
Tage des offenen Denkmals
In Berlin findet an diesem Wochenende der Tag (?) des offenen Denkmals mit dem Schwerpunkt Industriekultur statt. Gabi und der Schockwellenreiter waren daher heute früh (direkt nach dem ersten Becher Kaffee) unterwegs, um an einer Führung am Sowjetischen Ehrenmal im Bezirk Treptow (Java-Alarm!) teilzunehmen.
Das Ehrenmal ist Friedhof für ca. 5000 im Kampf um Berlin 1945 gefallene Rotarmisten. Insgesamt fielen in den letzten Kriegstagen noch einmal ca. 30.000 sowjetische Soldaten. Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht verständlich, daß das Ehrenmal ziemlich monumental ausgefallen ist. Die zentrale Skulptur ist etwa 30 Meter hoch und symbolisiert einen Rotarmisten, der ein kleines Kind trägt. Bei unserem letzten Besuch hörten wir noch die Geschichte, daß dieses Kind ein aus einem brennenden Haus gerettes Kind sei, heute wurde uns erzählt, dies sei eine Legende, das Kind symbolisiere die Zukunft in Freiheit und Frieden.
Das Ehrenmal liegt in einem Rondell, das von Gustav Meyer, dem Schöpfer des Treptower Parks, als Sport- und Spielplatz in Form eines Hippodroms angelegt war. An einem Ende des Hippodrom steht das monumentale Standbild des Rotarmisten, den Abschluß der Achse am anderen Ende bildet die bedeutend kleiner ausgefallene Skulptur der Mutter Heimat. Rechts und links befinden sich jeweils 8 große Sarkophage, auf denen Szenen des Krieges gemeißelt sind. Die rechten und linken Sarkophage sind identisch, bis auf daß die markigen Sprüche Josef Stalins, die die Stirnseiten der Sarkophage zieren, rechts auf deutsch und links auf russisch eingemeißelt sind.
In der Mitte stehen rechts und links zwei in Stein gehauene Fahnen, davor knien je ein alter und ein junger Bronze-Soldat.
Das gesamte Baumaterial des Monuments stammt aus Rüdersdorf/Oder, wo die Nazis ein riesiges Lager an Granit und anderem Stein (vornehmlich aus dem besetzten Norwegen) angelegt hatten. Damit wollten sie nach dem Krieg Berlin zu ihrer neuen Hauptstadt Germania umbauen. Da sind die Steine in dem Ehrenmal doch bedeutend besser angelegt.
Der Sockel des Rotarmistenstandbildes ist innen mit einem Mosaik ausgekleidet, das noch einmal den gefallenen Rotarmisten Ehre und Dankbarkeit bezeugen soll. Dort liegt auch das Buch mit den Namen der hier beerdigten Soldaten - soweit man die Namen wußte, es sind auch sehr viele anonym bestattet worden. Das Mosaik wurde in den Berliner Mosaikwerkstätten Puhl & Wagner angefertigt, so wie auch die meisten Bronzearbeiten (bis auf das Monument des Rotarmisten, das wurde in Leningrad hergestellt und scheibchenweise nach Berlin transportiert) von der bekannten Friedenauer Gießerei Noack gegossen wurden.
Nachmittags wollten wir die Anlagen des Fichtebunkers besichtigen, eines ehemaligen Gasometers, das 1941 zu einer Bunkeranlage für 6.500 Personen umgebaut wurde. In warmer Kleidung (das hatten die Veranstalter empfohlen) stapften wir durch das schwülwarme Wetter, um dann festzustellen, das eine riesige Schlange vor dem Gebäude stand. Da immer nur 25 Personen alle halbe Stunde an einer Führung teilnehmen konnten, rechneten wir uns aus, das dies heute nichts mehr würde.
Spaziergang am 9. September 2000
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