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Das Zitat: Gezielte Strategie der Entmündigung

Ich lese gerade mit Vergnügen Horst Bredekamp und fand dort ein Zitat, das schon 1997 meine Kritik am iPad vorwegnahm:

Befremdlich ist aus heutiger Sicht vielmehr, daß die Computersprache, die in den letzten fünfzehn Jahren verbreitet wurde, wieder verhüllt wird, bevor sie noch erlernt werden konnte. Die Struktur-, Kommando- und Dialogsprachen, die mit der Entwicklung des Compu­ters verbunden waren und ohne deren Kenntnis jeder Benutzer im Stand des Götzendieners verharrt, werden gegenwärtig unter »windows« verborgen, um in Bildform ihr vorgeblich nutzerfreundlicheres Wesen zu offenbaren. Die Verschwendung von Rechenkapa­zität und Zeit beim Aufbau und Gebrauch dieser meist infantilen Ober­flächen mit ihren Fingerzeigen, Sanduhren und Papierkörben verfolgt auch eine gezielte Strategie der Entmündigung. Die zunehmende Arkanisierung des Computers ist folglich nicht etwa nur eine Funktion der Kompliziert­heit seiner Sprache, sondern der Versagung, diese zu lernen.

Horst Bredekamp: Das Bild als Leitbild. Gedanken zur Überwindung des Anikonismus (1997), Seite 155, in: ders.: Bilder bewegen. Von der Kunstkammer zum Endspiel, Aufsätze und Reden (herausgegeben von Jörg Probst), Berlin (Verlag Klaus Wagenbach) 2007, Seite 136 – 156

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5 Kommentare

  1. Jürgen sagt:

    Mit dem Für und Wider von graphischen Oberflächen hatte sich ja auch schon Neal Stephenson beschäftigt. Die Kritik verkennt, daß die allerwenigsten User jemals auchn nur auf die Idee kommen werden, einen Computer über die Kommandozeile oder über eine Programmiersprache zu steuern. Die sind nicht so drauf wie wir. Deshalb kann man ihnen auch durch eine GUI oder durch so einen kastrierten Rechner wie das iPad nichts zu lernen „versagen“.

  2. [...] Wider von graphischen Oberflächen hatte sich ja auch schon Neal Stephenson beschäftigt. Die Kritik[1][2] verkennt, daß die allerwenigsten User jemals auch nur auf die Idee kommen werden, einen [...]

  3. Das iPad ist kein genuiner Computer, sondern ein multimediataugliches Stück Unterhaltungselektronik. Das man darauf keinen Compiler laufen lassen kann, ist Apple nicht zum Vorwurf zu machen. Wer Konsole und gcc will, bekoomt am Markt für relativ kleines Geld genug Alternativen.

  4. RP sagt:

    Wenn es in den achziger Jahren einen iPad gegeben hätte, gäbe es heute weniger Programmierer.
    Das Erlernen eine neuen (Programmier-)Sprache kann man schmackhaft machen, oder auch erfolgreich verhindern. Insofern bin ich froh, dass ich kein Götzendiener bleiben musste. Windows gab es noch nicht und Programmieren musste sein und machte uns richtig Spaß!
    Und das Prinzip gilt uneingeschränkt auch für viele andere Produkte des technischen Fortschritts. Der normale Bürger kommt nicht mehr hinterher und soll es vielleicht auch gar nicht?
    Für unsere Wissensgesellschaft ein Verlust, wie ich finde.

  5. Olaf Ventzke sagt:

    Hm, ja, das iPad! Ein aufgebohrtes iPhone. Man kann im Grunde auch nicht viel mehr damit machen. ;) Naja, Texte verfassen kann ich mir noch gut vorstellen, aber sonst?
    Lustich finde ich ja Steve Jobs und wie er bei der Präsentation des iPads, über die Netbooks hergezogen ist, wie langsam die wären und dass sie kein UMTS o.ä. eingebaut haben. Dabei kann man mit ‘nem Netbook viel mehr anstellen, als mit dem iPad :-)
    Aber vielleicht macht das iPad als eBook-Reader ja Furore? DAS scheint mir die einzige Funktion, wo es brillieren könnte. Und da finde ich die vereinfachte Bedienung dann auch angebracht. :-)

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