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Kulturimperialismus im Kinderzimmer

Englische Bücher für junge Leser auf dem Vormarsch: Eine Wissenschaftlerin aus Indonesien berichtete, daß dort in den großen Städten die Kinder der reichen Elite die Bücher am liebsten gleich in Englisch lesen. Übersetzungen werden dadurch überflüssig. Dies wiederum kann die Spaltung von Gesellschaften weiter vertiefen. Die einen sprechen und lesen in der Business-Sprache, während die anderen ihrem lokalen Idiom treubleiben. [Netzeitung.de]

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5 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Macht es wirklich einen so großen Unterschied ein Buch im Original zu lesen oder eine Übersetzung?

    Ich halte das ganze für eine Scheindiskussion.

  2. LH sagt:

    “Macht es wirklich einen so großen Unterschied ein Buch im Original zu lesen oder eine Übersetzung?”

    Im Falle von Romanen:
    Jein. Solange der Übersetzer keine groben Fehler macht bleibt natürlich von einem Buch das meiste erhalten, zumindest von der geschichte her. Aber viele gute Bücher leben auch davon das die Authoren einen sehr schönen Schreibstil haben, und sein wir ehrlich:
    Wie Wahrscheinlichkeit das ein Ausnahmetalent als Übersetzter den Text eines Ausnahmetalents übersetzt, und nicht nur ein “Massenabfertiger”, ist nicht sehr hoch ;)

    ich bin ebenfalls dazu übergegangen Bücher eher im Original zu lesen, zumindest wenn ich die Geschichte als ganzes im Original erfahren will, sofern ich die Sprache verstehe.

    Ich verstehe allerdings nicht warum man das zum gesellschaftlichen Problem hochstilisiert. Es ist die sache jedes einzelnen in welcher Sprache er seine Bücher liest. Solange jeder einfachen Zugang zu den gleichen Büchern hat ist es die sache von jedem selbst was er wie liest. Zumindest in Deutschland kann jeder problemlos auch die Originaltexte lesen, wenn es jemand nicht tut war er eher zu faul als alles andere.

    Auch mein English war eher untrainiert als ich began englische Texte zu lesen, es war ein krampf zu beginn. Aber ich habe mich durchgebissen, und heute lese ich es als hätte ich nie etwas anderes getan. Gezwungen hat mich keiner, und musste auch keiner. Ich wollt es. Und das kann jeder andere auch (zumindest in Deutschland).

  3. Incontemptio sagt:

    Wenn es jemand schaffen würde W.G Sebalds “Austerlitz” ins Englische zu übersetzen, würde ich dir zustimmen. Deutsche Autoren deren Schreibstil sich primär in langen Satzlandschaften ausdrückt sind oft schwer in andere Sprachen zu übersetzen. Ich bin mir sicher, dass es auch in anderen Sprachen solche Eigentümlichkeiten gibt, die man kaum adäquat wiedergeben kann.

    Wer wissen will wie groß der Unterschied zwischen Übersetzungen des gleichen Buchen ist, sollte einfach mal die “alte” Übersetzung von Dostojewskis “Schuld und Sühne” und die neuere von Swetlana Geier lesen, die sogar den Titel mit anders übersetzt hat …

    Wenn es geht sollte man Bücher immer im Original lesen, besonders Gedichte und Romane, bei Fachliteratur ist es ziemlich egal.

  4. Jörg Kantel sagt:

    Ich gäbe Euch allen recht, wenn diese Angelegenheit nicht eine Einbahnstraße wäre: Wir sollen alle englisch lesen, aber umgekehrt? Angloamerikaner reüssieren mit miserablen Habermas-, Hegel- oder Heidegger-Übersetzungen. Mein Paradebeispiel dafür ist immer noch die Konferenz BlogTalk 1, wo eine, nette, sympathische und sicher auch kompetente Holländerin (auf Englisch, denn das war Konferenzsprache — sic!) über Habermas referierte und dabei mit Begriffen um sich warf, die mit Sicherheit nicht von Habermas stammen konnten. Auf Nachfrage erklärte sie, daß sie Habermas in einer holländischen Übersetzung gelesen und diese dann ins Englische übertragen hätte. Das konnte natürlich nur schiefgehen.

    Also: Ich halte es nicht für Kulturimperialismus, wenn sorbische, dänische, polnische, russische, (alt-) griechische oder niederländische (oder welch andere Sprache auch immer) Texte Einzug ins Kinderzimmer halten, aber ich halte es für Kulturimperialismus, wenn es ausschließlich angloamerikanische Texte sind.

    Oder, um es mit meinem alten Freund Gideon Freudenthal zu sagen: »Jeder vernünftige Europäer sollte mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen: Eine afrikanische und eine asiatische. Denn die paar mitteleuropäischen Dialekte beherrscht er sowieso.«

  5. Hm, ob Geschichte ins Zimmer meines Kindes gehört, dass bin ich mir nicht sicher…. vielleicht wenn er ein bisschen älter wird, aber soll er sich selbst entscheiden, welche Motive für ihn passend sind

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