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Kultur geflattrt

Urheberrecht und Kulturwertmark

Heute ist der jährlich stattfindende Welttag des geistigen Eigentums. Traditions­ge­mäß jammern an diesem Tag Kulturschaffende oder Journalistenverbände, wie schlecht es ihnen geht und wie das böse Internet ihnen alles klaut. Einen anderen Weg geht der Chaos Computer Club (CCC) und schlägt heute ein zeitgemäßes Vergütungsmodell für Kreative vor: Die Kulturwertmark. Im Prinzip ist das so etwas wie Flattr für Kulturschaffende und funktioniert so:

  1. Jeder Teilnehmer am System zahlt monatlich einen allgemein festgelegten Betrag. (In der radikalsten Variante wird der Betrag von allen Steuerpflichtigen erhoben. Realistisch ist für den Anfang die Erhebung über den Internetzugang.)
  2. In Höhe dieses Betrages erhält jeder Teilnehmer Einheiten einer kryptographisch gesicherten Micropayment-Währung, der Kulturwertmark.
  3. Jeder Künstler, der am System teilzunehmen wünscht, registriert sein Werk für die Teilnahme.
  4. Nutzer können nun auf einfache Weise einen Betrag in Kulturwertmark ihrer Wahl für das Werk an den Künstler transferieren. Sie erwerben damit keine persönlichen Rechte an dem Werk, sondern drücken ihre Wertschätzung aus. Es steht dem Künstler natürlich frei, beispielsweise für den Download eines Werkes von seiner Seite einen bestimmten Betrag der Kulturwertmark festzusetzen. Alternativ kann die Möglichkeit zum Ausgeben der Kulturwertmark in Werke integriert werden, die dann völlig außerhalb der Kontrolle des Künstlers getauscht oder per Filesharing weitergegeben werden können. Der Künstler erhält das Euro-Äquivalent der für ein Werk gezahlten Kulturwertmark in regelmäßigen Abständen ausgezahlt.
  5. Wird ein zuvor festgelegter Schwellwert erreicht, fallen die Verwertungsrechte für das Werk automatisch in den Besitz der Öffentlichkeit und stehen fortan unter einer freien Lizenz, beispielsweise einer geeigneten Variante aus dem Creative-Commons-Fundus.
  6. Beträge, die von den Teilnehmern innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (etwa ein Jahr) nicht ausgegeben werden, werden automatisch entsprechend aller vergebenen Beträge verteilt. Es gibt also eine vorhersehbare Menge Geld, die pro Jahr tatsächlich verteilt wird.
  7. Als Gegenleistung für diesen de facto garantierten Mindestumsatz wird das bisherige Urheberrecht deutlich zugunsten der Rezipienten geändert. Exzessiv lange Schutzfristen werden verkürzt, die zivil- und strafrechtliche Verfolgung nicht-kommerziellen Filesharings wird eingestellt.

Links:

Ich halte das für einen interessanten und diskussionswürdigen Ansatz, wenngleich ich an der Begründung noch ein wenig feilen würde (wenn ich das Wort »Marktdynamik« höre, höre ich die Nachtigall des Neoliberalismus trappsen ;) ). Aber auf jeden Fall scheint das Modell transparenter und unbürokratischer zu sein, als die bisher diskutierte Kulturflatrate. [Pressemit­teilung CCC]

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3 Kommentare

  1. [...] Seite ist, braucht man tatsächlich so etwas wie die Kulturwertmark. Womit sich der Kreis zum Beitrag von heute vormittag schließt. [Konstantin [...]

  2. [...] wenn ich dem Konzept der Kulturwertmark (siehe Beitrag von heute vormit­tag) erst einmal positiv gegenüberstehen, gibt es natürlich Probleme, die hiermit nicht gelöst [...]

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