Der Schockwellenreiter Rotating Header Image

Der Berg kreißte und gebar eine Maus …

und nannte sie Internet-Manifest — 17 Behauptungen, wie Journalismus heute funktioniert. Eine Ansammlung von Gemeinplätzen, Binsenweisheiten und seltsamen Behauptungen, die nur eines zeigen: Daß den Autoren Standpunkt und Perspektive völlig abgeht. Ein (digitales) Papier, das absolut geschichtslos ist, als hätte es weder Benjamins Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (da steht vieles zum Urheberrecht drin), Brechts Radiotheorie, Enzensbergers Baukasten zu einer Theorie der Medien oder Negts/Kluges Öffentlichkeit und Erfahrung oder seine Thesen zu den neuen Medien nie gegeben (aber auch Habermas, Bush oder Nelson haben ein wenig vorgedacht, die beiden Letztgenannten sehr viel Kluges über Links, Hypertext und Hypermedia).

Vor allem aber fehlt dem Internet-Manifest jede Anleitung zum Handeln, jede Perspektive auf eine mögliche Zukunft und jeder gesellschaftspolitische Bezug. Denn ob das Internet »uns« oder BertelsmannSpringerBurdaMurdochRTLSat1 gehört, das wird gesellschaftspolitisch entschieden, aber nicht mit solchen wachsweichen Manifesten.

Und daß es auch von einigen, die mir etwas bedeuten, unterschrieben wurde, stimmt mich traurig. Doch mindestens einer hält dagegen. Die Welt ist also doch noch nicht ganz aus den Fugen geraten.

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6 Kommentare

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Simon Hönig and Thorsten Konrad. Simon Hönig said: Der Schockwellenreiter zum #Internetmanifest: http://is.gd/327dw : "Gemeinplätze, Binsenweisheiten und seltsame Behauptungen" [...]

  2. redblog sagt:

    absurd ist auch, dass sascha lobo dieses papier unterschrieben hat. in dem papier spricht man sich gegen netzsperen und zensur aus, lobo macht werbung für spd und vodafone …

  3. Tim sagt:

    Bei Anleitungen zum Handeln, wäre schnell die Divergenz zwischen Worten und Taten deutlich geworden. Ein grosser Teil der Erstunterzeichner macht sein Geld – und das nicht schlecht – mit der traditionellen Medien- und PR-Branche, ob Guardian, FAZ, ZDF/3Sat, Holtzbrinck, Buchverlage, Tagungsveranstalter, usw. Daher hat man den Eindruck, dass dieses “Manifest” hauptsächlich zur eigenen Profilierung und Bekanntheit taugen soll.

    Wenn man als “Rebell” gebucht wird, lohnt es sich immer mal was rebellisches den Medien vorzuwerfen.

  4. crizzz sagt:

    Im Kreißsaal geht’s zwar auch rund, aber der schreibt sich trotzdem mit sz – Wikipedia weiß wieso.
    Herr Kantel nicht?

  5. Jörg Kantel sagt:

    @crizzz: Sorry, das ist mir jetzt schon zum zweiten Mal passiert. Ich schäme mich. ;)

  6. [...] haben sich differenzierter geäußert und den mangelnden Tiefgang oder einen Mangel an Handlungsanweisungen (Links vorerst nur zu den Autoren, nicht zu den konkreten Artikeln – auf dem iPhone verlinkt [...]

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