Der Literaturwissenschaftler und Medientheoretiker Friedrich Kittler ist heute am frühen Morgen gestorben. Ich hatte das Glück, ihn einige Male in meinem Leben treffen zu dürfen und mit ihm diskutieren zu können. Er hatte mich immer schwer beeindruckt, auch sein Interesse an Programmierung und Programmiersprachen und sein Interesse an der Mathematik haben mich angeregt. Beides sah er als eine (weitere) Form der Literatur an, was sehr ungewöhnlich klingt, aber bei weiterem Nachdenken als eine durchaus überlegenswerte Arbeitshypothese daherkommt. Sein Spätwerk Musik und Mathematik bleibt nun nach zwei Bänden (Musik und Mathematik 1. Hellas 1: Aphrodite und Musik und Mathematik I: Hellas 2: Eros
) unvollendet. Friedrich Kittler wurde nur 68 Jahre jung. [Kai S. per Email.]

































Sicher ein guter Mann.
Was mich jetzt irritiert: habe “nun ach” in den Neunzigern Germanistik studiert, promoviert und so weiter. Bin weder Idiot noch Fachidiot. Aber schlagt mich tot: ich hab’ nie irgendwas von Herrn Kittler gehört respektive gelesen.
Da kann man mal sehen.
Ui! IMO war er einer der wenigen Geisteswissenschaftler, die sich für Technik interessierten und sich nicht snobhaft darüber erhaben fühlten. Schade!
@FF
das wundert nicht. für weite teile seiner stamm-disziplin war kittler nach seiner habil eine persona non grata. die germanistik klassischsten zuschnitts (also eine, die sich nicht richtung kultur- oder medienwissenschaft geöffnet hat, bzw. noch immer vor allem hermeneutik betreibt) hat an kittler bis heute kein interesse – was nicht verwundert, da kittler in diese richtung enorm polemisiert hat. für die medien- und kulturwissenschaft seit den 90ern war er indessen eine zentrale, wenn auch umstrittene figur.
grüße
thomas
@Thomas
Danke. Bin ich beruhigt. Ist aber schon erschütternd, wenn man nicht mal die Koryphäen des eigenen Fachs kennt.
Eine kleine ganz gute Darstellung vielleicht:
Friedrich Kittler: Der Wahnsinn der Massenmedien
http://sciencev1.orf.at/sciencev1.orf.at/science/news/150285.html
habe, nun ach, ihn vor langem sogar mal rezensiert und finde die Nachricht sehr traurig. Über so viele Tellerränder wie Friedrich Kittler haben wenige geschaut.
Oh, jeh !
Vor über 10 Jahren schnitt ich einen Artikel von Friedrich Kittner zum Tode Claude E.Shannons aus der FAZ aus und schickte ihn an meinen Freund Hanns-Martin Wagner (Künstler und Gründer von Kugelbahn.ch), der sich durch die dort
enthaltene Passage zu seinem Kunstkoffer inspirieren ließ, lange bevor die useless machine sich epidemisch über die ganze Welt verbreitete:
http://www.kugelbahn.ch/sesam_d.htm
Ich korrigiere: muß natürlich Friedrich Kittler heißen, nicht Kittner !