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Publizistische Hinrichtung eines Politikers

Rudolf Stumberger über Lafontaine und die groteske Kampagne der Medien: »Daß Medien aus dem bürgerlich-rechten Lager dem Linkspolitiker keinen Lorbeerkranz flechten, ist offensichtlich. Daß öffentlich-rechtliche Sender aber ebenso gerne an diesem publizistischen Haberfeldtreiben teilnehmen, hat – auch darauf hat Lafontaine hingewiesen – mit dem Einfluß der Parteien auf diese Sender zu tun. Für die SPD ist die Linkspartei die permanente Erinnerung an ihren größten Sündenfall seit 1945 – die Schrödersche Agenda 2010 mit Hartz IV. Und Lafontaine wiederum mit seiner sozialdemokratischen Politik, die nichts anderes ist als die Politik der Vor-Schröder-SPD, erscheint so als der Erzengel Michael der Hartz IV-Geschädigten. Und weil es für die SPD unerträglich ist, permanent an ihren Sündenfall und politisches Selbstmordprojekt erinnert zu werden, muß der Erzengel zum Belzebub werden. Und so geschah es, daß der Politiker Lafontaine in den Medienerzeugnissen nicht mehr als reale Person, sondern als Zerrbild dargestellt wird.« [Telepolis News]

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2 Kommentare

  1. Oliver Mark sagt:

    Auch wenn ich die Verquickung der heutigen Linken mit den SED-Nachfolgern und ausgerechnet Oskar Lafontaine aus der SPD für absurd genug halte um sie nicht unbedingt zu wählen, so klingen seine Argumente im Film sehr überzeugend und sehr nah an der Ansicht der Bevölkerung. “Die privatisieren die Gewinne und sozialisieren die Verluste” sagt eigentlich alles aus. Und ja, die Medien versuchen offensichtlich O.L. fertig zu machen; ein Spiel auf das er sich allerdings einlässt. Ob er das nun aus der Not heraus tut, weil ihm nichts anderes übrig bleibt, oder aus einer tatsächlich “linken” Überzeugung können wir nur herausfinden, wenn er nach der Wahl nicht mehr Opposition wäre. Es fällt mir sehr schwer ihm zu glauben, auch wenn die Argumente stimmig sind.

  2. anonym sagt:

    Das alles ist nicht neu, es wird nur sehr selten thematisiert. Jeder, der in den letzten Jahren mal ein Interview mit Lafontaine gesehen oder gehört hat, konnte beobachten, daß der/die Interviewer immer versuch(t)en, Lafontaines Aussagen ins Lächerliche zu ziehen oder ihn zu dämonisieren. Speziell Herrn Deppendorf habe ich noch in unguter Erinnerung. Beliebtes Gegenargument gegenüber Lafontaines Thesen ist ja, zu fragen: Wie wollen Sie dies alles finanzieren? Das geht doch überhaupt nicht. Diese verstärkten Nachfragen hört man gegenüber anderen Politikern weitaus seltener und mit viel weniger Verhemenz vorgetragen.

    Bereits als Lafontaine die SPD-Regierung verließ, startete man ja eine Kampagne gegen ihn. Schröder und seine Leute versuchten erfolgreich, ihn als gewissenlos und pflichtvergessen hinzustellen, ohne andere Motive für seinen damaligen Weggang aus der aktiven Politik argumentativ zuzulassen. Davon zehren auch heute noch Kommentatoren und Interviewer dankbar.

    Trotz der für Lafontaine damit ungünstigen Ausgangslage habe ich oft den Eindruck, daß er seinen Gegenspielern im Interview oder in der Diskussion durchaus nicht unterlegen ist. Bestimmt kennt er sich mindestens in wirtschaftlichen Fragen weit besser aus als die meisten von ihnen. Und über Politik braucht man ihn auch nicht zu belehren.

    Der Umgang der elektronischen Medien mit Lafontaine erinnert mich oft etwas an den Umgang der Medien mit Funktionären der NPD – etwas unentschlossen, unsicher, aggressiv. Der Unterschied ist eben nur, daß Lafontaine kein Nazi ist und auch keine solchen Positionen vertritt. Auf alle Fälle hält man ihn für einen sehr gefährlichen Mann.

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