleicht schafft es der fürs Kino (re-) animierte Kater ja, das Interesse an dieser Figur wieder neu zu wecken, so daß ein mutiger Theatermensch eine Aufführung in Deutschland wagt. Ansonsten sei Euch das Buch ans Herz gelegt. Es macht Spaß, diese Komödie zu lesen.

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