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Rumble in Britain Tonight

There’s a rumble in Brighton tonight
Ringside seats for the neighborhood fight,
There ain’t a goddamn thing that the cops can do,
There’s a rumble in Brighton tonight.
(The Stray Cats)

Beattrommeln dröhnen durch das Land.
Langhaarige Ritter geben den Herrschenden ihre Unzufriedenheit bekannt.
(Hanns Dieter Hüsch, 1968)

Jetzt jammern sie wieder in den Kommentarspalten der Massenmedien und den Nachrichten von ARD und ZDF: Ja, der Turbokapitalismus in Großbritannien ist über Leichen gegangen und hat das soziale System völlig heruntergefahren. Ja, die jungen Briten haben keine Chance auf einen Arbeitsplatz und sind zur Armut verdammt. Aber Gewalt? Gewalt sei doch keine Lösung.

Was, verdammt noch mal, ist denn dann eine Lösung? Auf den Knieen herum­rutschen und beten etwa? Oder noch besser: Vom letzten Ersparten einen (britischen) Wagen kaufen und sich damit an die Wand fahren? Dann hat man noch einmal die Wirtschaft angekurbelt und fällt der geplünderten Sozialkasse nicht mehr zur Last.

Nein, die einzige Sprache, auf die die herrschende Klasse noch reagiert, ist die Sprache der Revolte, des (gewaltsamen) Widerstands. Und der ist nie gerecht (wie meist auch bei einem Streik treffen die Folgen unbeteiligte Mitmenschen). Aber die Verursacher? Die Verursacher sind nicht die frustierten und verzweifelten Jungendlichen in den Elendsvierteln, die Verursacher sitzen in den Villen und Landhäusern der Herrschenden. Was in Großbritannien passiert, ist Klassenkampf, eine verzweifelte Antwort auf den Klassenkampf von oben, mit dem die Herrschenden die britische Bevölkerung schon seit Jahrzehnten ausplündern.

Und daher kann ich die verlogenen Krokodilstränen der Kommentatoren nicht mehr hören. Das gleiche, das sie als arabischen Freiheitskampf bejubeln, nennen sie in Europa kriminelle Krawalle. Nennt endlich die wahren Ursachen dieser Revolte, die da sind Ausbeutung, Rassismus, Unterdrückung und fehlende Bildungschancen. Ansonsten haltet einfach die Klappe.

Der von Stalin ermordete Revolutionär Leo Trotzki sah für die Welt nur zwei Alternativen: Sozialismus oder Barbarei. Wir sind schon viel zu lange auf den Weg dorthin.

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22 Kommentare

  1. CyberPunk sagt:

    Kann dir nur zustimmen und wenn es hier so weiter geht wird es früher oder später auch zu Unruhen kommen. Sehe da schon ein paar Parallelen, wie hohe Arbeitslosigkeit, immer weiter sinkenden Löhne bei immer größeren Geldbergen die die Reichen anhäufen, Polizeibrutalität usw. usf.

  2. Beobachter sagt:

    Ohne zu gewaltätigen Aktionen aurufen zu wollen, ist es doch erstaunlich, wie ruhig es in Deutschland angesichts der Ausplünderung der Allgemeinheit bleibt.
    Sinkende Reallöhne, Ausweitung von prekären Beschäftigungen auf der einen Seite und Rettungsschirme für Banken und Steuergeschenke für Wohlhabende auf der anderen. Noch scheint es zu vielen Deutschen zu gut gehen.

  3. Rainersacht sagt:

    Keine Gewalt ist eben auch keine Lösung.

  4. Funzen sagt:

    einfach mal selbst ausgeraubt werden. das aendert die meinung ungemein.
    Trotzki, aha nichts gelernt aus dem regime gegen jeden andersdenkenden.
    immer schoen im westen gewohnt, da kann man noch von Trotzki schwaermen.

  5. esox sagt:

    wenn in berlin wieder mal die kabel brennen, werd ich dich an diesen post erinnern.

  6. Roland i. s. S. sagt:

    Was steht in Eurem GG Artikel 20 (4)?

    Davor muss ich noch Absatz 1 bis 3 schicken zum Verstehen.

    Und nicht dabei lachen,…. falls alles gefühlt anders aussieht.

    (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

    (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

    (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

    (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

    Das schließt natürlich auch Revolution ein, was nicht heisst, dass ich es gut finde, da es aktiver Widerstand ist. Da halte ich es wie Hessel, der die Gewaltlosigkeit vorzieht. Auf Seite 19 im Kapitel “Für einen Aufstand in Friedfertigkeit” führt er ein Beispiel an. Seite 18 sollte ebenso gelesen werden und verstanden.

  7. Moss sagt:

    @Roland: Natürlich ist Gewaltlosigkeit gut, schon aus Prinzip. Allerdings läßt sich auch kaum etwas so gut totschweigen wie gewaltloser Protest, und erst, wenn’s irgendwo kracht, wachen die alten Medien mal auf. Hier wird das schön auf den Punkt gebracht (via).

  8. [...] ist es nicht, aber was bleibt anderes übrig. An der Stelle danke ich dem Schockwellenreiter für DIESEN lesenswerten Artikel und empfehle jedem den Blog in die Favorites [...]

  9. Roland i. s. S. sagt:

    @Moss
    Da denke ich sind wir konform und wenn es mal richtig gewittert, dann ist es halt so. Nur, die Sache ist immer, Gewalt spielt erst immer denen in die Hände, die schon genug Blut an denselben kleben haben. Passiver Widerstand ist auch gewaltlos und kann durchaus funktionieren, wenn jeder für sich mal die Verantwortung übernehmen würde. Aber das würde jetzt wieder zu weit führen.

    Was die Medien angeht, gibt es nur ein Medium, was sich nicht unterwerfen wird und das ist das Weltnetz. Was für ein Glück für die Welt.

  10. anonym sagt:

    Einen ähnlichen Gedanken hatte ich gestern auch: Jetzt ist der arabische Aufstand in Großbritannien angekommen.

    Interessant ist auch immer folgendes: Immer dann, wenn so etwas passiert, gibt es genug Leute, die dann (vor einer Fernsehkamera oder wo) erzählen, den Leuten ginge es ja nur um Gewalt an sich oder um Plünderungen usw. Mir erscheint das nie besonders glaubhaft. Die Leute, die dergleichen erzählen, bestehen m. E. aus zwei Gruppen: Die einen glauben das, was sie erzählen, weil sie es gesehen haben wollen; die anderen erzählen es vorsätzlich, weil sie ein bestimmtes Interesse damit verbinden.

  11. Rainersacht sagt:

    Die klein-, spieß- und großbürgerliche Mitte ist immer gegen Gewalt, weil sie Schiss davor hat, von den Armen angegriffen zu werden. Zumal diese Klasse nach jahrzehntelanger Gehirnwäsche nicht mehr in der Lage ist, zwischen Gewalt gegen Sachen und gegen Menschen zu unterschieden, geschweige denn so etwas wie strukturelle Gewalt anzuerkennen. Dabei ist es gerade der untere Rand dieser Klasse, der die Umverteilung von unten nach oben am meisten zu spüren gekriegt hat – ich sag nur: realer Einkommenszuwachs bei um die 1%…
    “No justice, no peace” rufen sie im UK dieser Tage.

  12. paradoxus sagt:

    Darf ich den Blogherren daran erinnern, wie wortreich er gejammert hat, nachdem ein “revolutionäres Kommando” ihn daran hinderte, seinen Arbeitsplatz rechtzeitig zu erreichen?

    Zu GB: Vielleicht solltest der Hausherr seinen aufklärerisch-revolutionären Furor in London verbreiten? Ich kann wenig “Klassenkämpferisches” darin sehen, wenn Lumpenproletariat den Laden des kleinen asiatischen Händlers einschlägt, um sich eine riesige Glotze oder ein paar Reebook-Schuhe zu besorgen. Wow. Hier sind die Edelrevolutionäre bei ihrer aufklärerischen Tätigkeit zu bestaunen: http://catchalooter.tumblr.com/

    Um es nicht falsch zu verstehen: Aufbegehren, ja. Gewalt? Im Notfall vielleicht. Aber der britische Mob wird am Ende die polizeistaatlichen Situationen herbeiprügeln und klauen gegen die er sich vielleicht initial mal gewendet hat. Erinnert mich fatal an geniale KPD-Taktik prä-1933 den Kleinbürger derart zu verschrecken, dass er sich den Nazis ans Hemd schmeißt. Cameron faselt ja bereits von Ordnung & was weiß ich.

  13. FF sagt:

    Natürlich “Klassenkampf”. Was soll es sonst sein? Marx war der mit Abstand schärfste, tiefste Analytiker des Kapitalismus. Dieser unglaubliche Bursche hatte eben in fast allem recht, man muß es so trocken anerkennen.

    Nur für seine Rezeptionsgeschichte und seine falsche, selbsternannte Schülerschar konnte er nichts.

  14. Rainersacht sagt:

    Ja, genau, der “kleine asiatische Händler”, der ist das Opfer. Also der kleine asiatische Footlocker-Ketten-Besitzer, der kleine asiatische U-Elektronik-Filialen-Besitzer, die kleine asiatische H&M-Kette, womöglich noch der kleine asiatische Banker, bei dem die bösen Randalierer keinen Kredit kriegen…

    Ist euch eigentlich bewusst, in welchem Maße die Medienberichterstattung gerade manipuliert wird? Da verbreiten interessierte Kreise auf YouTube ein Video, bei dem ein Hubschrauber fünf Minuten lang immer wieder über demselben ausgebrannten Häuserblock kreist und vermitteln im Titel, es handele sich um einen Flug über “das zerstörte London”. Da werden vor allem die Plündereien von kleinen Geschäften gezeigt und dass einem blutenden Jungen der Rucksack geklaut wird. Das Ganze garniert mit Camerons gebetsmühlenartigen Lamentieren über die Kriminellen und dass die Werte flöten gegangen sind. Ja, klar, die A…: IHR habt seir Thatchers Zeiten systematisch und restlos auf bürgerliche Werte gesch… und die Rechte der Arbeiter, dann der Migranten und nun der Jugendlichen mit Füßen getreten und jede soziale Errungenschaft Großbritanniens abgeschafft oder minimiert.

    NATÜRLICH ist es zunächst weder eine politische, noch eine revolutionäre Tat, Läden zu plündern. Irgendwer schrieb, es handele sich um eine Mischung aus Will-auch-haben und Fuck-the-system. Auch wenn das keine politische Haltung ist, so ist sie doch ganz sicher eine Folge der Art und Weise wie der Neoliberalismus menschliche Werte zerstört hat.

  15. Tobi sagt:

    “Nein, die einzige Sprache, auf die die herrschende Klasse noch reagiert, ist die Sprache der Revolte, des (gewaltsamen) Widerstands.”

    Und die britische Regierung wird jetzt wegen der Krawalle den Sozialismus einführen? Is’ doch Quatsch. Mit Gewalt lassen sich die Zustände nicht ändern, und ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass ausschließlich politische Motivationen hinter dem Handeln der Randalierer stehen. Bei aller Zuneigung zum Blog und dessen Autor, dieser Aufruf zur Gewalt erschreckt mich. Daran, dass hier ständig das marxistische Deutungsmuster bemüht wird, habe ich mich ja gewöhnt, aber dieses Befürworten von gewaltsamen Aktionen geht mir einfach zu weit.

  16. [...] “Rumble in Britain tonight” – Der Schockwellenreiter Jörg Kantel hätte auch gerne Lösungen statt politischer Ignoranz der Probleme. [...]

  17. paradoxus sagt:

    @Rainersacht “Auch wenn das keine politische Haltung ist, so ist sie doch ganz sicher eine Folge der Art und Weise wie der Neoliberalismus menschliche Werte zerstört hat.”
    Dialektik ist nicht deins, oder? Als pöses Kapitalistenschwein frohlocke ich förmlich über die Riots: gibt mir die Möglichkeit, einen noch rigideren Polizeistaat, noch schärferer Gesetze und noch mehr Ausgrenzung einzuführen — und dabei weiß ich sogar die Mehrheit der Bevölkerung hinter mir, den die haben nun Schiss, nicht nur vor dem “Islamofaschisten”, sondern auch vor dem schwarzen Afro-Karibier. Und der fleissige ausbeutungsfreudige Asiate, der ist auch auf meiner Seite und rackert sich weiter freiwillig tot für meinen Konsum. Wirklich sehr geschickt. (Und an die Mär von den manipulierten Bildern glaube ich nicht, aber ich bin auch nicht youtube-gläubig — das Schema ist auch so simpel: In Syrien oder Tunesien, da ist das alles authentisch, hey, Facebook-Revolution, Baby, das sind Guten, ey. In GB oder so, da ist alles manipuliert, pöse Menschen leben da. Gähn)

    *Wie* man die Regierung vor sich her treibt, ohne im Gewaltrausch alles abzufackeln, das zeigt viel eher das Beispiel Ägypten oder meinetwegen Israel. Ach, den Blick auf 1989ff. lassen wir lieber, da sind die brit. Zombies doch zu deprimierend. Und wenn Gewalt, dann doch lieber Chile … da beschränkt sich die “revolutionäre Tat” und Aussage wenigstens nicht darauf eine Tüte Chips und eine Flasche Wodka zu klauen und einen TFT wegzutragen!

    Ach und putzig ist dieses rituelle Beschwören von den “menschlichen Werten”. Was soll da das Gegenteil sein? Tierische Werte? Unmenschliche Werte? Häh? Da merkt man jedenfalls immer: hier wird wenigstens tief gedacht. Mahlzeit.

    Und bevor das hier untergeht: Ich bin auch der Meinung, dass die Riots eine Folge des seit Jahren verschissenen britischen “Sozialstaats” und des offenen Rassismus seiner Organe sind und das Typen wie Blair oder Cameron sich ein Klo mit Murdoch in einer kleinen Zelle teilen sollten. Aber für dumm halte ich sie in dieser Form dennoch. Sie werde das Gegenteil bewirken, von dem was die Revoluzzer hier erhoffen.

  18. Uwe sagt:

    @paradoxus: gibt es ein Gegenteil von abzählbaren Dingen? Das Gegenteil von “menschlichen Werten” sind eher “keine menschlichen Werte”. Das Gegenteil von “Autos” sind ja auch nicht “Fahrräder” sondern “kein Auto”

  19. Roland i. s. S. sagt:

    Amazon.co.uk macht gerade ein Riesengeschäft mit Baseballschlägern.

    Ich dachte, die spielen nur Cricket :-)

  20. Rainersacht sagt:

    @paradoxus: Bisschen daneben ist auch vorbei. Oder: Richtig lesen kann man auch ohne Dialektik. Was willst du mir denn sagen, wenn du mir am Ende – ganz der geübte Dialektiker – zustimmst? Habe ich irgendwo geschrieben, dass ich die Riots für ein brauchbares und erfolgversprechendes Mittelchen gegen “die Regierung” halte? Aufstände jeder Art sind ein Indiz der Zuspitzung gesellschaftlicher Zustände. Rüstet ein Staat wie Großbritannien dann gegen weitere Riots auf, wird weiter zugespitzt, und irgendwann knallt’s richtig. Die auf dem Kapitalismus als Wirtschaftssystem basierenden Gesellschaften sind am Ende. Bekanntlich dauert es ein bisschen (siehe: Die Geschichte der Sowjetunion in den achtziger Jahren) bis sich das in die Veränderung von Machtverhältnissen übersetzt – und dann muss dabei auch nichts rauskommen, was besser ist als es vorher war.

    Ich frage mich bei Typen wie dir immer, woher genau ihr eure Arroganz bezieht. Würd mich einfach mal interessieren.

  21. paradoxus sagt:

    Mit Verlaub Rainersacht: Ich finde Typen, die im bequemen Sessel frohlockend von der sozialistischen Revolution mittels Gewalt schwafeln und das Ende des Kapitalismus herbeiphantasieren, einfach nur zum Kotzen. Ich wünsche viel Spaß bei der weiteren Zuspitzung und hoffe, dass demnächst mal jemand bei diesen Typen vorbeikommt und die neoliberalen “Machtverhältnisse” ändert. Ach, lassen wir das … wer vom Neoliberalismus labert, der hat meist eh keine Ahnung, schon gar keine historische.

  22. Rainersacht sagt:

    @paradoxus: Woher willst du wissen, dass ich im bequemen Sessel frohlocke, du Schwätzer? Auf welcher Grundlage maßt du dir an, mir fehlende Ahnung über den Neoliberlasimus zu unterstellen, die arrogantes A…?

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