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Jetzt jammern sie wieder …

auf höchstem Niveau: Christian Sprang vom Börsenverein des deutschen Buch­handels beklagte im Rahmen eines Fachgespräch der SPD-Bundestagsfraktion Anfang der Woche zur geplanten erneuten Novellierung des Urheberrechts, daß die Forscher sich einen »entschädigungslosen« Zugriff auf die Veredelungs- und Navigationsleistungen von Verlagen und die von ihnen aufgebauten Marken und deren Qualitätsimage wünschten. Dem Markt bliebe damit keine Chance. [heise online news]

Häh? Darf ich die Herren Verleger mal daran erinnern, daß sie außer dem Kassieren von hohen Druckkostenzuschüssen (je höher, desto (ver-) edler?) in der Regel keine »Veredelungsleistungen« mehr erbringen? Sie verlangen von den Wissenschaftlern die Lieferung einer ready to print-Vorlage (und so sehen die Bücher dann auch aus). Viele Wissenschaftsorganisationen leisten sich mittlerweile eigene Lektoratsabteilungen, weil selbst diese eigentlich selbstverständliche Leistung von den Wissenschaftsverlagen — und zwar gerade von den großen — nicht mehr erbracht wird.

Darf ich die Herren Verleger außerdem daran erinnern, daß daher Wissen­schafts­verlage absolut überflüssig sind? »Der Markt« braucht sie einfach nicht mehr, denn das bißchen Vertrieb können die Wissenschaftsorganisationen dann auch noch alleine. Dafür haben »die Forscher« das Internet schließlich erfunden. [Kai S. per Email.]

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4 Kommentare

  1. Moss sagt:

    Ja naja, so ein bißchen was machen wir als (kleiner) SatzTeXnikbetrieb schon noch an den Beiträgen, die die Autoren liefern; da werden beispielsweise auch viele als Worddatei geliefert und müssen erstmal nach LaTeX konvertiert werden. Die Beiträge, die wir setzen, werden übrigens alle vom Verlag lektoriert und haben ein mehrstufiges Peer-Review-System durchlaufen.

    Dieser Tage vergibt man übrigens einige bisher von den Autoren und Fachredaktionen camera-ready gelieferte Mathematik-Zeitschriften an Satzdienstleister wie mich; da sieht es allerdings gerade so aus, als würde der Großbetrieb in Indien gewinnen. Ist halt billiger. :-/

    Aber trotzdem hast Du natürlich Recht: mindestens für den wissenschaftlichen Gebrauch sollte das Material frei und unentgeltlich zugänglich sein.

  2. tschill sagt:

    Vollkommen richtig. Nicht nur, daß man den Inhalt erstellt, auch die Formatierung aller Grafiken, Texte etc. werden jetzt von den Autoren verlangt. Graphikdesign ist allerdings häufig nicht gerade etwas, was man in naturwissenschaftlichen Studiengängen erlernt. Wozu auch, wenn man sich mit Quantenphysik, Fullerenen oder Proteinkinasen beschäftigt?

    Gänzlich unverschämt ist dann allerdings, daß der Staat nicht nur die Publikation durch Forschungsgelder gefördert hat, sondern danach auch noch gezwungen werden soll, die eigenen Forschungsergebnisse von den Verlagen zurückzukaufen. In den USA und UK hat man darauf mittlerweile richtig reagiert – für staatlich geförderte Forschungsergebnisse besteht die gesetzliche Pflicht, sie öffentlich zugänglich zu machen. Eine gesetzliche Grundlage, derer Deutschland noch harrt.

  3. Mike Glünz sagt:

    Der Beitrag ist mir aus dem Herzen gesprochen. Als Verfasser und Herausgeber einer Anzahl geisteswissenschaftlicher Publikationen bin ich noch nie in den Genuss irgendwelcher Veredelungsleistungen durch einen Verlag gekommen. Die einzige Funktion die der Verlag jeweils hatte war der Vertrieb – und der wurde meist nach einigen Jahren eingestellt, weil man die unverkauften Exemplare vernichtete. Heute ist ein Vertrieb durch Verlage im wissenschaftlichen Bereich nicht mehr erforderlich, elektronische Texte und Print-on-demand eignen sich weitaus besser, um Werke an den Mann und die Frau zu bringen.

  4. paradoxus sagt:

    Völlig richtig! Ich kann mich meinen beiden letzten Vorschreibern nur anschließen, es wird hohe Zeit, dass das akademische Publikationswesen stark durchlüftet wird. Zumindest Qualifikationsarbeiten sollten zunächst online und dann, wenn der Verlag das stemmen will gerne, “traditionell” veröffentlicht werden. Die Naturwissenschaften sind da m. W. schon weiter, aber “hier” in den Geisteswissenschaften werden Doktoranden bzw. die Förderinstitutionen noch fleißig abgezockt für minderwertige Arbeit (wie ich aus leidvoller Erfahrung bemerken durfte). In ein paar Jahren, wenn die Unterschreiberlinge des Heidelberger Appells Emeriti sind, kann man das auch bei allen anderen staatlich geförderten Forschungsarbeiten einführen (notfalls GG-Änderung, wenn die Forschungsfreiheit im Wege steht).

    PS: Es wäre aber naiv, wenn man glaubte, OA & Co. wären “unentgeltlich”. Auch das kostet natürlich, ev. nicht zu knapp (auch wenn ich die Berechnungen von Uwe Jochum für falsch halte), hat aber zumindest theoretisch (wenn man über Computer & Netz verfügt) den Vorteil der rascheren und praktischeren Verfügbarkeit. Nett, wenn man wie ich in Berlin hockt und bspw. regelmäßig über die Stabi abk..t oder Hassgefühle ggü den Institutsbibliotheken der FU entwickelt :-)

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