Europa bekam die Wahlbeteiligung, die es verdient hat. Oder eigentlich hat es doch noch so viele Wähler nicht wirklich verdient. Das wurde mir deutlich klar, als gestern abend im Rahmen der Berichterstattung zur Europa-(Nicht-)Wahl ein Film aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gesendet wurde, der demonstrierende Studenten für ein Europa ohne Grenzen zeigte, die die Schlagbäume einrissen. Dieser Film hatte auch mein Europabild geprägt. Mein Traum war stets ein Europa der Menschen, ein soziales Europa und kein Europa der Konzerne.
Aber hier liegt ja schon der Geburtsfehler der EU. Sie begann als EWG, als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Und das ist sie auch als EU, die ja auch nicht viel mehr als ein Zusammenschluß der Montanunion und der EURATOM mit der EWG war, geblieben. Ein Sammelbecken wirtschaftsliberalen Wahnsinns, mit hochaktiven, einflußreichen Lobbyismusbüros und bürokratischer Überadministration, gepaart mit einem Sackbahnhof für abgehalfterte Politiker und einer grenzenlosen (sic!) Ignoranz gegenüber dem, was die Menschen wirklich bewegt.
Mein Traum von einem Europa träume ich immer noch: Aber es ist nicht dieses Europa. Es wird Zeit für ein reboot.


































Ich halte deine Darstellung für nicht wirklich hilfreich.
Natürlich hat Europa als Wirtschaftsgemeinschaft angefangen, aber als was hätte es sonst beginnen sollen? Du sprichst von einem Europa der Menschen, aber Fakt ist das Europa vor allem eines war: Sich Fremd.
Es ist schön das wir heute so frei sind, und die Menschen einander viel besser verstehen. Das man heute sagt “Wir in Westeuropa halten zusammen gegen die neuen im Osten” ist zwar auch nicht fein, aber ein Zeichen das Europäer im Westen einander inzwischen als Gleichwertig sehen, und keine Angst voreinander haben.
Aber so war es doch nicht immer. Eine Wirtschaftsgemeinschaft war zweifellos der einfaschste Weg Grenzen zu schwächen, um sie später ganz fallen zu lassen. Man sieht doch heute wie wenig begeistert die Menschen von einem wirklich zentralen Europäischen Staatssystem sind. Aber alles außer puren wirtschaftlichen Beziehungen erfordert nuneinmal soetwas. Über die Hintertür der Wirtschaft wurden auch staatliche Systeme in Europa aufgebaut, die am Ende eben das Europa der Menschen bilden können.
Sicher ist für mich eines: Ein Reboot geht nicht. Man kann Europa beenden, aber ohne den selben langen Weg nocheinmal so zu schaffen geht meiner Meinung nach nicht.
Und obwohl Europa sicher ziemlich unperfekt ist, es ist immerhin eine der größten Überstaatlichen Institutionen der Welt, die den Frieden in einer Region effektiv gesichert hat, und wie kaum eine andere das Verständniss der Menschen in seinem Einflussbereich füreinander gesichert hat. In nichts von alle dem war sie unvollkommen, aber wo gab es jemals etwas vollkommenes?
Einen Reboot zu fordern ist für mich sinnbild eines Traumes das alleine dadurch das man es nochmal macht, man es automatisch besser macht. Daran glaube ich aber bei solchen Entwicklungen nicht.