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Google läutet das Ende der Netzneutralität ein

Google schlägt den Netznutzer

Abbildung: Google schlägt das freie Netz — wie man sieht, ist der Gigant ziem­lich »(d)evil«.

Mit dem Google-Verizon-Deal hat der Internetkonzern das Ende der Netzneutra­lität eingeläutet und sich endgültig von seinem Motto »Don’t be evil« verabschiedet. Denn sollte der Vorschlag des Bündnisses der Riesen durchkommen (und bei der Größe der beiden Unternehmen haben ihre Stimmen schon entsprechendes Gewicht) würde dies ein Zwei-Klassen-Internet zur Folge haben. Der Webhoster 1&1 erklärte es drastisch:

Für die Millionen privater Website-Betreiber und kleineren Unternehmen könnten am Ende nur die Krümel des »Best-Efforts« bleiben.

Auch die amerikanische Organisation Free Press kritisierte den Deal scharf:

Würden Kongress und FCC diese Prinzipien übernehmen, würde dies bedeuten, daß das freie und offene Internet in eine geschlossene Plattform wie Kabelfernsehen umgewandelt werden würde.

Nur die (privatisierte) Deutsche Telekom freut sich und hat schon — wie einst Dagobert Duck — Dollarzeichen in den Augen. Und die Bundesnetzagentur macht das, was sie immer tut: Sie hält sich zurück.

Ich war zur 2. Collaboratory-Expertengruppe zum Thema »Open Government« von Google eingeladen und hatte mich auch dort schon beteiligt. Als Reaktion auf diesen Angriff auf ein freies, demokratisches und partizipatives Netz habe ich meine Mitarbeit aufgekündigt. Man muß schließlich Zeichen setzen. [heise online news, futurezone.ORF.at]

[Update]: Kann man mitunterzeichnen: Initiative pro Netzneutralität, denn Netzneutralität ist elementar für unsere Demokratie. Ich bin Unterstützer Nummer 47 55 56 58 (wie zählen die denn da?). [netzpolitik.org]

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8 Kommentare

  1. iknopf sagt:

    Habe da mit uneingeschränkter Kritik des Deals einige Bedenken:
    Letztlich macht Google hier nichts anderes, als die Regierungen weltweit, wenn sie eine Straßenmaut einführen. Die Gegenargumente, daß die Straßen – ebenso wie das Internet – ja ohnehin schon vom Steuerzahler finanziert worden sind, sind ja grundsätzlich richtig. Aber die Maut – egal ob Internet oder Straße – hat neben (sicher gewollten) finanziellen Aspekten auch eine sparsamere Nutzung der Ressourcen der Menschen zur Folge.
    Die Alternative zur Ressourcenbeschränkung wäre ein weiterer hemmungsloser Ausbau des Autobahnnetzes und der Datenkommunikation, um mal bei den beiden Beispielen zu bleiben.

    Ich kann natürlich einerseits gemeinsam mit Greenpeace, Attac & Co. für Nachhaltigkeit, für Klimaschutz, gegen uneingeschränktes Wachstum demonstrieren und andererseit fordern, Autobahnen, Handys und Internet immer dabeizuhaben, koste es was es wolle. Glaubwürdig scheint mir diese Haltung aber nicht.
    Die Menschheit muß sich m.E. darüber im klaren werden, ob der Erhalt einiger Inseln im Pazifik oder in Bangladesh wichtiger sind oder, daß der letzte Bergsteiger im Himalaya schnell noch sein favorisiertes Youtube-Video schauen kann – und zwar ohne Ruckler!

    Daß diese Ressourcenbeschränkung zum Geldverdienen bei Telekom, Google und Co. führt, dagegen kann man m.E. gern auftreten. Diese Aufgabe sollte man aber nicht der Bundesnetzagentur überhelfen, die würden das nicht allein schaffen.

  2. LH sagt:

    @iknopf

    “auch eine sparsamere Nutzung der Ressourcen der Menschen zur Folge.”

    Nur ist es nicht das, worum es den Firmen hier geht, und auch nicht das was passieren wird. Hier geht es darum das sich Firmen auf einer Autobahn 2 von 3 Spuren sichern können, schlimmstenfalls müssten “wir” dann im Stau stehen, während die dicken Autos der Firmen vorbeirauschen. Und das, obwohl “wir” auch die anderen beiden Spuren schon mitbezahlt haben (wir zahlen ja für den Internet Zugang bereits).

    Das Problem mit dem Ausbau der Datennetze sehe ich hingegen nicht. Bandbreite wird immernoch vor allem durch Kabel, die durch Lannd und Meere gezogen sind, erzeugt, welche aber für die Natur fast bedeutungslos. Ein relativ dünnes Unterseekabel ist im Vergleich zu einer Ölpest praktisch nicht existent.
    Wirklich viel (Energie) wird bei den Servern und den User-PCs verbraucht, und das entsteht so oder so, auch bei geringerer Bandbreite.

  3. iknopf sagt:

    @LH

    “Ein relativ dünnes Unterseekabel ist im Vergleich zu einer Ölpest praktisch nicht existent.”

    Wage ich zu bezweifeln. Ich arbeite nicht in der Kabelherstellung, aber ich vermute, die Herstellung von Glasfaserkabeln ist Hightech in Reinkultur, einschließlich der zur Herstellung verwendeten Rohstoffe – von Bio-Glasfaserkabeln, produziert aus nachwachsenden Rohstoffen – habe ich noch nie gehört.
    Ich denke, das Thema ist viel zu komplex, als daß ein schematisches Gegenüberstellen “böse Ölpest vs. gute IT” hier ausreichend wäre.

    Daß es den beteiligten Firmen nicht um die Rettung der Welt, sondern nur ums Geldverdienen geht, scheint unstrittig. Aber wenn die Rettung der Welt mit abfiele… Telekom & Google in Analogie zu Mephisto als die Firmen, die “böses wollen und gutes schaffen”?

  4. LH sagt:

    @iknopf: Ich glaube offen gesagt auch nicht das die Produktion ein wesentlicher Umweltfaktor ist.

    Zudem glaube ich nicht, das die Umwelt am Ende geschohnt würde, würden wir die Netzneutralität verlieren. Wie gesagt entstehen die meisten Probleme bei den Servern und bei den Clients, die würden aber mit nichten weniger werden. Die größten Umweltsünden geschehen gerade bei Google, Amazon und co. durch die Masse der Server, und diese Firmen wären garnicht eingeschränkt.

  5. iknopf sagt:

    @LH, erst einmal eine grundsätzliche Klarstellung, da die Diskussion in die falsche Richtung abzugleiten droht:

    Daß es beim Kampf um die Netzneutralität um Informationsfreiheit, Chancengleichheit und – wie immer in dieser Welt – das ganz große Geld geht, ist unbestritten. Die potentiell mögliche Ressourcenschonung, wenn sie denn passieren sollte, wäre allenfalls ein “Abfallprodukt”.
    Das meinte ich, als ich in meinem ersten Kommentar schrieb, daß ich die Kritik am genannten Deal “nicht uneingeschränkt” teilen kann. In ihrer Kernaussage ist sie völlig korrekt.

    Die Welt ist nur deutlich komplexer; und die uneingeschränkte Jagd nach Informationsfreiheit, so wichtig diese auch ist, hat eben doch die eine oder andere Auswirkung auf den “Rest” außerhalb des Internets. Es bräuchte halt ein “Gesamtkonzept” für die Gesellschaft, aber das einzige Konzept, nach dem sich in dieser Welt alles dreht, heißt “Gewinnmaximierung”.

    Zu Deinen Zweifeln, ob die Produktion ein wesentlicher Umweltfaktor sein, wollte ich Dir eigentlich ein paar Links schicken, konnte aber auf die Schnelle keine finden. Technologielastige Zeitschriften wie “c’t” oder “Technologie Revue” berichten gelegentlich über dieses Thema.
    Um an die Rohstoffe zu gelangen, werden Kriege geführt, wird die Bevölkerung der betroffenen Gebiete vertrieben, werden Regenwälder abgeholzt.
    (Wir müssen unsere weitere zeit nicht damit vergeigeln, uns über Details von Rohstoffabbau und Produktion nicht weiter unterhalten – Du scheinst ebenso ein Experte zu sein, wie ich es bin.)

    Und wofür diese Umweltzerstörung? Damit ich jederzeit in Youtube hineinschauen kann, schließlich habe ich ja Steuern bezahlt?
    Sorry, da warte ich lieber! Auch, wenn ich mit dieser Meinung als Außenseiter gelten sollte.

    Ciao.

  6. Kleiner Einschub bzgl. des Zählen der Unterstützerstimmen: Vor dir haben einigen schon sich eingetragen, aber erst nach dir ihre E-Mailadresse bestätigt, daher rutschen sie vor dich ;-)

  7. Netzneutralität gab es nicht und wird es vielleicht dank eures Engagement vielleicht irgendwann mal geben – habe ich aber da drüben schon was zu gesagt: http://www.falk-lueke.de/index.php/2010/08/11/pro-netzneutralitat/#comment-53513

    Hier nochmal in Kopie:

    Netzneutralität? Wo gibt es die? Nirgends. Schon immer wurde per Priority Peering, Throtteling etc. das Netz gezielt gesteuert. Nicht immer zu dem Zweck allen Nutzern gleichmäßig viel Internet zu vergeben. Mit IPv6 wird sich dort zusätzliches einiges Ändern weil die Unart mehrere Devices hinter einer IP zu verstecken wegfällt (Stichwort NAT).

    Die Verfügbarkeit von DSL Bandbreiten werden zum Beispiel von der Telekom in gewissen Gebieten nicht anhand der Entfernung zum DSlam angegeben sondern schlicht und ergreifend nach verfügbarem Uplink. Kaufen nun aber mehrere Kunden in diesem Gebiet DSL höhere Bandbreiten bzw. fragen es an, kann die Telekom den Uplink ausbauen und plötzlich erhalten Kunden DSL denen man vorher sagte, sie sitzen zu weit weg, bla. Wie bitte soll das auch anders gehen? Der Staat hat den Ausbau des Internets schlicht verpennt (alle mir bekannten Versuche darüber zu reden scheiterten ala “Internet? Das ist doch dieses BTX-Ding von der Post, das ist doch alles staatlich – ca. 1996). Also nahmen viele Individualisten und damals noch kleine Firmen es selbst in die Hand und erweiterten das Internet – also das, was es damals gab (Stichwort: Xlink, NTG, KPN/Qwest…)

    Also im B2B Bereich bzw. zwischen Providern gab es so etwas wie Netzneutralität nie. Ganz im Gegenteil: Es gibt immer noch aus Zeiten der KPN/Qwest aka Xlink Euroringe Vereinbarung über priorisiertes Peering bzw. Routing/Tagging/QOS/whatever – ohne diese Vereinbarung wären z.B. große internationale VPN/VOIP-Projekte gar nicht erst möglich. Ist mir schon klar, dass die Telekom da gerne was ändern würde, denn der BTX-Anbieter kann da häufig nicht mitspielen ;-)

    Was soll sich für uns Endkunden denn ändern? Dass ich zukünftig für werbefreie HD-Videos bei Youtube Geld zahlen muss ansonsten bleibt mir nur die non HD Variante mit 35 sekunden Werbeblock? Wie schrecklich. Im Moment steuern wir doch vielmehr auf die Variante zu, dass man IMMER Werbung ertragen muss und darüber hinaus HD nicht wirklich HD ist. Und im mobilen Bereich?! Netzneutralität? Lachhaft, Mobilfunkprovider untersagen das Nutzen von VOIP als Skype, SIP und klemmen den Kunden auf ISDN-Geschwindigkeit runter, wenn er bei seiner FLATRATE(!) mehr als x GB Traffik macht.

    Noch eines, das Internt ist nicht ganz so homogen, wie es sich hier vielleicht einige vorstellen. Grundsätzlich ist jeder von uns Teil des ganzen. Beispiel: Kleine Firma X bestellt Breitbandanbinung bei der Telekom/ARCOR/QSC/LAMDANET/etc. und holt sich eine Genehmigung zum verfunken eines Nahegelegenen Ortes (keine Seltenheit, da, wo ich herkomme). Schon erweitert sich hier das Internet auf nicht kontrollierbare Weise. Worauf ich hinweisen will, niemandem gehört DAS Internet nicht mal die Staaten können an Ihren Grenzen Pakete kontrollieren, ergo ist es sinnlos eine deutsche Regelung herbei zu führen. Der richtige Ansatz wäre meines Erachtens nach über die ICANN, die aber (wie das Internet selbst) ein Haufen nicht steuerbarer Individuen ist. Schön wäre, gerade im Zeitalter “keiner fragt aber alle antworten” man könnte unsere/eure/alle deutschen Aktivitäten zu diesem Thema sammeln. Dies könnte zum Beispiel eine Aufgabe der Politik sein, das Bereitstellen einer Plattform.

    Kurzum, hier ist über ein Reizwort ein Thema aufgerufen worden, was zum einen gesellschaftlich für einige Zeitgenossen extrem wichtig zu sein scheint und zum anderen nicht näher definiert ist. Jeder fabuliert davon, dass sich etwas an etwas ändern könne, was es aber in der Art vorher gar nicht gab wenn man denn wüsste worüber man genau redet ;-)

    Vielleicht sollten sich die digital Naives mal auf eine Definition/ihre Definition von Netzneutralität einigen, damit jeder weiß worum es zu streiten gilt.

    Grüße!

  8. [...] Bildern! Also für Dummies, so daß es vielleicht sogar Google versteht. [Peter van I. per [...]

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