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Sexismus in der Justiz

Ich fasse es nicht: Da vögelt ein Mann allzu sorglos ohne Gummi … und die HIV-infizierte, junge Frau wird vor den Richter gezerrt und bestraft (als ob sie nicht mit ihrer Krankheit schon bestraft genug wäre). Und der kautschukverachtende Macho darf sogar noch als Nebenkläger auftreten. Das Signal, das von diesem Urteil ausgeht, sei fatal, meint Gisela Friedrichsen mit Recht:

Auch die Tatsache, daß der leichtfertige Partner, der mehr an sein Vergnügen denn an seine Gesundheit denkt, von der Justiz als »Opfer« behandelt wird, ist ein bedenkliches Signal, denn Verantwortung tragen beide, für sich und den anderen gleichermaßen. […] Eigentlich ist sie [die HIV-infizierte Frau] mit all dem gestraft genug für ihr Leben. Einer Strafe durch die Justiz hätte es nicht mehr bedurft.

Ich will ja jetzt nicht unbedingt als »Frauenfreund« auftreten — die Rolle liegt mir wahrlich nicht —, aber dieses hanebüchene Urteil halte ich für Sexismus pur. [Spiegel Online]

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17 Kommentare

  1. LH sagt:

    Die Verurteilung war wichtig, da sie immerhin wissentlich einen anderen Menschen mit einer tödlichen Krankheit infiziert hat. Er hat sicherlich ebenfalls einen Fehler begangen, aber am Ende war sie es, die bewusst sein Leben gefährdet hat. Das muss bestraft werden.
    Die Begründung, das Leben hat sie genug bestraft, wäre kaum haltbar und dem Opfer, das zu recht davon ausgehen konnte das es gewarnt werden würde wenn eine bekannte Infektion vorliegt, extrem ungerecht gegenüber.

    Zudem muss man auch sehr vorsichtig sein: Es gab bereits mehrfach Fälle, in denen HIV infizierte bewusst und gezielt Menschen mit dem Virus infiziert haben, eben WEIL sie sich vom Leben bestraft gefühlt haben, und dieses leiden nun auch anderen antun wollten. Das darf eine Gesellschaft nicht zulassen. Und entsprechend muss sie auch hier handeln.
    Das sie hier nicht absichtlich ihren Partner infiziert hat, wer kann das heute schon sagen? Am Ende war es ein sehr mildes Urteil für das Leiden, das dem Opfer angetan wurde.

    Das auch das Opfer dumm gehandelt hat, das ist ohne Zweifel. Aber das spricht Nadja Benaissa ja nicht von ihrer Schuld frei.

  2. G. Eigenkast sagt:

    HIV-krank gibt es nicht. Ein Mensch kann das HI-Virus in sich tragen (und übertragen) und dann evtl. später an AIDS erkranken.

  3. Jörg Kantel sagt:

    @LH: ‘Tschuldigung, aber wer ohne Gummi poppt, ist kein »Opfer«.

  4. Alex P. sagt:

    Lieber Jörg,
    was ist denn das für ein Rechtsverständnis?

    ‘Tschuldigung, aber wer ohne Gummi poppt, ist kein »Opfer«.

    Soll das heissen:

    “Wer bei rot über die Straße geht (und überfahren wird), ist kein Opfer?”
    “Wer seine Haustür nicht abschließt (und beklaut wird), ist kein Opfer?”
    “Wer sich als Frau freizügig kleidet (und vergewaltigt wird), ist kein Opfer?”
    usw….

    Entschuldigung, aber die Frau hat doch gewußt, dass sie HIV hat, um wenn sie ohne Gummi poppt, dann ist sie doch Täterin.

    Kann’s nicht glauben
    Alex

  5. LH sagt:

    @Jörg: Er trägt sicher auch seinen Teil der Verantwortung, nur tilgt das ihre Verantwortung wie gesagt nicht. Und natürlich ist er ein Opfer von ihrem Handeln und der Krankheit, wie auch Nadja Benaissa ein Opfer der Krankheit ist. Nur ist sie eben, durch ihr Handeln, hier zu einem Täter geworden.

    Sie hätte ihn warnen müssen, das ist etwas das man weder rechtlich noch moralisch wegdiskutieren kann. Sie hat es aber nicht getan. Dafür war die Strafe, angesichts der Folgen, noch sehr zurückhaltend, und sicher der (hoffnugen in die) heutigen Medizin geschuldet. Vor 10 Jahren wäre das sicher anders ausgegangen.

  6. G. Eigenkast sagt:

    Ich will ja nicht penetrant sein, aber so ist das noch immer falsch:

    ” … (als ob sie nicht mit ihrer Krankheit schon bestraft genug wäre). ”

    Soviel ich weiß ist sie nicht an AIDS erkrankt, sie ist nur mit HIV infiziert. Du solltest daher nicht von Krankheit sprechen, sondern von Infektion.

  7. Rumpelstilzchen sagt:

    Sexismus in der Justiz, in der Tat. Wären die Geschlechterrollen nämlich vertauscht gewesen, wäre die Strafe nicht so milde ausgefallen, wie Urteile aus der Vergangenheit belegen:
    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/aids/article/543425/partner-hiv-angesteckt-urteile.html

  8. Maschinist sagt:

    Sach mal: Hast Du sie beisammen?

    Sie ist infiziert. Mit was auch immer (letztlich ist es egal), auch wenn sie es verdrängte (durchaus nachvollziehbar). Aber: Sie weiss das – und sagt es nicht. Das ist strafbar, das muss strafbar sein.

    Das hat doch wirklich nichts mit Sexismus zu tun. Es wäre eher Sexismus mit umgekehrten Vorzeichen, sie hat ihrerseits genau so auf ein Gummi verzichtet, oder?

    Diese Mär vom bösen frauenverachtenden, geilen Macho in der Brunft und ohne Rücksicht und Verstand – Das ist Sarrazin-Niveau.

    Selbst Der Spiegel weiss warum er Frau Friedrichsen nicht zum BVerfG oder ähnlichen Institutionen schippern lässt.

  9. NetReaper sagt:

    Soso, alles klar.

    Wenn ein Mann HIV-positiv ist, und sich wild ungeschützt durch die Gegend vögelt “weil er es den Frauen so richtig zeigen will”, der ist also nur ein armes Opfer seiner Infektion?

    Menschen, die andere Menschen bewusst mit HIV anstecken sind _Killer_, keine “Opfer”.

  10. dorfdisko sagt:

    Die Rolle der unmündigen und unschuldigen Frau hatten die Damen in Deutschland doch jetzt lange genug. Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Danach schreien doch immer alle. Frauen in Führungspositionen! Aber sobald was passiert, sollen sie wieder kleine, unschuldige Mädchen sein? Nä! Was ist nun, sind wir emanzipiert oder nicht?
    Ich denke, das Urteil ist gerechtfertigt. Allerdings fand ich den medialen Umgang mit dem Fall äußerst bedenkenswert.

  11. Inforitter sagt:

    Hmm…es gibt sicher unzählige Menschen auf der Welt, die das HIV in sich tragen, ohne es zu wissen? Sind die auch Täter? Oder Opfer?

    Juristisch betrachtet ist das Urteil wohl gerechtfertigt. Weil das Gericht nach dem sogenannten Stand der Wissenschaft davon ausgeht, das eine HIV-Infektion Lebensgefahr bedeutet.
    Aber, bei ungeschützem Geschlechtsverkehr können auch jede Menge anderer fieser Erreger übertragen werden. Demnach gehören wenn, dann beide Partner auf die Anklagebank!

    Ist eine HIV-Infektion wirklich todbringend?
    Laut Wikipedia ist das HIV ein Lentivirus, was ein Leben lang im Körper sein kann, ohne Schaden anzurichten. Und natürlich dann auch generationsübergreifend. Wie viele andere Retroviren auch, wird es nur dann aktiv wenn die Umstände “günstig” sind. Wenn das Immunsystem zu stark geschwächt wird. Doch dann treten noch viele, viele andere Erreger, die in unserem Körper “schlafen” an!

  12. LH sagt:

    “Hmm…es gibt sicher unzählige Menschen auf der Welt, die das HIV in sich tragen, ohne es zu wissen?”

    Das ist aber genau der Punkt: Sie wusste es. Damit hat sie auch die Verpflichtung ihre Partner über das Risiko zu informieren.
    Niemand würde jemanden der von seiner Krankheit nichts wusste etwas anlasten. Sie wusste es aber.

    “Ist eine HIV-Infektion wirklich todbringend?”

    Bis auf in ganz wenigen Fällen: Ja.

  13. Wenn eine Frau ‘allzu sorglos ohne Gummi’ vögelt, dann wird der HIV-infizierte Mann nicht nur ‘vor den Richter gezerrt’ (als ob er nicht mit ihrer Krankheit schon bestraft genug wäre), sondern geht auch tatsächlich für viele Jahre hinter Gitter – gerade im Juni 2010 hat ein Mann dafür 5 Jahre bekommen, schon 2007 wurde jemand für 8 Jahre weggesperrt.
    Insoweit ist das milde Urteil gegen Frau Benaissa tatsächlich ‘Sexismus pur’ – allerdings insoweit, als die Dame einen üppig bemessenen Frauenbonus bekommen hat.
    Gisela Friedrichsen versuchte schon vor der Verhandlung im SPIEGEL, aus dem Gerichtstermin eine Verschwörung von 5 Männern ( Staatsanwalt/Amtsanwalt/2 Polizisten/Richter) zu machen und findet, ein Strafbefehl hätte es getan. Und natürlich sind an allem Unglück Männer schuld, die die Täterin ausnutzten, bevormundeten und die ihr ihre ‘Rolle vorschrieben’. Das Übliche also – Frauen sind via Geschlecht unschuldig, tragen nie Verantwortung. Man kann sich ausrechnen, wie so ein Artikel aussehen würde, wenn es um einen männlichen Täter ginge.

  14. Piratenweib sagt:

    Wie wurde eigentlich festgestellt und bewiesen, dass der Mann von der Beschuldigten mit HIV angesteckt wurde und nicht von irgendeiner anderen Sexualpartnerin oder Sexualpartner?

  15. LH sagt:

    “Wie wurde eigentlich festgestellt und bewiesen, dass der Mann von der Beschuldigten mit HIV angesteckt wurde und nicht von irgendeiner anderen Sexualpartnerin oder Sexualpartner?”

    100% kann man es nie sagen, da der Virus mutiert, allerdings sind laut Berichten beide Viren (ihre und seine) von einer sehr seltenen Art, sodass es als erwiesen gilt.

  16. Tom sagt:

    Hier haben beide falsch gehandelt. Sie hätte ihn aufklären müssen und er hätte sich schützen müssen. Bei ihm würde ich es Dummheit nennen, bei ihr Vorsatz. Schließlich war er ja nicht ihr einziges “Opfer” zu der Zeit. Die anderen hatten nur Glück.

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