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Das große Löschen

Christoph Witte über die große Löschaktion (rund 70 Prozent der bisherigen Inhalte) der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aufgrund des »neuen« 12. Rundfunk­staatsvertrages, der auf Druck der privaten Verlage und Medienunternehmen zustande kam:

Auf den ganzen Serienkram, der jetzt nach sieben Tagen aus dem Netz genommen werden muß oder den 25tausendsten Kalorienzähler, den die öffentlich rechtlichen jetzt auch nicht mehr in ihrem Online-Angebot haben dürfen, verzichte ich gerne. Aber das Politiksendungen ebenfalls schon nach einem Jahr offline gestellt werden müssen und nur Kultur und zeitgeschichtliche Dokumente nach dem sogenannten Verweildauerkonzept des Staatsvertrages nicht gelöscht werden müssen, ist nicht zu fassen. Auf diese Weise verliert das Netz ein ganzes Stück Gedächtnis und gerade dort wo Erinnern dringend gebraucht wird. Im Politikbetrieb, beim Überprüfen von Glaubwürdigkeit und Rechtschaffenheit von Politikern. Ohne jederzeit über Suchmaschinen abrufbare ältere Inhalte verliert der Normalverbraucher nämlich das, was ihm vor den Zeiten des Web nie zur Verfügung stand. Ein Archiv!

Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, daß den privaten Verlagen, Rundfunkanstalten und TV-Sendern diese Löschaktion nicht helfen wird. Wir brauchen sie nämlich trotzdem nicht. [Czyslansky]

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Ein Kommentar

  1. NetReaper sagt:

    Man darf sogar noch weiter gehen: die große Gier der privaten Medienunternehmer wirkt in diesem Punkt sogar demokratiebehindernd. Zwar nicht unmittelbar, aber mittelbar.

    In einer Demokratie ist es Dreh- und Angelpunkt, dass man weiß welcher Politiker wann was gesagt oder getan hat, und ob man sich auf seine Versprechen verlassen kann.

    Wichtige, teils historische Dokumente versauern in den Archiven der Öffentlich-Rechtlichen, anstatt dass sie digital vollindexiert zur Verfügung gestellt werden. Und genau das steht letztendlich dem politischen Willensbildungsprozess im Wege. Etwas, was man nicht gerade als “kleine Ärgerlichkeit” bezeichnen kann, sondern was effektiv ein riesiges Desaster ist.

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