Seit Arno Schmidts wunderbarer Analyse des Mayschen Œuvres »Sitara und der Weg dorthin« kann ich kaum einen Roman Karl Mays mehr ohne sexuelle Hintergedanken lesen. Aber egal, der Oelprinz
mit seinen harten Männern mit oder ohne Frauenkleidern, seinen Bären und Bärenjägern, Schurken und Helden und vor allem Landschaften wie riesige Ärsche, in die es einzudringen gilt, ist eine gute Einstiegsdroge in das Werk des sächsischen Phantasten. Und eine Erinnerung zurück an meine Kindheit und Jugend, in der ich diese Abenteuerromane unter der Schulbank regelrecht verschlungen habe.

































Nun, Karl May gehört auch zu meiner Jugend und selbst mit 46 hole ich ab und zu noch einmal ein Buch hervor. Ich habe den Schmidt nicht gelesen (nur was in der Wikipedia steht) – und möchte das, ehrlich gesagt, auch nicht. In den Werken Mays Homosexualität nachzuweisen, dazu gehört ja nicht viel. Viel eher eine, hmm, “entsprechende Phantasie”! Ist doch wohl klar, dass in der Zeit keine Frauen auf Kamelen/Pferden und mit Henrystutzen/Bärentöter bewaffnet durch die Wüste/Prärie zogen. Karl May lebte in einer anderen Zeit, zum Glück nicht in der heutigen. Es reicht mir, wenn ich aktuell (durchaus gute) Krimis sehe, in denen aber der Kommissar (meist in irgendwelchen seelischen Nöten) zu 90% eine Chefin hat. Wer weiß, wie Mays Werke heute aussehen würden.
Aber danke für die vielen Lesetipps, da ist auch was für mich dabei!
@Jens: Schmidts Analyse ist komplexer als in der Wikipedia steht (und sehr, sehr witzig geschrieben): Laut dieser hat May in den Amerika-Romanen seine Homo- und in den Orient-Romanen seine Hetero-Sexualität ausgelebt. Zweitens: Schmidt war Literat, kein Wissenschaftler. »Sitara« ist daher sicher auch mit einem gewissen Augenzwinkern zu lesen. Und drittens: Schmidt hat die Werke von Karl May geliebt und immer auch die Verhunzungen durch den (westlichen) Karl-May-Verlag beklagt.
Fazit: »Sitara« lohnt sich zu lesen, gerade und auch wenn man Karl-May-Fan ist.
Hmmm, werd ich dann wohl lesen müssen
Aber Karl May auf so nem Elektronikding und nicht als grüngoldene Ausgabe aus dem Karl-May-Verlag zu lesen ist ja wohl eine Todsünde! *patsch*
[...] Gegensatz zu Karl May (Lesen im Advent (5)) hatte Friedrich Gerstäcker die Gegenden, in denen seine Abenteuerromane und Reiseerzählungen [...]