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Neubabelsberg und der Königsweg

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Ziellos mit Zebu: Neubabelsberg und der Königsweg

S-Bahn Logo Dieser Spaziergang führte uns vom S-Bahnhof Griebnitzsee nach Kohlhasenbrück und dann immer den Königsweg entlang bis zum S-Bahnhof Zehlendorf.

Straßenschild Königsweg, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002

Der 1862 erbaute heutige Bahnhof Griebnitzsee ist die Keimzelle der Villenkolonie Neubabelsberg, die 1872 geplant und mit dem Bau der ersten Villa schon 1874 begonnen wurde. Doch der gewünschte Zuzug der reichen wilhelminischen Bürger stellte sich nicht ein, 1882 waren gerade erst einmal 10 % des Terrains bebaut. Erst als sich hier im November 1911 die »Deutsche Bioscop-Gesellschaft« ansiedelte und mit den Filmen Der Student von Prag und Der Golem den Grundstein für die Filmstadt Babelsberg legte, änderte sich das. 1921 gingen die Babelsberger Filmfirmen durch eine Art »feindlicher Übernahme« in die Ufa auf und so wurde Neubabelsberg doch noch das Domizil der Reichen und der Schönen, mit Villen, wie sie z.B. von Mies van der Rohe gebaut wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg, zu Zeiten des Potsdamer Abkommens, wohnten hier auch Stalin, Truman und Churchill.

Im Düppler Forst, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002 Wir liefen jedoch am Ufer des Griebnitzsees nach Kohlhasenbrück und dort, an der ehemaligen Bäkemündung und jetzigen Einmündunge des Teltowkanals in den Griebnitzsee über eine Brücke in den Königsweg.

Der Königsweg wurde 1730 von Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig angelegt, um eine schnellere Verbindung als bisher von Berlin nach Potsdam zu haben. Tatsächlich verkürzte die schnurgerade Verbindung durch Zehlendorf und den Düppeler Forst die Reisezeit auf vier Stunden. Auf diesem Weg hat der Soldatenkönig 1732 auch die vertriebenen Salzburger begrüßt, denen er ebenso Asyl gewährte, wie sein Großvater den Hugenotten. Doch in den Jahren 1792 bis 1795 wurde die »Steinbahn«, die erste preußische Chausse von Berlin nach Potsdam gebaut und der sandige Königsweg verlor seine Bedeutung.

Wie gesagt, der Königsweg führt schnurgerade durch den Düppeler Forst. Zu Mauerzeiten war er teilweise ein wenig unheimlich. Rechterhand waren die Grenzbefestigungen der DDR (die Einkerbungen der Stacheldrähte kann man noch heute in den Chauseebäumen beobachten), links war über weite Strecken ebenfalls eingezäunt das Übungsgelände der amerikanischen Streitkräfte. Heute fällt daran nur noch auf, daß der Wald relativ verwildert und ungepflegt wirkt.

Einkerbungen, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002

Irgendwo in der Mitte zwischen Kohlhasenbrück und der Brücke über die Autobahn überquert man die stillgelegten Gleise der ehgemaligen Friedhofsbahn nach Stahnsdorf, kurz darauf quert die Stahnsdorfer Chaussee den Königsweg. Rechts und links zeugen alte Chausseebäume noch von der Funktion als Verkehrsverbindung, heute ist alles stillgelegt und nur für Wanderer und Radfahrer geöffnet.

Gleise der Friedhofsbahn, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002 Der ehemalige Grenzkontrollpunkt Dreilinden, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002

Am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden überquert der Königsweg die Autobahn mit einer neuen Brücke. Wir hatten damals das nächtliche Auflegen der Brücke beobachtet. Es war schon eine seltsame, an die Landung des Raumschiffes in »Unheimliche Begegnung der dritten Art« erinnernde Stimmung, als das schwere Eisenmonster im Scheinwerferlicht mit riesigen Kränen vom Tieflader gehoben und in das Brückenfundament eingepaßt wurde.

Dann erreicht man den Waldfriedhof Zehlendorf, ein Prominentenfriedhof mit den Gräbern von Willy Brandt und Ernst Reuter, aber auch mit einem Italienischen Soldatenfriedhof.

Reitweg, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002 Hinter dem Friedhof, am Wasgensteig, beginnt eine kleine Siedlung, in der Gabi und der Schockwellenreiter zwei Jahre gewohnt haben. Wir waren allerdings nicht »Zehlendorf-kompatibel« und so haben wir die Idylle fluchtartig verlassen und uns wieder in Neukölln angesiedelt. Hier liegt auch der Lindenhof, das letzte erhalten gebliebene Kolonistenhaus von »Neu-Zehlendorf« (heute Kinderheim). 1772 war diese Kolonie angelegt worden, da sich Friedrich der Große über das brachliegende, von den Zehlendorfern kaum genutzte Land ärgerte.

Am Ende der Siedlung kann man rechterhand auf den Bahnhof Düppel/Kleinmachnow der Stammbahn blicken. Bis hierhin fuhr noch einige Jahre nach dem Mauerbau die S-Bahn, dann wurde der Verkehr eingestellt. Heute wird zwar immer wieder von einer Wiederinbetriebnahme der Stammbahn gesprochen, doch Aktivitäten konnten wir bisher nicht feststellen.

Die ehemalige Reichsreiterschule der SA, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002 Weiter nördlich, hinter dem Landschaftsschutzgebiet Krummes Fenn liegt das Museumsdorf Düppel. (Achtung: JavaScript-Alarm - das Browserfenster wird ungefragt auf volle Bildschirmgröße aufgezogen!) Dort hatte 1941 ein vierzehnjähriger Junge in einem Bombentrichter Scherben von Tongefäßen und damit ein Dorf aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Doch erst nach 1967 begannen die Ausgrabungen und heute wird das rekonstruierte Dorf von einem Verein als Freilichtmuseum betrieben.

Jetzt nimmt der Königsweg mehr und mehr die Form eines Reitweges an. Reiten hat hier eine (unrühmliche) Tradition: Gegenüber dem Rittergut Düppel, von dem heute nur noch einige Stallungen übriggeblieben sind, baute sich 1933 die »Reichsreiterschule der SA« ihr Domizil, ein seltsamer Gebäudekomplex, eine Mischung aus monumentalen Bögen und Alpengemütlichkeit. Heute werden die Gebäude, wie auch die Gebäude des Rittergutes, von den Veterinärmedizinern der freien Universität genutzt. Ein alter Stall des Gutes Düppel wurde zur Mensa der angehenden Tierärzte umgebaut.

Nachbarschaftsheim Mittelhof, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002 Hinter der S-Bahnbrücke erreichen wir Zehlendorf. Villen, wie der jetzt als Nachbarschaftsheim genutzte Mittelhof, aber auch Mehrfamilienhäuser säumen die Straße. Hier lebten Schriftsteller, wie die »Eifeldichterin« Clara Viebig (1869 - 1952) oder Georg Lentz (»Molle mit Korn«), der Maler Lyonel Feininger und der Gründer der ARD-Fernsehlotterie Ein Platz an der Sonne, Jochen Richert (Gedenktafel). Heute endet der Königsweg als Königsstraße an der Potsdamer Chaussee als kurze Fußgängerpassage mit dem 1983 aufgestellten Tierfigurenbrunnen von Brigitte Haake-Stamm.

Weitere Links:

Auf den Seiten von Schlösser und Gärten kann man einen kleinen Plan mit zusätzlichen Informationen zur Villenkolonie Babelsberg herunterladen (PDF, ca. 600 KB).
Zeitplan zur Geschichte von Zehlendorf.
Die Beschreibung einer Radtour von Düppel zum Teltow.
Stammbahn Berlin-Potsdam - Ein Studienprojekt von Landschaftsplanern der TU- Berlin

Tierfigurenbrunnen, Photo: Gabi Kantel, 07.04.2002

Literatur:

Andreas Austilat und Michael Winteroll: Stadtteilführer Zehlendorf, Berlin (Argon) 1994
Horst Kammrad: Spaziergänge in Zehlendorf, Berlin (Haude und Spener) 1996
Adriaan von Müller: Edelmann... Bürger, Bauer, Bettelmann. Berlin im Mittelalter, Berlin (Ullstein TB 34055) 1981
Karl-Heinz Otto: Babelsberg. Böhmische Weberkolonie Nowawes, Kaiserresidenz & Filmmetropole, Potsdam (Edition Märkische Reisebilder) 2000
Kurt Trumpa: Zehlendorf Gestern und Heute, Berlin (Elwert und Meurer) 2. Auflage 1979

[Spaziergang am 07.04.2002, Photos: Gabi, Links: Wir beide]





Letzte Änderung: 12.01.2003; 21:27:44 Uhr | © Copyright: 2000 - 2002 by Kantel-Chaos-Team | Kontakt: der@schockwellenreiter.de

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