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Wasser predigen und Wein saufen

Mein Artikel zum iPad in der FAZ hat mir den versprochenen Warholschen Ruhm für einen Tag gebracht. Und als Folge dieses Ruhms bekam ich auch eine Interviewanfrage vom Börsenblatt, dem Organ des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Unter anderen sollte ich die — wohl rhetorisch gemeinte — Frage beantworten:

Haben Verleger und Autoren keinen Anspruch darauf, angemessen für Ihre Inhalte bezahlt zu werden?

Ich fand die Frage gut und habe daher erst einmal als Autor nach einer angemessenen Bezahlung für meine Inhalte gefragt und bekam diese (harsche) Antwort:

… bei Interviews ist es absolut unüblich, ein Honorar zu zahlen. Weder Chris Anderson noch Helmut Schmidt würden für Ihre Antworten Geld nehmen. Sie generieren zwar die Antworten, bearbeitet werden Sie aber vom Redakteur, der auch als Urheber des Interviews seinen Namen unter den Text setzt.

Also, ein Honorar fließt in solchen Fällen leider nicht. Aber es gibt ja
auch einen ideellen Mehrwert: Sie werden in einer nicht zu kleinen Branche bekannter und können Ihren Expertenstatus ausbauen.

Redakteur? Wen don’t need no stinky (Scheff-) Redakteur! Und wer ist Helmut Schmidt? Der Börsenverein scheint es immer noch nicht begriffen zu haben: In den Zeiten des Internets sind Verlage ein Anachronismus und daher absolut überflüssig. Zum »Ausbau meines Expertenstatus« reicht mir auch dieses kleine Blog hier. Das bezahlt mir zwar ebenfalls kein Honorar, aber es ist meins und so verdienen wenig­stens nicht andere mit den Inhalten meiner Arbeit unver­dientes Geld.

Ach ja! Und wer ist Chris Anderson?

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18 Kommentare

  1. Wasalski sagt:

    *thumbsup*

  2. Jochen sagt:

    Gut gekontert.

  3. Bernd sagt:

    Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem nicht ganz. Es ist völlig normal, dass man Interviewpartner nicht bezahlt. Imho ist das auch gut so.

  4. @bernd Wer das (hint: Gatekeeper) Problem nicht versteht, der hat die Fragestellungen nicht verstanden (hint: Alternativen).

    Früher war der ‘übliche’ Infokanal mächtig und bekamm Privilegien (hint: Inhalt) umsonst. Heute werden Medienlieferanten (schlecht) bezahlt, oder buddeln den Infokanal gleich ganz selbst (hint: s.o.).

    Also: Kein Problem. Anfrage, Gegenfrage, Absage, Öffentlichkeit. Danke Börsenblatt!

  5. Uhu sagt:

    Lustig, gerade habe ich einen … nun ja, ordentlichen “Rant” würde man wohl sagen … zum Thema Autorenvergütung und die vor Bigotterie nur so triefende sogenannte “Urheberrechtsdebatte” als Artikel fürs Literaturcafé fertiggemacht (betrifft allerdings dort i.W. die Gier nach den Buchautoren-Nutzungsrechten).

  6. Das Börsenblatt versteht grundsätzlich heutzutage überhaupt gar nichts mehr. Da sitzen wohl nur noch Leute herum, die immer noch Strickkrawatten tragen. Aber davon abgesehen: hatte Warhol nicht eigentlich von 15 Minuten gesprochen? :-D

  7. Michael Stehmann sagt:

    “Chris Anderson (* 26. Februar 1926 in Chicago; † 4. Februar 2008 in Manhattan, New York City) war ein US-amerikanischer Jazz-Pianist.”

    Sagt jedenfalls Wikipedia

    Aber was hat der mit dem Buchhandel zu tun? ;-)

  8. metascience bloke sagt:

    Sorry, aber die Aufregung ist einfach lächerlich. In was für einer Welt leben Sie eigentlich, dass Sie Bezahlung dafür erwarten, interviewt zu werden?

    Bekommt man eine Interviewanfrage, dann wägt man seine erwarteten Kosten und Nutzen im Hinblick auf das spezielle Medium ab, das da anfragt. Dann sagt man zu oder ab. So einfach ist das.

    Grundloses Vorführen wie dort oben dagegen ist niveaulos. Der Antwortende erscheint auch nicht harsch, sondern erklärt Ihnen geduldig eine Selbstverständlichkeit.

    So etwas Pueriles hatte ich hier echt nicht erwartet.

  9. ich würd als vertreter der anderen seite auch metascience bloke recht geben: das klingt nach provokation um der provokation willens. steigert aber auch den eigenen marktwert :)

  10. Ich würde mal behaupten, dass die Frage von Jörg K. nicht des Geldes wegen an das Börsenblatt gestellt wurde. Zwischen den Zeilen lesen!

  11. @metascience bloke
    1. Wir, also Sie, ich und der Schockwellenreiter, leben in einer Welt, in der geistiges Eigentum de jure geschützt ist, und in der der Eigentümer frei ist, die Nutzungsrechte dieses Eigentums zu verkaufen, zu verleihen oder zu verschenken.
    2. Eine auch nur moralische Verpflichtung, dieses sein Eigentum bei Weitergabe in bestimmten Formen (hier Interview) zu verschenken, besteht nicht und kann auch aus Usancen nicht abgeleitet werden.
    3. Grundlos führt der Schockwellenreiter den Börsenverein des dt. Buchhandels nicht vor. Die Position dieses Verbandes in Fragen des geistigen Eigentums konfligiert mit der Schockwellenreiters (nicht mit meiner) deutlich und der Schockwellenreiter wendet hier die vom Verband vertretene, von ihm aber kritisierte Haltung konsequent gegen die Verbandsanfrage nach einem Interview, um diese Position ad absurdum zu führen.

  12. Jörg Kantel sagt:

    @Peterson (US): Danke! Besser hätte ich es auch nicht sagen können.

  13. Michael Dörfler sagt:

    Moin Jörg,

    haben die das tatsächlich so geschrieben, dass Helmut S. für _Deine_ Antworten kein Geld nimmt, und dass _Du_ vom Redakteur bearbeitet wirst?
    Das fände ich ziemlich witzig.

    Oder hast Du es im Umzugsstress nur falsch abgeschrieben?
    Du weisst ja: 3mal umziehen ist wie 1mal abbrennen…

    Halt die Ohren steif, Grüße von der Küste, Michael

  14. Jörg Kantel sagt:

    Wortwörtlich oder besser: Buchstäblich (Copy & Paste) :)

  15. [...] Wasser predigen und Wein saufen – Der Schockwellenreiter – Das Börsenblatt zahlt nicht für Interviews. (Tags: Buchhandel Börsenblatt Reputationsmanagement iv ) [...]

  16. tokmitstock sagt:

    Bei einer Suchmaschine (in diesem Fall wohl Google Books) ist es absolut unüblich, ein Honorar für Verlinkung zu zahlen. Weder Keyboard Cat noch Jeff Jarvis würden für Ihren Content Geld nehmen. Sie generieren zwar den Inhalt, bearbeitet, durchsuchbar gemacht und indiziert wird der Inhalt aber von der jeweiligen Suchmaschine.

    Also, ein Honorar fließt in solchen Fällen leider nicht. Aber es gibt ja
    auch einen ideellen Mehrwert: Sie werden im Internet bekannter und bekommen Aufmerksamkeit, die man nur noch monetarisieren müsste.

  17. [...] schockwellenreiter.de: Wasser predigen und Wein saufen – Redakteur? Wen don’t need no stinky (Scheff-) Redakteur! [...]

  18. Nach meiner Erfahrung sind Interviewhonorare alles andere als unüblich (die einen zahlen, die anderen nicht – das ist eine Frage des Verhältnisses zu den Autoren, eine Frage des Respekts oder des verfügbaren Budgets – aber keine Frage der “Üblichkeit”), insofern war die Frage nicht nur clever, sondern auch berechtigt.
    Ich werde nie verstehen, wie es möglich wurde, dass die öffentliche Meinung mit den Verlegern mitleidet (die ein reales Problem mit dem technologischen Wandel haben – so wie die Mitarbeiter_innen der entsprechenden Firmen. Da gibt es gar nichts schön zu reden.), aber mit den Autor_innen und Interviewten eben nicht. Die sollen immer sehen, wo sie bleiben.
    Noch schleierhafter ist mir, wie es möglich war, die Interessen der Autor_innen und der Verwerter immer so zu vermengen, dass am Ende keiner mehr durchblickt. Dabei sind das zwei völlig unterschiedliche Gruppen. Die einen liefern content. Die anderen bearbeiten und verwerten content. Warum soll der eine was kriegen und der andere nicht?

    Ja, Ideen sind frei. Ja, geistige Arbeit soll angemessen honoriert werden. Mit den neuen Technologien sind nun völlig neue Geschäftsmodelle für die Autor_innen möglich. Da ist nun das Drama für die Verleger und die Rechteverwerter, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Wenn die Kaffeeproduzenten auf die Idee kommen, sich über den Fairen Handel selbst zu vermarkten und die Zwischenhändler auszuschalten, ist das für die Zwischenhändler auch ein Problem.
    Die neuen Technologien stellen die bisherige Ordnung auf den Kopf und das ist ein Problem für die Angestellten der bisherigen Ordnung. Das ist ernst zu nehmen – aus der Perspektive der Angestellten. Die brauchen neue Jobs. Aber diese Frage kann nicht auf dem Rücken der Autoren und Interviewten ausgetragen werden.
    Im übrigen war das auch schon so, als der Otto-Motor erfunden wurde. Da ging den Kutschenbauern die Arbeit aus.

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