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Selbstzensur bei der Wikipedia

Der Ideologie der Neocons nach ist es notwendig, die Öffentlichkeit zu ihrem eigenen Besten zu belügen. Nun wurde bekannt, daß sich im Fall der Berichterstattung um einen entführten Journalisten auch die Wikipedia-Führung um James Wales dieser Vorstellung beugte. [Telepolis News]

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7 Kommentare

  1. LH sagt:

    Eine absolut sinnvolle Entscheidung. Die News hätte niemanden etwas gebracht, außer der Möglichkeit das jemand anderes stirbt.

    Wer sich darüber aufregt, ist meistens auch jemand der als Schaulustiger bei Unfällen den Verkehr blockiert und die Rettung erschwert.

  2. Jörg Kantel sagt:

    Ob man die News hätte bringen sollen oder nicht, darüber kann man trefflich streiten. Das ist aber auch nicht das Problem. Was mich stört, ist die Intransparenz, mit der diese Entscheidung gefällt wurde. Es gibt eine generelle Tendenz bei der Wikipedia, das einige gleicher sind als die Gleichen und Herr Wales scheint der Gleicheste unter den Gleichen zu sein. Irgendwie kenne ich das aus Animal Farm.

  3. Michael Stehmann sagt:

    Prinzipien gewahrt – Mann tot!

    Vielleicht sollte man akzeptieren, dass eine solche Entscheidung keinem leichtfällt und eine sehr schwierige Abwägung ist. Es ist zwischen zwei großen Übeln abzuwägen.

    Dass Herr Wales persönlich die Verantwortung für eine solche Entscheidung übernommen hat, kann ihm nicht ernsthaft zum Vorwurf gemacht werden.

    Freiheit hat eben Verantwortung zur Voraussetzung.

    Bestrebungen, die für Prinzipien Menschen opfern, sind ihrer Natur nach freiheitsfeindlich, weil ihnen die ethische Grundlage für alle Freiheit, nämlich die Achtung der (Lebens-)Rechte jedes einzelnen Menschen fehlt.

    Nicht ohne Grund ist im GG noch vor den Grundrechten von der Würde des Menschen die Rede.

    Was das Ganze mit “Neocons” zu tun haben soll, ist mir schleierhaft, denn ihnen soll sicher kein Monopol auf Ethik zugesprochen werden und ihre Politik ist wohl auch nicht nur gelegentlich als alles andere als verantwortungsvoll zu apostrophieren.

    Vielleicht sollte sich Jörg Kantel mal selbst mit seiner Porzellanschüssel auszeichnen.

  4. Jörg Kantel sagt:

    Noch einmal für die, die nicht lesen können: Ich hätte diese Meldung aller Wahrscheinlichkeit auch nicht gebracht. Das steht mir zu, weil der Schockwellenreiter mein Weblog ist und unter meiner alleinigen Verantwortung erscheint. Das ist aber nicht der Fall bei der Wikipedia. Unter den seeligen Zeiten der taz, als sie noch zumindest dem Anspruch nach, ein linkes und demokratisches Blatt war, hätten sich vermutlich alle Redakteure an den berühmten Kommune-1-Tisch gesetzt und ausdiskutiert, ob man darüber berichten darf oder nicht. Welche Entscheidung auch gefallen wäre, es wäre eine Entscheidung gewesen, die vom Redaktionskollektiv entschieden wäre und nicht — wie im Falle der Wikipedia — nach Gutsherrenart.

    Mir leuchtet nämlich nicht ein, wieso im Netz, das ja — zumindest in der Theorie — demokratische und kollektive Diskussionstrukturen auch über Grenzen hinweg erlaubt, solch eine wichtige Entscheidung einem Benevolent Dictator for Life alleine überlassen wird.

    Und komme mir jetzt keiner mit der notwendigen Geheimhaltung: Man kann auch im Netz — genauso wie in Redaktionssitzungen der taz — in nichtöffentlichen Bereichen diskutieren.

    Und außerdem ist das natürlich auch eine Zensursula-Debatte: Dürfen wir, um Kinderpornographie zu verhindern, das Internet zensieren? vs. Dürfen wir, um das Leben eines Journalisten zu retten, die Wikipedia zensieren?

    Es ist natürlich ein wenig anders: Während Zensursulas Internetsperren den Kinderpornographen am Arsch vorbeigehen, ist die Entscheidung schwieriger, ob das Schweigen der institutionalisierten Öffentlichkeit zur Rettung des Journalisten notwendig war oder nicht. Aber die Entscheidung darüber, wieviel Selbstzensur oder Belügen der Öffentlichkeit erlaubt ist, darf meiner Meinung nach im Falle der Wikipedia nicht von einer einzigen, dazu nicht legitimierten Person gefällt werden. Genau das ist aber passiert.

  5. Jörg Kantel sagt:

    Und um konstruktiv zu sein: Man kann innerhalb der Wikipedia durchaus sachlich argumentieren anstatt — wie im oben angesprochenen Fall — die Autoren der sich nachträglich als »wahr« herausgestellten Fakten als Verschwörungstheoretiker zu beschimpfen. Man schaue auf diese sachlich und freundlich geführte Diskussion um die Quellenlage eines von mir initiierten Artikels zum Schulenburg-Park in Neukölln. Wenn Geheimhaltung tatsächlich erforderlich, hätte man auch ohne weiteres Email-Adressen austauschen und die Diskussion dort weiterführen können.

    Oder, um es andersherum zu formulieren: Ich bin — wenn zwar kein fleißiger — aber doch gelegentlicher Mitautor der Wikipedia. Und ich würde es als extrem beleidigend empfinden wenn ich — ohne Kenntnisse der ja angeblich so furchtbar wichtig geheim zu haltenden Hintergründe — als Verschwörungstheoretiker beschimpft werden würde. Das könnte unter anderem bei Menschen, die nicht über die mir gegebene Egomanie verfügen, zu starken Selbstzweifeln führen.

    Und zum Dritten: Was hier innerhalb der Wikipedia betrieben wurde, war ja nicht »Unterdrückung von Information«, sondern »Desinformation«, also das bewußte Verbreiten von falschen Nachrichten. Diese Abteilung »(Des-) Information und Propaganda« ist eigentlich eine Abteilung, die uns aus Diktaturen bekannt ist. Die Kartographieabteilung der DDR läßt grüßen.

  6. Michael Stehmann sagt:

    Nur kurze Anmerkungen:

    1. Dass neben Herrn Wales auch andere Administratoren involviert waren, ergibt sich aus dem TP-Artikel. Die Frage, die sich wikipedia wegen dieses Falles stellen muss, ist, wie man in (hoffentlich nie eintretenden) künftigen ähnlichen Fälle den Entscheidungsprozess organisiert ohne die notwendige Geheimhaltung zu gefährden.

    2. Es ist in diesem Fal – unbeschadet der besten Absichten der Beteiligten – Menschen objektives Unrecht zugefügt worden. Ich hoffe, diejenigen, die daran beteiligt waren, haben die menschliche Größe, die Angelegenheit in anständiger Weise zu bereinigen – auch durch eine entsprechende Entschuldigungsbitte.

    3. Unabhängig vom konkreten Fall hat wikipedia erhebliche Probleme:

    - desinformierende Schreiber und Löscher, angefangen von Politikern und Firmen, die die Informationen über sich “schönen” lassen, über ideologisch fundierte “Editwars”, Scherzbolde und Zerstörungswütige, bis hin zu fraudulös Handelnden

    - Artikellöschungen wegen angeblich fehlender Relevanz oder angeblich fehlender Belege

    - eine formalistische “Wahrheitsdefinition” (wahr ist, was in bestimmter weise belegt werden kann)

    - Mitarbeiter, die sich nach Ansicht Betroffener zu oft suboptimal verhalten und/oder möglicherweise charakterliche Schwächen aufweisen.

    Weiteres kann sicherlich hinzugefügt werden. Bei der Diskussion dieser Probleme darf allerdings auch nicht außer Acht gelassen werden, dass diese nicht zuletzt im “Erfolg” der wikipedia begründet sind. (Wobei dieser “Erfolg” wiederum teilweise auf die mangelnde Medienkompetenz ihrer Nutzer zurückzuführen ist.)

    IMO sollten diese Probleme allerdings unabhängig und getrennt vom dargestellten konkreten Fall diskutiert werden.

    Die kritische Auseinandersetzung über den vorliegenden Fall mit der ebenso notwendigen konstruktiven Kritik an den vorgenannten allgemeinen Problemen der wikipedia zu verbinden, scheint mir weder sachgerecht noch für beide Bereiche lösungsfördernd.

    Willkürlich handelt eben nicht nur der, der Gleiches ungleich, sondern auch der, der Ungleiches gleich behandelt.

  7. andi sagt:

    Hallo Jörg.

    Zum Thema Diskussion über Email: Soweit ich gelesen habe war der Editor, der immer wieder versucht hatte den Artikel auf den Urzustand zurückzusetzen anonym unterwegs, also nur mit seiner IP. Vielleicht währe es hübscher gelaufen währe er angemeldet gewesen.

    Ich hätte es aber auch lieber gesehen sie hätten einfach nur Passagen rausgeschmissen anstatt Desinformation einzusetzen. Das beweist nur wieder das das Konzept Wikipedia für tagesaktuelles Geschen nicht funktioniert.

    @Stehmann: Das mit dem Neocon ist aus dem Titel des Telepolisartikels übernommen. Der Zusammenhang verschliesst sich mir aber auch…

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