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Ziellos mit Zebu: Neubabelsberg und der Königsweg
Der 1862 erbaute heutige Bahnhof Griebnitzsee ist die Keimzelle der Villenkolonie Neubabelsberg, die 1872 geplant und mit dem Bau der ersten Villa schon 1874 begonnen wurde. Doch der gewünschte Zuzug der reichen wilhelminischen Bürger stellte sich nicht ein, 1882 waren gerade erst einmal 10 % des Terrains bebaut. Erst als sich hier im November 1911 die »Deutsche Bioscop-Gesellschaft« ansiedelte und mit den Filmen Der Student von Prag und Der Golem den Grundstein für die Filmstadt Babelsberg legte, änderte sich das. 1921 gingen die Babelsberger Filmfirmen durch eine Art »feindlicher Übernahme« in die Ufa auf und so wurde Neubabelsberg doch noch das Domizil der Reichen und der Schönen, mit Villen, wie sie z.B. von Mies van der Rohe gebaut wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg, zu Zeiten des Potsdamer Abkommens, wohnten hier auch Stalin, Truman und Churchill.
Der Königsweg wurde 1730 von Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig angelegt, um eine schnellere Verbindung als bisher von Berlin nach Potsdam zu haben. Tatsächlich verkürzte die schnurgerade Verbindung durch Zehlendorf und den Düppeler Forst die Reisezeit auf vier Stunden. Auf diesem Weg hat der Soldatenkönig 1732 auch die vertriebenen Salzburger begrüßt, denen er ebenso Asyl gewährte, wie sein Großvater den Hugenotten. Doch in den Jahren 1792 bis 1795 wurde die »Steinbahn«, die erste preußische Chausse von Berlin nach Potsdam gebaut und der sandige Königsweg verlor seine Bedeutung. Wie gesagt, der Königsweg führt schnurgerade durch den Düppeler Forst. Zu Mauerzeiten war er teilweise ein wenig unheimlich. Rechterhand waren die Grenzbefestigungen der DDR (die Einkerbungen der Stacheldrähte kann man noch heute in den Chauseebäumen beobachten), links war über weite Strecken ebenfalls eingezäunt das Übungsgelände der amerikanischen Streitkräfte. Heute fällt daran nur noch auf, daß der Wald relativ verwildert und ungepflegt wirkt. Irgendwo in der Mitte zwischen Kohlhasenbrück und der Brücke über die Autobahn überquert man die stillgelegten Gleise der ehgemaligen Friedhofsbahn nach Stahnsdorf, kurz darauf quert die Stahnsdorfer Chaussee den Königsweg. Rechts und links zeugen alte Chausseebäume noch von der Funktion als Verkehrsverbindung, heute ist alles stillgelegt und nur für Wanderer und Radfahrer geöffnet.
Am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden überquert der Königsweg die Autobahn mit einer neuen Brücke. Wir hatten damals das nächtliche Auflegen der Brücke beobachtet. Es war schon eine seltsame, an die Landung des Raumschiffes in »Unheimliche Begegnung der dritten Art« erinnernde Stimmung, als das schwere Eisenmonster im Scheinwerferlicht mit riesigen Kränen vom Tieflader gehoben und in das Brückenfundament eingepaßt wurde. Dann erreicht man den Waldfriedhof Zehlendorf, ein Prominentenfriedhof mit den Gräbern von Willy Brandt und Ernst Reuter, aber auch mit einem Italienischen Soldatenfriedhof.
Am Ende der Siedlung kann man rechterhand auf den Bahnhof Düppel/Kleinmachnow der Stammbahn blicken. Bis hierhin fuhr noch einige Jahre nach dem Mauerbau die S-Bahn, dann wurde der Verkehr eingestellt. Heute wird zwar immer wieder von einer Wiederinbetriebnahme der Stammbahn gesprochen, doch Aktivitäten konnten wir bisher nicht feststellen.
Jetzt nimmt der Königsweg mehr und mehr die Form eines Reitweges an. Reiten hat hier eine (unrühmliche) Tradition: Gegenüber dem Rittergut Düppel, von dem heute nur noch einige Stallungen übriggeblieben sind, baute sich 1933 die »Reichsreiterschule der SA« ihr Domizil, ein seltsamer Gebäudekomplex, eine Mischung aus monumentalen Bögen und Alpengemütlichkeit. Heute werden die Gebäude, wie auch die Gebäude des Rittergutes, von den Veterinärmedizinern der freien Universität genutzt. Ein alter Stall des Gutes Düppel wurde zur Mensa der angehenden Tierärzte umgebaut.
Weitere Links:
Auf den Seiten von Schlösser und Gärten kann man einen kleinen Plan mit zusätzlichen Informationen zur Villenkolonie Babelsberg herunterladen (PDF, ca. 600 KB). Literatur:
Andreas Austilat und Michael Winteroll: Stadtteilführer Zehlendorf, Berlin (Argon) 1994 [Spaziergang am 07.04.2002, Photos: Gabi, Links: Wir beide] |
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Letzte Änderung: 12.01.2003; 21:27:44 Uhr | © Copyright: 2000 - 2002 by Kantel-Chaos-Team | Kontakt: der@schockwellenreiter.de