Das Ostermontagsgedicht
Einer alten Tradition
folgend ein buntes Blumenphoto und das Ostermontagsgedicht:
Sonett an den Berliner Osterhasen
Die Berliner Osterhasen wohnen in den U-Bahn-Schächten.
Die Eier sind metallic-blau bemalt,
Die Schokoladentierchen sind verstrahlt.
Schelme, wenn sie sich dabei etwas dächten.
Am Ostermontag zum Frühschoppen
Sucht jeder Hase seine Weddinger Stammkneipe auf,
Um mit Freunden eine Runde Skat zu kloppen.
Sie erzählen von ihrer Arbeit und schneiden mächtig auf.
Abends sind sie dann betrunken —
Laut gröhlend: »Es wird einmal ein Wunder geschehn« —
Wieder in ihrem Schacht versunken.
Einige Passanten bleiben kopfschüttelnd stehn,
Denen sie beim Abschied zugewunken,
Und glauben, sie hätten weiße Mäuse gesehn.
Und nicht vergessen: Heute abend um 21:00 Uhr zur Verlosung in den Sandmann. (Is ja nich uff'm Wedding, aba ooch scheen...) [Photo: Gabi]
Posted by Jörg Kantel | Permalink | | | Gereimtes
Fröhliche Western (3): Die Auferstehung (Pale Rider)
Nachdem ich Euch gestern mit dem Opfertod des Stummen verstört zurückgelassen habe, wird es Zeit, an die Auferstehung zu denken. Schließlich ist Ostern und das will meine kleine Westernreihe ja feiern: Ein großindustriell arbeitende Minenbesitzer läßt seine Männer eine Gruppe traditionell arbeitender Schürfer überfallen, um sie dazu zu bringen, ihre Claims aufzugeben, da er auch dieses Tal mit seinen Maschinen ausbeuten will. Der Hund der Tochter eines der Schürfer wird bei diesem Überfall getötet. Das Mädchen betet zu Gott, daß er ihnen einen Retter schicken möchte. Und dieser Retter erscheint aus den schneebedeckten Bergen, da wo Silence getötet wurde, und verprügelt zur Einstimmung erst einmal jene, die den Verlobten der Mutter des Mädchens überfallen wollen:
Pale Rider: Der namenlose Reiter erscheint
Der
namenlose Reiter wird von
Clint Eastwood dargestellt, der bei diesem mythischen Spätwesterns auch Regie führte. Er ist ein Priester — oder gibt vor, einer zu sein —, der Narben schwerer, eigentlich tödlicher Verletzungen aufweist. Als der Minenbesitzer erfährt, daß die Goldschürfer Hilfe erhalten haben, ruft er seinerseits einen Revolverhelden zu Hilfe, der sich der Marshal nennt (ist es El Loco?) und der mit sechs weiteren Deputys erscheint, um »Ordnung« zu schaffen. Der Prediger kennt den Marshall offensichtlich und auch der Marshall wird an jemanden erinnert, den er vor langer Zeit erschossen hat. Eastwood verläßt das Tal und reitet in eine fremde Stadt, wo er aus einem Schließfach seine verstaubten Waffen holt, die ihn ebenfalls als Gunfighter ausweisen. Er tötet zuerst die Männer des Minenbesitzers, dann in einem verwirrenden Versteckspiel die Männer des Marshalls und schließlich in einem Show Down den Marshall selber, in dem er ihm an genau diesen Stellen trifft, an denen er die Narben aufweist. Danach verschwindet er wieder in den Bergen, noch bevor die Goldgräber ihm danken können.
Pale Rider: Trailer
Pale Rider (1985) ist vielleicht der letzte Versuch der Rettung des Westens gegenüber der kapitalistischen und industrialisierten Ausbeutung, verkörpert durch den Minenbesitzer und seine großen, das ökologische Gleichgewicht und die Landschaft zerstörenden Maschinen. Doch auch Eastwood weiß: Nur noch der Auferstandene kann dieses Wunder vollbringen und selbst dieses Wunder ist nicht von Dauer. Und so hat er 1992 mit
Erbarmungslos dem Western einen Grabstein gesetzt und ihm einen würdigen Abgang verschafft.
Unsere Trilogie mit österlichen Western ist hiermit zu Ende. Unter mythischen Gesichtspunkt betrachtet war Spiel mir das Lied vom Tod der alttestamentarischen, gewaltige Rachewestern mit Bronson als erbarmungslosen Engel des Todes, der sich durch nichts und niemanden von seiner Mission abbringen ließ und Il grande silenzio die Passionsgeschichte, die mit dem Opfertod des Stummen endete, so ist Pale Rider die österliche Auferstehung, die Erlösung, die dem Opfer folgt. In diesem Sinne: Fröhliche Ostern, fröhliche Western.
Und in meinem aStore gibt es eine Seite mit den besprochenen Filmen.

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