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Löschen wegen Irrelevanz ist Zensur

Oder: Die Wikipedia ist irrelevant. Ich habe mich ja schon öfter über diesen Irrelevanz-Schwachsinn der deutschen Wikipedia aufgeregt, aber die jüngsten Fälle offenbaren wohl noch eine Steigerung von Schwachsinn: Blockwart-Mentalität.

Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: In einer Online-Enzyklopädie gibt es keine »Irrelevanz«, denn das war ein Kriterium für ein kommerzielles Print-Produkt, dessen Kapazität naturgemäß knapp ist. Digitaler Speicherplatz kostet aber (fast) gar nichts, Löschen wegen Irrelevanz ist daher Zensur! [F!XMBR]

[Update]: Ein lesenswerter Blogbeitrag von fxneumann mit einem sehr schönen Fazit (von fefe): Relevanz ist irrelevant.

Mein Anspruch an die Wikipedia ist, daß ich, wenn mir jemand von Tschunk erzählt, bei der Wikipedia nachschlagen kann, was das eigentlich ist.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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16 Kommentare

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von DJ? Tasmo, Jörg Kantel erwähnt. Jörg Kantel sagte: Noch ein Blogpost: Löschen wegen #Irrelevanz ist Zensur http://bit.ly/1dwOqj #wikipedia [...]

  2. Schmul Meier sagt:

    Das Konzept der Irrelevanz gab es in der Wikipedia schon immer. Das hat auch seinen guten Grund (Spam, Eitelkeits-Artikel, etc.). Wenn dir das nicht gefällt, such dir eine andere Online-Enzyklopädie.

    Das eigentliche Problem ist, wie mit den Löschanträgen umgegangen wird, wer letztendlich darüber entscheiden darf, und ob und wie man Löschungen ggf. wieder rückgängig machen kann.

  3. Punk sagt:

    @ Meier

    Es geht hier nicht um Spam oder schiefe bis falsche Darstellungen, sondern darum dass sich Admins anmaßen einen Artikel zu löschen, weil sein Gegenstand keine Relevanz besitze.

    Relevanz, Bedeutung, Interessantheit sind doch Fragen des Geschmacks. Und jeder hat einen anderen.

  4. LH sagt:

    “Das Konzept der Irrelevanz gab es in der Wikipedia schon immer.”

    Das ist so nicht richtig. Zum einen ist das eher ein Problem der deutschen Wikipediaversion, die englischsprachige ist da weit großzügiger, zum anderen hätte es Wikipedia so garnicht geben können wenn es immer so gehandhabt worden wäre.

    Heute landen Beiträge als Schnellöschkandidaten im Datennirvana nur weil der Artikel noch nicht gut ausgearbeitet ist. Nur: Wie soll das auch je geschehen? Wikipedia lebt davon das aus wenigen Zeilen lange Texte werden, das ist heute aber schwer. Die Idee das viele wenig Beitrage ist kaum noch machbar in der DE-Wikipedia bei neuen Artikeln.

    Zumal die Regeln auch extrem ungenau sind. Wenn man genug Diskussionen gelesen hat merkt man das praktisch jedesmal anders argumentiert wird. Und oftmals sind die Diskussionen von Dummheit kaum zu überbieten. Viele Berufslöscher sind gegen Argumente zudem völlig resistent.

    “Wenn dir das nicht gefällt, such dir eine andere Online-Enzyklopädie.”

    Genau solche Sätze sind es die zeigen wenn jemand Wikipedia nicht verstanden hat. Schade.

    “Das eigentliche Problem ist, wie mit den Löschanträgen umgegangen wird, wer letztendlich darüber entscheiden darf, und ob und wie man Löschungen ggf. wieder rückgängig machen kann.”

    Das ist Teil des Problems. Allerdings steht das Irrelevant-Argument eben auch auf sehr dünnen Eis, relevanz ist sehr subjektiv. Die Löschantragsgründe sind oftmals falsch, aber wie du sagst auch der Prozess danach.
    Aber das ist eben auch so vor allem im Deutschen Wikipedia ein Problem.

    Mir sind mehrere Fälle begegnet in denen Themen aus Deutschland (z.B. Spiele, Firmen und co. von hier) in der deutschen Wikipedia als Löschkandidaten gelten, aber sogar in der englischen Wikipedia zu finden sind. Das ist einfach keine sinnvolle Diskussion mehr.

  5. Meine ich auch. Hier zur Löschung vorgeschlagen:
    http://twurl.nl/q8jwhg
    Allerdings nicht wegen irrelevanz, sondern wegen Theoriefindung (auch verboten).

  6. Nils sagt:

    “Mein Anspruch an die Wikipedia ist, daß ich, wenn mir jemand von Tschunk erzählt, bei der Wikipedia nachschlagen kann, was das eigentlich ist.”

    Das ist aber nicht der Anspruch der Wikipedia. Die Wikipedia sammelt Wissen, nicht Informationen, Wikipedia ist eben keine Datenbank für Cocktailrezepte. Die Wikipedia ist auch kein Wörterbuch. Und auch keine allwissende Müllhalde.

    Und ganz ehrlich, wer bei der Löschung eines Wikipediaartikels schon Zensur schreit, behindert und entwertet die Arbeit derjenigen, die sich wirklich gegen Zensur einsetzen (bspw. die Situation in China, Myanmar usw.).

    Für mich als Unbeteiligten macht die ganze Geschichte eher den Eindruck gekränkter Eitelkeiten.

  7. LH sagt:

    “Das ist aber nicht der Anspruch der Wikipedia.”

    Das ist so nicht korrekt. Wikipedia ist im original die englische Ausgabe, und die sammelt fast alles, was nicht gegen Recht verstösst, Spam ist oder Eigenwerbung.

    Siehe:
    “Wikipedia ist eben keine Datenbank für Cocktailrezepte”
    http://en.wikipedia.org/wiki/Bloodhound_%28cocktail%29

    Da hat Wikipedia sicherlich hunderte von. Das Englische Wikipedia hat auch tausende fast leerer Seiten mit Basisinfos zu einzelnen Bereichen der DNA, oder Tierarten von denen der Mensch nur ein Exemplar je gefunden hat (Insekten).

    So muss die Wikipedia auch sein. Nur wer alles sammelt (das nicht gegen absolute Grundregeln verstöst) kann wirklich Wissen sammeln. Ansonsten sammelt man doch nur das was dem Zeitgeist entspricht.

  8. LH sagt:

    Nebenbei: Oftmals hat die englische Wikipedia nicht nur mehr Artikel, sondern auch bessere. Ich lese inzwischen fast nur noch die englischsprachige Wikipedia.
    Ich lese die deutsche Ausgabe nur wenn ich eine Zusammenfassung benötige. Oftmals sind die deutschen Artikel nur 1/3 so umfangreich wie die englischen Artikel (außer zu sehr deutschen Themen), sodass man dort einen schnelleren Überblick erhält.
    Davon abgesehen das die englische Ausgabe oft noch sehr vertiefende Unterartikel pflegt, welche der Deutschen dann zudem auch fehlen (wäre ja oft auch nicht relevant…)

    Die dortige Freiheit führt, anders als hier dargestellt wird, nicht zu schlechteren Ergebnissen. Wer das glaubt, hat die Wikipedia sowieso nie verstanden. Das aus dem Chaos das tausende erzeugen am Ende etwas wunderbares wird, das ist das was Wikipedia groß gemacht hat.

  9. wugh sagt:

    Zitat: “Das Konzept der Irrelevanz gab es in der Wikipedia schon immer. Das ist so nicht richtig. Zum einen ist das eher ein Problem der deutschen Wikipediaversion, die englischsprachige ist da weit großzügiger, zum anderen hätte es Wikipedia so garnicht geben können wenn es immer so gehandhabt worden wäre.”

    Das ist falsch. Bei der englischen Wikipedia werden auch nicht weniger Artikeln wegen Irrelevanz (dort non-notability genannt) gelöscht.

  10. Nils sagt:

    Lieber LH, auch wenn die englische Ausgabe die originale Ausgabe war, so ist die deutsche nicht (mehr) identisch mit ihr, was Organisationstrukturen, Policies usw. angeht. Empfinde ich persönlich sogar als Bereicherung. Es bringt daher aber nichts, die englische Wikipedia als Beispiel für die deutsche heranzuziehen.

    Obwohl uns damit die gemeinsame Diskussionsgrundlage fehlt :) , möchte ich noch auf eines deiner Argumente eingehen: “Nur wer alles sammelt (das nicht gegen absolute Grundregeln verstöst) kann wirklich Wissen sammeln. Ansonsten sammelt man doch nur das was dem Zeitgeist entspricht.” Hier möchte ich dir entschieden widersprechen: gerade dadurch, dass eben nicht alles sofort aufgenommen wird, wird dem Zeitgeist entgegen gewirkt. Dieser “Tschunk” ist ein sehr gutes Beispiel: wer sagt mir denn, das irgend jemand das Zeug überhaupt trinkt (Mate auf Alkohol, also ich bitte dich ;) ? Oder ob es in zwei Jahren nicht vergessen wurde?

    Zum Bewahren von Wissen gehört immer auch das Auswählen, ansonsten erstickt man mit einem Haufen nutzloser Informationen.

  11. V. Ohneland sagt:

    “Digitaler Speicherplatz kostet aber (fast) gar nichts, Löschen wegen Irrelevanz ist daher Zensur!”

    ‘Zensur’ wäre dementsprechend also auch, wenn in einem Lexikon der einflussreichsten Gemälde ausgerechnet die Sonnenblumen von van Gogh fehlten? Entweder wird hier ein ernster Begriff verramscht, oder die Wikipedia viel zu wichtig genommen.

    Dass Speicherplatz (fast) nichts kostet ändert nichts daran, dass er niemals unendlich ist. Nie, wirklich: nie. Daraus folgt zwingend eine wie auch immer geartete Beschränkung des Inhalts. Und mal ehrlich: Fühlte ich mich jetzt berufen, den Stammbaum meiner Klassenlehrerin oder einen Lageplan meines Gartens einzustellen, glaubst du wirklich, das macht Sinn, wenn am Ende dann die Sonnenblumen von van Gogh nicht mehr reinpassen? Und: Wer zahlt für Webspace, der für den Stammbaum meiner Lehrerin benötigt wird?

  12. Punk sagt:

    “Dass Speicherplatz (fast) nichts kostet ändert nichts daran, dass er niemals unendlich ist. Nie, wirklich: nie. Daraus folgt zwingend eine wie auch immer geartete Beschränkung des Inhalts.”

    Nein, jedenfalls nicht zwingend. Schließlich kann es auch ohne jede Löschung nie unendlich viele Artikel geben. Da muss man sich also schon die Mühe machen Informationsflut und technische Kapazitäten konkreter zu benennen.

  13. V. Ohneland sagt:

    Da hast du nicht ganz unrecht, deswegen sprach ich auch lieber von ‘wie auch immer gearteten Beschränkungen’, auch die Schreibkapazitäten der Benutzer sind sind begrenzt. Diese Begrenztheit legt in meinen Augen aber nahe, dass eine Auswahl getroffen wird, eine Unterscheidung nach Relevanz, zumal die Artikel nicht nur geschrieben, sondern auch gewartet, weiterentwickelt und außerdem noch konsistent systematisiert werden müssen. Dieses Unterscheiden zwischen relevant und irrelevant mag für manchen Inklusionisten schon der Sündenfall sein, der großen Mehrheit der Benutzer stellt es sich als notwendig und absolut anerkannt dar.

    Relevanz ist in so einem Projekt dann keine Frage des ‘Geschmacks’, eher wurden (von den Benutzern, nicht den Admins!) allgemeine oder in vielen Bereichen auch besondere Relevanzkriterien entwickelt. Das kann man global bedauern. Aber von ‘Zensur’ und ‘Blockwarten’ zu sprechen, wenn dieser Verein, jene Band oder die Lieblingsfirma diese Kriterien dann nicht erfüllt, trifft in meinen Augen überhaupt nicht den Kern der Sache.

  14. wiki-waste sagt:

    Genau aus dieser Löschitis und den Relevanzkriterien habe ich die Seite:

    http://www.wiki-waste.de

    gegründet.

    Ich verusche hier auf der einen Seite gelöschte Artikel zu retten
    und auf der anderen Seite Euch zu animieren, auch “Wikipedia-Irrelevante Artikel” hier einzutragen.

  15. [...] Merkmale gerne in die Kommentare, Anregungen dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder [...]

  16. [...] wären die nicht nötig: Speicher ist billig, und das Problem von zuviel Information kann es nicht geben – es kommt auf die Filter [...]

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