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Büchersonntag

Leserin (mit Socken)

In den letzten Wochen ist einiges neu in meiner Bibliothek angekommen, nur hatte ich zu wenig Zeit, neben dem Lesen auch noch darüber zu schreiben. Nun werde ich alles in größeren Schüben abarbeiten müssen.



Wie ich schon einmal schrieb, muß ich mich zur Zeit aus beruflichen Gründen mit AppleScript auseinandersetzen, da es unter MacOS X die einzige Skriptsprache zu sein scheint, die ohne Klimmzüge mit UTF-8 und UTF-16 zurande kommt. Also habe ich mir erst einmal AppleScript: The Missing Manual von Adam Goldstein angeschaut. Es ist ein grundsolides Buch, das die Grundzüge der Sprache beschreibt. Mehr aber auch nicht. Irgendwie fehlt dem Buch etwas, das den Spirit von AppleScript auf den Leser überträgt.

So etwas kann dagegen Matt Neuburg großartig. Seinem Buch AppleScript: The Definitive Guide kann man höchstens vorwerfen, daß dem Autor vor lauter Begeisterung manchmal etwas die logische Stringenz abhanden gekommen ist. Es ist ähnlich wie bei seinem — von mir ebenfalls und immer noch geschätzten — Frontier-Buch: Man muß es erst einmal komplett durchlesen, um später zu wissen, an welchen Stellen man nachschlagen kann. Aber das ist eigentlich kein Nachteil, denn Matt schreibt witzig und erklärt vieles ausführlich aus dem Schatz seiner großen Erfahrung (und eben nicht nur aus der Handbuch-Lektüre).

Ein ganz anderes Kaliber sind die fast 850 Seiten, die Detlef Schulz unter dem Titel Apple Script: Der automatische Mac verfaßt hat. Es ist ein hervorragend gegliedertes Buch, daß sowohl als Handbuch zum Nachschlagen wie auch als umfangreiche Einführung in AppleScript genutzt werden kann. Wer sich einmal durch diese Schwarte durchgeackert hat, für den dürften fast alle Fragen zu dieser Skriptsprache beantwortet sein.

Mindestens ebenso ausführlich und umfangreich ist AppleScript: The Comprehensive Guide to Scripting and Automation on Mac OS X von Hanaan Rosenthal. Mir gefällt es sogar noch einen Tick besser als das vorgenannte Buch: Die Erklärungen sind an einigen Stellen deutlicher und die Beispielskripte mehr an meine Situation angepaßt — aber das ist natürlich eine ganz individuelle Bewertung.

Trotzdem, mein Fazit: Wer englisch lesen kann, hat mit Hanaan Rosenthals Buch sicher die richtige Wahl getroffen (man bekommt es schon recht günstig auf Amazons Marketplace), die anderen sind mit der Schwarte, die Detlef Schulz für uns geschrieben hat, sicher ebenso gut bedient. Und wer beim Lesen richtig Spaß haben will, der greife zu Matt Neuburgs Buch (wobei das Hundebild auf dem Cover — ein Boston Terrier — bei mir sowieso einen Kaufanreiz auslöst.) ;-)

Eine Warnung noch: In fast allen genannten Büchern wird Facespan von Late Night Software zur Entwicklung von GUI-Programmen mit AppleScript empfohlen. Doch die Weiterentwicklung dieser Software wurde vor einem Jahr eingestellt. Dagegen kann ich Smile von Satimage (frei wie Freibier), das auch fast überall erwähnt wird, durchaus empfehlen.



Doch nun ein paar komplett andere Themen: Über Processing hatte ich schon lange nicht mehr berichtet, doch auch hier gibt es ein paar neue Bücher. Einmal haben Casey Reas und Ben Frey mit Getting Started with Processing ein nettes kleines und preiswertes Anfängerbuch für diese faszinierende Sprache vorgelegt. Ein kleines Büchlein nur, doch mit hochinteressanten Beispielen, die zeigen was man in Processing mit wenigen Zeilen Code schon alles anstellen kann, für den Einsteiger genau das Richtige. Kaufempfehlung!

Für erfahrene ActionScript- (oder andere) Programmierer hat Ira Greenberg The Essential Guide to Processing for Flash Developers geschrieben. An diesem Buch hat vor allem derjenige Spaß, der schon in irgendeiner Sprache (es muß nicht unbedingt ActionScript sein) programmiert hat. Hier werden vor allem Dingen weitergehende Konzepte erläutert (speziell die objektorientierte Programmierung) und an längeren, ausführliche Beispielen vorgeführt. Die Beispiele sind aus den Bereichen 3D-Graphik-Programmierung, Bildverarbeitung, Emergenz und komplexe Systeme, künstliche Intelligenz und andere verwandte Gebiete. Also alles in allem ist auch dies ein extrem spannendes und lehrreiches Buch.

Und noch einmal Themenwechsel: Wer schon immer wissen wollte, was man mit Googles Texten und Tabellen, seinem Google-Mail-Konto, dem Kalender, Picasa, YouTube, Blogger etc. so alles anstellen kann und wie die einzelnen Web-Anwendungen auch zusammenspielen können, dem bietet Google Apps Hacks von Philipp Lenssen eine ideale Grundlage. Zwar ist das Buch schon etwas älter und daher sind einige neuere Entwicklungen natürlich nicht berücksichtigt, aber als Einstieg ist es durchaus brauchbar, zumal man auch dieses Werk auf Amazons Marktplatz recht günstig erwerben kann.

Brandneu hingegen ist das ZukunftsWebBuch 2010: Chancen und Risiken des Web 3.0, eine Sammlung von Essays mit Antworten, Ausblicken und Perspektiven von Autoren aus dem Umkreis der österreichischen Künstlergruppe monochrom und der Semantic Web Company (wenn ich das richtig verstanden habe). Ich bin mit der Lektüre noch nicht ganz durch, einige Aufsätze haben mich aber durchaus begeistert, andere meinen Widerspruch hervorgerufen. So soll es schließlich auch sein, denn nur ein kritisches Buch ist ein lesenswertes Buch. Und auf der Website des Projekts wird die Diskussion fortgeführt.

So, das war der Büchersonntag im Schockwellenreiter. Morgen geht es weiter mit blogging as usual

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7 Kommentare

  1. Webmeister sagt:

    Danke für die vielen Buchtips. Da sind auch wieder ein paar Titel die mich interessieren.

    “Getting started with Processing” kann ich auch sehr empfehlen. Das Lesen und die vielen Beispiele haben mir viel Spass bereitet. Das Büchlein kann ich auch empfehlen.

    Apropos Bücher:
    Ist die Buchverlosung von Anfang Juni im Sand verlaufen?
    Hast du Lust eine Rezension meines Buchtitels “Arduino Praxiseinstieg” beim Schockwellenreiter zu schreiben? Falls Interesse besteht, sende ich dir gerne ein Exemplar zu.

    Grüsse aus der Schweiz
    Thomas

  2. Jörg Kantel sagt:

    Schick mir doch einfach ein Exemplar zu — ich werde schon die Gelegenheit finden, es zu besprechen. ;-)

  3. Webmeister sagt:

    Lieber Jörg,

    hast du in der Zwischenzeit mein Werk “Arduino Praxiseinstieg” gelesen?
    Über einen kurzen Feedback beim Schockwellenreiter würde ich mich sehr freuen. ;-)

    Gruss
    Thomas

  4. Webmeister sagt:

    Hallo Berlin

    Scheinbar ist der Schockwellenreiter noch am Lesen und hat keine Zeit in seinem Blog mitzudiskutieren. Schade, da sendet man kostenlos ein Buch und hört nichts mehr.
    :-(

  5. Jörg Kantel sagt:

    @Webmeister: Zur Zeit kämpfe ich noch mit den Nachwirkungen, die der Tod meines Hundes in meiner Psyche hinterlassen hat und bin daher etwas ausgebremst. Daher bitte ich um Nachsicht.

  6. Webmeister sagt:

    Lieber Jörg,

    der Tod eures lieben Vierbeiners hat viele geschockt. Ich wünsche dir viel Kraft bei der Bewältigung des Abschiedsschmerzes.

    Da mein Titel immer noch in deiner Leseliste ist, hast du das Thema noch nicht abgeschlossen. Auf eine kurze Erwähnung freue ich mich. ;-)

    Grüsse aus der Schweiz
    Thomas

  7. Webmeister sagt:

    “Schick mir doch einfach ein Exemplar zu..”

    Exemplar hast du bekommen

    “” … — ich werde schon die Gelegenheit finden, es zu besprechen. ”

    Bisher nicht erfolgt.

    Leider antwortest du mir weder auf meine Kommentare noch auf auf meine Mailanfragen.

    Anstandshalber könntest du mir wenigstens ehrlich sagen, dass du keine Lust hast.

    T.

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