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Diese Politik ist nicht meine Politik

Du hast schon wieder im Netz gegoogelt

Deutschlands oberste Jugendschutzwartin im Kampf gegen das böse Internet: Du – hast – schon – wieder – im – ausländischen – Internet – gesurft!

Wie Ihr sicher gehört habt, haben die Grünen als letzte Amtshandlung in Hamburg schnell noch den JMStV durchgewunken. CDU und SPD (die Partei ganz ohne Rückgrat) stimmten sowieso dafür. In NRW werden SPD und Grüne das Teil aller Voraussicht nach ebenfalls durchwinken und wenn der Berliner Senat mit den Stimmen der Linken (natürlich nur aus Gründen der Staatsraison) den Staatsvertrag ebenfalls passieren läßt, haben alle Parteien bewiesen, daß sie vom Internet weniger verstehen, als eine Kuh vom Eislaufen. Wählbar sind sie alle dann nicht mehr. Thomas Knüwers Wutrede findet meine volle Zustimmung:

Politik im Jahr 2010 ist keine Gestaltung mehr – sie ist ein Hindurchlavieren durch Zwänge. Sie ist kein Eintreten für eine Sache sondern ein Geschacher, das einen marokkanischen Teppichmarkt seriös erscheinen läßt.

Dieser Staatsvertrag ist keine Kleinigkeit. Er geht von der Idee aus, das Internet sei eine deutsche Sache. Man könne eine Alterskennzeichnung in das globalste aller Kommunikationsmedien einführen. Gerade so, als ob deutsche Jugendlich nur deutsche Seiten konsumierten, so wie es sich für deutsche Jugendliche zu gehören hat (den mitschwingenden Ton hören Sie schon recht, liebe Leser). Tatsächlich sprechen wir von der internationalsten, ja, globalsten aller Generationen der Menschheitsgeschichte. Und die muß nicht geschützt werden – das bekommt die prima selber hin. Also, im Internet, jetzt. Geschützt werden muß sie vor regelungswütigen Politikern, für die ein Browser weiterhin so alltäglich ist wie einst Siege für Tasmania Berlin in der Bundesliga.

Wie der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag das freie Publizieren im Internet nahezu unmöglich machen wird, könnt Ihr hier nachlesen: Lesepflicht für alle: 17 Fragen zum neuen JMStV.

Und ich habe begonnen, Isländisch zu lernen. [Fefes Blog, netzpolitik.org, Indiskretion Ehrensache, T3N.de]

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10 Kommentare

  1. Rainersacht sagt:

    Na ja, ein Satz wie

    “Tatsächlich sprechen wir von der internationalsten, ja, globalsten aller Generationen der Menschheitsgeschichte.”

    erinnert dann doch stark an dieses Internet-Manifest (Die Älteren werden sich erinnern), dass von liberalimliberalensinn Pathos nur so trieft. Manchmal möchte ich die Social-Media-Evangelisten nur fragen: Geht’s auch ne Nummer kleiner?

    Was bei diesem ganzen globalophilen Geschwafel immer vergessen wird: Die genannte Generation lebt nur da, wo Wohlstand auf Kosten der Armen in den ausgebeuteten Ländern herrscht. Okay, diese Sichtweise ist jetzt n Hauch oldschool… Vermutlich wird sie von den SM-Propheten als technophob betrachtet.

  2. LH sagt:

    “Die genannte Generation lebt nur da, wo Wohlstand auf Kosten der Armen in den ausgebeuteten Ländern herrscht.”

  3. LH sagt:

    “Die genannte Generation lebt nur da, wo Wohlstand auf Kosten der Armen in den ausgebeuteten Ländern herrscht.”

  4. LH sagt:

    Keine Ahnung was mein Browser da grad gemacht hat, aber das war natürlich nicht der ganze Beitrag ;)

    “Die genannte Generation lebt nur da, wo Wohlstand auf Kosten der Armen in den ausgebeuteten Ländern herrscht.”

    Das Internet verbreitet sich auch in Ländern, in denen nicht der westliche Wohlstand herrscht. Noch ist der Weg weit, aber die Zeit wird kommen das wir überall auf der Welt nutzbare Internetverbindungen haben. Mögen sie nicht alle gleich schnell sein, mögen die genutzen Computer nicht gleich leistungsstark sein, aber eine Grundversorgung ist wohl nicht mehr zu stoppen.

    Allerdings ist es auch richtig, noch gibt es weit genug Regionen der Welt die wichtigeres brauchen als das Internet, und diese Regionen sind heute sicher keine “globalen Dörfer”. Das kann und wird sich irgendwann ändern, aber wie schnell das geht?

  5. Die Grünen und der Sturm der Entrüstung…

    Es ist mehr als nur Entrüstung… es ist vor allem die Enttäuschung darüber, dass sich nun auch die Grünen als das zeigen, was sie sind: eine etablierte, in den Politik-Betrieb integrierte Partei. Auf Rivva ist dieser empfundene…

  6. Rainersacht sagt:

    @LH: Hoffentlich verbreitet sich das Internet auch in den armen Ländern. Das wird aber sicher nicht von der unsichtbaren Hand des Marktes (auf die unsere SM-Apologeten ja bekanntlich total stehen…) geregelt werden, denn die armen Länder sind für die Protagonisten des Internets nicht interessant, weil sie nicht wesentlich zum Konsum beitragen. Und dazu ist das Internet inzwischen ja im Wesentlichen da: Reklame machen für Waren und Dienstleistungen. Ich hab dieser Tage irgendwo gelesen, dass in allen afrikanischen Ländern zusammen etwa soviel Geld für Konsumprodukte ausgegeben wird wie in einer US-Stadt von der Größe St.Louis’.
    Erzähle mir doch keiner, dass das Internet noch vorwiegend zum Austausch und Veröffentlichen von Informationen gebraucht wird; es dient der globalisierten Konsumsteigerung.

  7. [...] viele werden wohl noch folgen (müssen)? Danke, SPD. Danke, Grüne. [heise online [...]

  8. [...] Beiträge zum Thema findet Ihr bei Textheld,  Yucca Tree Post, dem Schockwellenreiter und [...]

  9. [...] Diese Politik ist nicht meine Politik «Wie Ihr sicher gehört habt, haben die Grünen als letzte Amtshandlung in Hamburg schnell noch den JMStV durchgewunken. CDU und SPD (die Partei ganz ohne Rückgrat) stimmten sowieso dafür.[…]» [...]

  10. erich sagt:

    Die Wende: Ein Ladenlokal für das Internet! http://jojoclub.blogsport.eu/

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