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Sparen bis es kracht

Sven Trojanowskis Kommentar zur Lage der Berliner S-Bahn spricht mir aus der Seele:

Vor dieser wackeligen Finanz- und Personalkulisse fragt sich nicht nur der Laie, ob mit diesem zunehmendem Sparwahn ein sicherer und zuverlässiger Eisenbahnbetrieb überhaupt noch möglich ist. Natürlich, behauptet die Bahn, und fährt gegen jeden, der irgendwelche Fragen stellt, ihr schwerstes Kommunikationsgeschütz auf – das Mantra.

Und während sich tausende Pendler in den eilig aus dem gesamten Bundesgebiet herbeigekarrten Ersatzzügen der Marke Regionalexpress hauteng aneinanderkuscheln, verkünden die Verantwortlichen immer und immer wieder, daß Werkstattschließungen, Personalabbau und Transferleistungen der S-Bahn an die Bahn nichts, aber auch gar nichts mit den aktuellen Problemen zu tun hätten. Für die Fehler an den Rädern sei der Hersteller verantwortlich und Transferleistungen gäbe es schließlich in allen Firmen. Außerdem sei alles ja gar nicht so schlimm, denn spätestens im Dezember laufe ja wieder alles nach Plan. [...]

Nichts in Ordnung, liebe Bahn. Nicht jetzt und ganz sicher auch nicht im Dezember 2009. Denn so lange die Politik getäuscht, die Hersteller der S-Bahnräder angegriffen und die Fahrgäste für wochenlanges Chaos mit putzigen vier Wochen Freifahrt abgespeist werden, ist das wahre Ausmaß des angerichteten Schadens in den Führungsetagen der Deutschen Bahn AG noch nicht erfaßt worden.

Klar ist: Bahn und S-Bahn haben durch die Mißwirtschaft etwas Wichtiges verloren. Etwas, das vom Land nicht bestellt und der Bahn nicht gekauft werden kann, sondern über Jahre aufgebaut werden muß: Vertrauen.

Nach einem intensiven Blick auf den Berliner Nahverkehr ist nun auch für die Deutsche Bahn AG Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen, denn die S-Bahn fährt derzeit nur noch auf Bewährung. Um die Ära Mehdorn zu beenden, reicht es nicht aus, nur das Personal zu wechseln. Auf die Qualität kommt es an. Denn das Geschäftsmodell »Sparen bis es kracht« hat keine Zukunft. Nicht für die Fahrgäste, nicht für das Land Berlin und schon gar nicht für die Deutsche Bahn.

[Netzeitung.de]

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4 Kommentare

  1. Incontemptio sagt:

    Du hast immer noch nicht kapiert warum die S-Bahn nichts dafür kann, dass jetzt “Chaos” herrscht, dabei fahren alle wichtigen Linien noch.

  2. LH sagt:

    “Du hast immer noch nicht kapiert warum die S-Bahn nichts dafür kann, dass jetzt “Chaos” herrscht”

    Wer kann dann was dafür?

    “dabei fahren alle wichtigen Linien noch”

    Die S7 ihre komplette Strecke im Ring? Wäre mir neu. Dabei ist das eine der wichtigen Linien. Von der Ausdünnung der anderen Linien die noch fahren ganz zu schweigen.

    Aber ich sehe es positiv, hatte ich wenigstens einen Grund mein Fahrrad rauszuholen. Ist auch sehr schön mal wieder etwas zu fahren, wären die anderen Fahrradfahrer nicht…

  3. Wolf-Dieter sagt:

    Kleinigkeit am Rande. Dass der Bund für den Schienenverkehr gerade steht, ist sogar in Grundgesetz Artikel 87e, Absatz (4) festgeschrieben.

    Wenn der Bund die Bahn privatisiert, begibt er sich ja aller Kontrollmöglichkeiten, nicht wahr? Was fällt uns dazu ein? Genau: keine Privatisierung!

    http://home.arcor.de/wolf-dieter.busch/html/Blog/2009_Einzelseiten/Juli0/SBahnChaos_Fortsetzung.htm

  4. anonym sagt:

    Ich weiß ja, wer verantwortlich ist, und andere wissen es ja auch. Ich weiß ja, wer den Ton über die letzten Jahre bei der DB bestimmt hat, und wie sich dieser Ton anhört(e). Ich weiß auch, wie die Bahn früher war. Und ich weiß, wer während des Lokführerstreiks vor Kameras und Mikrofonen log. Andere werden es auch wissen, wenn auch nicht alle.

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